ZPS-Aktion

Debatte um Störung von Weidel-Interview

Alice Weidel (AfD), Parteivorsitzende, und Moderator Markus Preiß kommen zum ARD-Sommerinterview "Bericht aus Berlin" gegenüber vom Reichstagsgebäude
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Alice Weidel (AfD), Parteivorsitzende, und Moderator Markus Preiß kommen zum ARD-Sommerinterview "Bericht aus Berlin" gegenüber vom Reichstagsgebäude

Trillerpfeifen, Hupen und laute Musik: Beim ARD-Sommerinterview mit AfD-Chefin Weidel war kaum etwas zu verstehen. Dafür verantwortlich war unter anderem das Kunstkollektiv Zentrum für politische Schönheit. Jetzt werden Konsequenzen diskutiert

Die lautstarke Störung des ARD-Sommerinterviews mit AfD-Chefin Alice Weidel stößt teils auf heftige Kritik. Solcher Protest mache die AfD nur stark, sagte CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann bei RTL/ntv. Der AfD-Politiker Markus Frohnmaier forderte eine Wiederholung des Fernsehgesprächs. Darauf besteht Weidel selbst nach Angaben ihres Sprechers Daniel Tapp aber nicht - zumal sie das Interview trotz des Lärms hatte fortsetzen wollen. Die ARD kündigte an, für künftige Interviews Vorkehrungen zu treffen.

Das am Sonntagnachmittag live im Internet übertragene Interview wurde im Berliner Regierungsviertel an der Spree unter freiem Himmel geführt. Eine Demonstration am anderen Spreeufer mit Trillerpfeifen, Hupen und lauter Musik mit Anti-AfD-Slogans war in der Übertragung laut zu hören. Weidel beklagte sich bei Interviewer Markus Preiß, dass seine Fragen nicht zu verstehen seien.

Hinter den aus einem Bus übertragenen Anti-AfD-Gesängen, in denen ein Chor die Worte "Scheiß AfD" wiederholte, steckt nach eigenen Angaben die Gruppe Zentrum für Politische Schönheit (ZPS). 

BREAKING: Das beste Sommerinterview, das die ARD je mit Faschisten geführt hat. Ausgerechnet in dem Land, in dem der politische Rechtsextremismus für die schlimmsten Katastrophen in der Menschheitsgeschichte verantwortlich ist. Heute, 18 Uhr bei der ARD. 🚀🚀🚀

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— Zentrum für Politische Schönheit (@politicalbeauty.bsky.social) 20. Juli 2025 um 16:05


In der Nähe hatten sich nach Angaben der Berliner Polizei zudem etwa 40 Personen zu einer "Spontankundgebung" unter Leitung einer 64-jährigen Frau eingefunden. Einige von ihnen trugen Westen mit der Aufschrift "Omas gegen Rechts". Der Verein "Omasgegenrechts Deutschland" erklärte aber auf Anfrage, dies sei nicht seine Aktion gewesen und man kenne die Beteiligten nicht.

ZPS weist Kritik zurück

Das ZPS hat bereits mehrfach für Aufsehen gesorgt. So hatte es etwa eine Nachbildung des Berliner Holocaust-Mahnmals in der Nachbarschaft des Wohnhauses des AfD-Politikers Björn Höcke in Thüringen aufgestellt, Bilder des US-Milliardärs Elon Musk mit einer Geste, die dem Hitlergruß ähnelt, an die Fassade des Tesla-Werks bei Berlin projiziert oder in Berlin ein riesiges Plakat mit CDU-Chef Friedrich Merz und Weidel in inniger Umarmung aufgehängt.

Der Sprecher des Zentrums, Philipp Ruch, wies auf dpa-Anfrage Kritik an der Aktion zurück. Die AfD liege in Umfragen bei 25 Prozent. "Diese Partei braucht nicht die politische Kunst, um richtig 'groß' zu werden."

Das Zentrum erhalte "nicht einen Cent" staatliche Förderung, bekräftigte Ruch. Auch "Omasgegenrechts Deutschland" wird nach eigenen Angaben nicht staatlich gefördert. Weidel hatte während des Interviews gesagt, man wisse nicht, ob der Protest "nicht mit deutschen Steuergeldern über irgendwelche NGOs angeschoben" sei.

"Sehr schlechter Stil"

Weidel kritisiere zwar die Störaktion, wie ihr Sprecher Tapp mitteilte, eine juristische Auseinandersetzung sei aber nicht geplant, erklärte Tapp. Auf Nachfrage bestätigte der Sprecher, dass Preiß und Weidel sich während einer kurzen Pause für einen Einspielfilm verständigt hätten, das Interview fortzusetzen. "Im Hinblick darauf, dass das Interview live gestreamt wurde, hätte ein Abbruch auch als Kapitulation vor den Störern gewirkt", erklärte Tapp.

AfD-Fraktionsvize Frohnmaier meinte dennoch im Gespräch mit dem Portal "Politico": "In einer solchen Situation hätte die ARD für ein faires, ungestörtes Interview ins Studio ausweichen müssen." Und er forderte: "Ich erwarte, dass das Gespräch unter fairen Bedingungen wiederholt wird."

Dem widersprach der Deutsche Journalistenverband. "Eine Wiederholung des Interviews unter Studiobedingungen käme einer Überhöhung der AfD-Vorsitzenden gleich, für die es keinen Anlass gibt", erklärte DJV-Chef Mika Beuster auf Anfrage. Preiß habe sich redlich bemüht, das Interview unter schwierigsten Bedingungen zu führen. Allerdings stelle sich im Nachhinein die Frage nach dem Erkenntnisgewinn des Publikums. "Der dürfte wegen der unüberhörbaren Störungen nicht allzu groß sein", meinte Beuster.

AfD-Politiker Bernd Baumann sprach beim Sender "Welt" davon, dass NGOs und ein "großer Teil der Medien" mit Hilfe der Berliner Polizei die freie Meinungsäußerung unterdrückten. Die Berliner Polizei habe bewusst nicht eingegriffen. Die Berliner Polizei verteidigte hingegen ihr Vorgehen. Das Spannungsfeld zwischen Versammlungsfreiheit und Schutz der öffentlichen Ordnung sei sorgfältig abgewogen worden, erklärte die Behörde. "Die Polizei Berlin handelte in dieser Lage unparteiisch, deeskalierend und von der geltenden Rechtslage gedeckt."