Anlass ist das Inkrafttreten der nächsten Stufe der europäischen KI-Verordnung (AI Act) am 2. August sowie die Veröffentlichung des europäischen "Code of Practice", der Unternehmen die Einhaltung der Regeln erleichtern soll.
Aus Sicht der Urheberinnen und Urheber sind die neuen Regelungen unzureichend. "Die KI-Industrie zeigt kein Interesse daran, die Urheber:innen für die Nutzung ihrer Werke angemessen zu vergüten", kritisiert der Fotorat. Der Konflikt zwischen dem Schutz kreativer Inhalte und dem grenzenlosen Datenhunger der KI-Entwickler verschärfe sich, während kleine Firmen oder Vereine große Datensammlungen für Tech-Konzerne bereitstellen – ohne dass diese für die Rechtmäßigkeit der Inhalte verantwortlich gemacht werden.
Der Deutsche Fotorat formuliert acht zentrale Forderungen:
- Geistiges Eigentum muss beim KI-Training gesetzlich geschützt sein. KI-Training darf nicht automatisch unter die Ausnahmeregelungen für Text- und Data-Mining fallen.
- Angemessene Vergütung für Kreative. Sowohl für die Nutzung der Werke im Training als auch für den Output der KI-Systeme.
- Training nur mit Zustimmung der Urheber:innen. Ein sogenanntes Opt-In soll gewährleisten, dass Werke nur mit ausdrücklicher Erlaubnis verwendet werden.
- Transparenz beim KI-Training. Trainingsdaten und Quellen müssen nachvollziehbar und öffentlich zugänglich sein.
- Erhalt von Urheberinformationen. Metadaten dürfen nicht gelöscht werden; bestehende Regelungen müssen durchsetzbar gemacht werden.
- Unterscheidung zwischen authentischer Fotografie und KI-Bildern. KI-generierte Bilder müssen eindeutig gekennzeichnet werden, um Manipulationen zu verhindern.
- Urheberrechte dürfen keine Verhandlungsmasse sein. Rechteinhaber sollen nicht bei Handelsabkommen oder politischen Aushandlungen benachteiligt werden.
- Transparente und demokratische Regulierung. Beteiligungsverfahren auf europäischer Ebene müssen fair und ausgewogen gestaltet werden, statt von Industrieinteressen dominiert zu werden.
Der Fotorat fordert die Bundesregierung auf, sich bei der anstehenden Überprüfung der EU-Urheberrechtsrichtlinie (CDSM-Richtlinie) für eine Reform einzusetzen, die die Rechte der Kreativen sichert. "Ohne menschliche Kreativität gibt es keine generative KI", betont der Verband.
Der Deutsche Fotorat ist ein Dachverband für Fotografie in Deutschland mit 47 Mitgliedsorganisationen, der sich für die Rechte, Interessen und die wirtschaftliche Absicherung seiner Mitglieder einsetzt. Er engagiert sich insbesondere für den Schutz geistigen Eigentums und faire Arbeitsbedingungen in der Kreativbranche.