Galerien-Festival DC Open

Jetzt wird durchgeblüht

Von museal bis upcoming: Das Programm des Festivals DC Open in Köln und Düsseldorf ist vielfältig. Insgesamt 50 Galerien sind dabei. Wir verraten vorab einige Highlights

Die Saison am Rhein beginnt mit großen Namen. Bei der 17. Ausgabe des gemeinsamen Vernissagewochenendes DC Open zeigen die Kölner und Düsseldorfer Galerien Künstler wie Kader Attia, Gotthard Graubner, Tony Cragg, Hans-Peter Feldmann und, ganz museal, Meret Oppenheim – und noch zahlreiche spannende jüngere Positionen dazu. 50 Galerien nehmen an dem Wochenende teil, das vom 5. bis 7. September die zwei Nachbarstädte verbindet.

Wo die Kölsch-Altbier-Grenze überwunden werden kann, werden auch genreübergreifende Ausflüge toleriert. Zum Beispiel in die Wissenschaft: Beim Kölner Karsten Greve in Laufnähe des Doms erinnern Farben und Texturen an Meerespflanzen und Bilder, die unter Wasser aufgenommen wurden. Die alteingesessene Galerie zeigt in der Soloschau "The Sea Around Us" neue Arbeiten von Georgia Russell. Der Titel stammt aus dem gleichnamigen Buch der Biologin Rachel Carson, in dem diese die Wunder des Meeres in einer Mischung aus Fakten und Fiktion beschrieb. Wie Claude Monet, der Ende des 19. Jahrhunderts den Londoner Smog malte, reflektiert auch Russell die Umweltverschmutzung mit Assemblagen in Plexiglaskästen. Überschüssige Farbe nimmt sie mit Schwämmen auf und verteilt sie auf Leinwand und Papier. So integriert sie ihren eigenen "Abfall" wieder in ihre Arbeit.


Während Raphaela Vogel bei JUBG, spezialisiert auf musizierende bildende Künstlerinnen und Künstler, unter dem kryptischen Titel "Ab jetzt wird durchgeblüht: Music for Anrainer of Airports" gastiert, zeigt die Galerie Gisela Capitain wenige Schritte entfernt eine weitere innovative Künstlerin. 

Die New Yorker Bildhauerin Kristi Cavataro arbeitet mit Buntglas. Sie befreit das Material aus seinem dekorativen Platz in Fenstern und Lampen und baut verschachtelte Module. Jede Skulptur besteht aus Gittern rechteckiger Glasstücke, die Cavataro von Hand schneidet, abschleift und verlötet.

Der Körper in seiner ganzen Vielfalt

Sophia Süßmilch ist bekannt für ihre ausgefallenen Performances, gelegentlich auch gemeinsam mit ihrer Mutter, garniert mit schamloser Selbstironie und mitunter begleitet von Shitstorms. "Draw me like one of your French Girls" heißt ihre Soloschau bei Petra Martinez im Belgischen Viertel. 

Der Satz stammt von Rose aus dem Film "Titanic" von 1997. Sie sagt ihn vor dem Posieren zu Jack. Süßmilch fügt dem Satz "(Fat, Ugly and Gay)" hinzu. Malerei, Fotografie, Textilskulpturen und eine Performance zur Eröffnung feiern das Anderssein und den Körper in seiner queer-sexuellen und multimedialen Dimension.


Die Galerie Gathering hat seit April eine Dependance in der Domstadt eröffnet und das Café Central, das einstige Stammlokal des Malers Martin Kippenberger, wieder ins Leben gerufen. Sie wurde erst 2022 in London von Alex Flick, Sohn des Großsammlers Mick Flick, gegründet und feiert ihre erste Teilnahme mit Stefan Brüggemann. Der Mexikaner arbeitet sich mit sprachbasierten Werken – oft in Neon, Gold und Silber – an Massenmedien und Spektakelkultur ab. In Köln stellt er sich mit "SPEED" vor, bestehend aus einer neuen Serie von Marmorskulpturen, einer Klangarbeit und einer architektonischen Intervention. Zuletzt realisierte er eine Aluminium-Bar-Installation für das Café Central.


Rheinabwärts in Düsseldorf zeigt die Galerie Anna Laudel in der Altstadt unter dem Titel "Koffer der Unsichtbaren" Werke des in Istanbul lebenden Bilal Hakan Karakaya, der sich in einem Kosmos aus labyrinthischen Strukturen bewegt. Die kugelförmigen Gebilde sind zu dichten Netzwerken verknotet. Ihre Silhouetten lassen an die kristalline Alpenarchitektur Bruno Tauts denken, der unter den Nazis in Deutschland seine Professur verloren hatte und anschließend nach Istanbul berufen wurde.


Ein Teil der Kunstgeschichte ist auch Meret Oppenheim, die sich ihren Platz dort erkämpfen musste. Im Blitzlicht von Man Rays Kamera wirkte sie wie die ideale nackte Schaufensterpuppe. Der Part der schönen Muse lag der Schweizerin aber nicht, und sie sollte sich gegen das Etikett ihr Leben lang wehren. Auch 40 Jahre nach ihrem Tod wird die volle Bandbreite ihres Werks noch immer ergründet. Bei Linn Lühn im Stadtteil Flingern lässt sie sich neben Editionen, Zeichnungen und Buntstiftskizzen entlang der Serie "Parapapillonneries" von 1976 studieren. Sechs Farblithografien schildern die Verwandlung einer Raupe in einen Schmetterling.


Für eine Art überdimensionale Kokons könnte man bei Schönewald auch die Skulpturen aus nicht mehr verwertbaren Materialresten des Düsseldorfers Wilhelm Mundt halten. Sie tragen Titel wie "Totes Kapital", stecken hinter Gittern und leuchten terrestrisch. So wird Recycling zur Kunstform erhoben.

Dieser Artikel erschien zuerst in Monopol 09/2025.