Der Panzer rollt nicht. Bedrohlich und irgendwie niedlich zugleich steht er da vor der Galerie. Denn er ist aus Gummi und nur mit Luft gefüllt. Das martialische Gerät stammt von Zuzanna Czebatul, die diesem Ungetüm und vermeintlich niedlichen riesigen Lebkuchenherzen die erste Ausstellung von Dittrich & Schlechtriem in den neuen Räumen der Galerie in Köln bestreitet.
Besonders herzig sind die Zuckergusssprüche allerdings nicht: "Happiness Fears Interruption", "Freedom Exhausts Itself as Choice", "Desire Dies in Fulfilment" oder "Every Connection Conceals a Distance" kann man zwar mit nach Hause nehmen, als Mitbringsel eignen sie sich allerdings nur, wenn der oder die Beschenkte ähnlich tickt. Das gilt allerdings auch für die traditionellen Backwerke von der Kirmes. Den Raum haben die Berliner übrigens von Gathering (London/Ibiza) übernommen. Galerist Alex Flick hatte nur ein kurzes Gastspiel in Köln.
Zuzanna Czebatul "My Heart Goes Boom", 2026 (Rendering)
Ganz einfach ist der Marktplatz Rheinland ja auch nicht, aber anscheinend immer noch attraktiv genug, dass sich etwa Malte Pawelczyk aus Karlsruhe ihr zweites Standbein nicht in der Hauptstadt, sondern in Düsseldorf errichtet. Seine PAW Gallery zeigt hier Schichtbilder von Iris Helena Hamers, die an Papercut-Landschaften erinnern, allerdings wesentlich aufwendiger gearbeitet sind. Ihre Motive schöpft die Künstlerin aus eigenen spontan aufgenommenen oder inszenierten Fotos und wie zufällig aus dem Internet gefischt wirkenden Bildern, die sie zu einer Komposition zusammenfügt, deren mögliche Erzählung sich immer wieder entzieht. Oder, um es mit Dieter Thomas Kuhn zu sagen: "Der Schein verbirgt, was er Dir verspricht."
Gleich nebenan ist der Düsseldorfer Ableger der Projektraum GHB Space Geddert Hronjec Berlin, der erstmals offiziell an DC Open teilnimmt und so low-key ist, dass man nach der Internetpräsenz wirklich suchen muss. Auf Instagram hat GHB (Stand 6. September) ganze 460 Follower. Die erste europäische Einzelausstellung der 27-jährigen Videokünstlerin Montika Kham-On lohnt die knappe Dreiviertelstunde Laufzeit der Arbeiten beim Rundgang zu reservieren. Ein kleiner Vorgeschmack aus dem Pressetext: "Afterlives verbindet die spekulative Zukunft einer tropischen Ontologie mit der körperlichen Praxis des Post-Tropical Cinema." Womit wir fast wieder bei Dieter Thomas Kuhn wären.
Montika Kham-on "Arrival", 2025, Videostill
Zwischen beiden Städten gewechselt hat die auf Fotografie spezialisierte Van der Grinten Galerie, die gerade ihre erste Ausstellung in Düsseldorf mit zum Teil sehr großen Formaten von Valérie Belin eröffnet. In Köln vermissen die Galeristen ein wenig die Begeisterung für Neues, ist beim Gespräch mit Nadia van der Grinten herauszuhören – abgesehen von den zivilisatorischen Defiziten, mit denen man sich über die Jahrzehnte in der Stadt eingerichtet hat.
Valérie Belin "Galatée" (aus der Serie "Lady Stardust"), 2023
Beim Umzug innerhalb Kölns Anfang des Jahres hat die Galerie Drei den Boho-Chic des Belgischen Viertels gegen Räume in der Fußgängerzone eingetauscht, die so repräsentativ sind, dass der Türnachbar die rheinische Repräsentanz des Münchener Auktionshauses Ketterer ist. Spannender als die dort von der Berliner Galerie Haas außerhalb von DC Open gezeigte Schau mit zeitgenössischen Künstlern, die mehr oder weniger gelungen "D'après Manet“ gemalt haben, ist die Gegenüberstellung von vier weiblichen Positionen bei der Drei. Heidi Bucher († 1993), Helena Huneke († 2012), Willa Wassermann (* 1990) und Mira M. Yang (* 1993) stehen für drei Generationen und einen jeweils anderen Zugang zu Fragen nach persönlicher und kollektiver Erinnerung.
In diesem Jahr auffällig ist die Häufung von Doppelpräsentationen, die oft tatsächlich einen Dialog zwischen unterschiedlichen künstlerischen Positionen eröffnet, aber vielleicht auch einfach das wirtschaftliche Risiko verringert, weil sich verschiedene Sammlerpositionen bedienen lassen. Das funktioniert natürlich am besten mit einer Gruppenshow, wie sie auf Kunstmessen in den Kojen von Galerien und Händlern die Regel sind. Gisela Capitain präsentiert allerdings zu ihrem 40-jährigen Galeriejubiläum Highlights aus ihrem Programm.
Galerie Gisela Capitain: Marcel Odenbach "Conosci la terra dove fioriscono i limoni?", 2026
Ein starkes Zeichen für bürgerschaftliches Engagement setzt zum zweiten Mal der Weststern Förderpreises für Kunstvereine. Die Auszeichnung ist eine private Initiative des Unternehmers Jan Fischer. Sie ist mit insgesamt 90.000 Euro dotiert und wird zum zweiten Mal an Kunstvereine aus Nordrhein-Westfalen in drei Kategorien vergeben. Der Kunstverein Siegen wird für sein Jahresprogramm geehrt (40.000 Euro), der Westfälische Kunstverein in Münster für die Ausstellung "Voices of many Voices" von Julia Heyward (30.000 Euro) sowie der Kunstverein Unna für sein gesellschaftliches Engagement (20.000 Euro).
In diesem Jahr ist dann aber noch spontan eine mit 10.000 Euro dotierte "Besondere Anerkennung" dazugekommen, mit der der NAK Neuer Aachener Kunstverein gewürdigt wird, dessen Programm "vielfältigen, insbesondere queeren künstlerischen Positionen Raum und Sichtbarkeit gibt".