In Berlin wird überall für die Kultur gebaut – nur mit der Fertigstellung hapert es immer stärker. Gut, der Neubau für das mittlerweile Berlin Modern getaufte Museum der Moderne am Kulturforum hat das Rohbaustadium bald hinter sich, zehn Jahre nach dem Architekturwettbewerb. Doch bestehende Bauten geraten immer häufiger in Sanierungen, die zu Generalsanierungen anwachsen, und die Bauzeiten wachsen ins Unermessliche.
Kürzlich erst wurde bekannt, dass die Staatsbibliothek unmittelbar gegenüber vom Berlin Modern ab 2030 für nicht weniger als elf Jahre saniert werden soll, mithin erst 2041 wieder zur Nutzung bereitstehen wird. Die Endlosfristen beim Pergamonmuseum sind schon lange ein Ärgernis, so dass die Wiedereröffnung des Bauteils mit dem namengebenden Pergamonaltar im Jahr 2027 beinahe schon wie übermorgen scheint. Kaum bemerkt wurde bislang, dass ein weiterer Großbau in Mitte seit nun schon fünf Jahren ausfällt und mindestens weitere fünf Jahre geschlossen bleiben wird: das Zeughaus als Sitz des Deutschen Historischen Museums (DHM).
Nun hat das DHM zum Glück einen modernen Erweiterungsbau, den nach seinem Architekten benannten Pei-Bau hinter dem Zeughaus. Dort werden auf wechselnden Etagen die Sonderausstellungen gezeigt; gerade geht "Roads Not Taken. Oder: Es hätte auch anders kommen können" in ihre letzten Tage, bei bislang knapp einer halben Million Besuchern. Bloß die Dauerausstellung zur deutschen Geschichte, der Kern der Arbeit des DHM, ist nicht zu sehen. Sie war im Zeughaus untergebracht, wurde mehrfach verändert – zuletzt im Zuge der erst 2003 abgeschlossenen Renovierung – und soll in völliger Neukonzeption wiedererstehen. Bloß wann?
Zeughaus frühestens 2031 fertig
Vergangenen Mittwoch hat DHM-Präsident Raphael Gross dem Kulturausschuss des Bundestages erläutert, dass die Wiedereröffnung des Zeughauses frühestens im Jahr 2031 stattfinden kann. Er müsse "derzeit davon ausgehen", so Gross, denn eine Bestätigung seitens des Eigentümers, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), gibt es nicht. Dabei ist das Gebäude, in dem das DHM lediglich Mieter der BImA ist, seit Juli 2021 geschlossen. Es muss saniert werden, aber damit ist noch nicht einmal begonnen worden.
Die Durchführung selbst obliegt dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR). Die BImA beruft sich darauf, erst seit 2021 den Umfang des Sanierungsbedarfs erfahren zu haben. Den im Einzelnen festzustellen, ist Aufgabe des BBR; das DHM meldet seine Notwendigkeiten an, beispielsweise an einer zeitgemäßen IT-Ausstattung. Ein Zeitplan, so Gross, werde erst mit der Erstellung der Bauplanungsunterlagen im kommenden Jahr vorliegen, so dass 2028 mit der Sanierung begonnen werden könne. Eine Fertigstellung vor 2031, so Gross in höflicher Umschreibung, sei kaum möglich.
Laut BImA muss das Haus mit seinen 7.500 Quadratmetern reiner Ausstellungsfläche in einem Zug saniert werden, weil innerhalb des Gebäudes alles mit allem zusammenhängt – die gesamte Haustechnik mit Heizung, Klimatisierung, Belüftung, Elektrik. Der Kulturstaatsminister des Bundes (BKM), Wolfram Weimer, erklärte vor dem Ausschuss, das Thema Zeughaus grenze "fast an einen Skandal". Das Haus werde ein Jahrzehnt lang geschlossen, "weil die BImA es nicht hinbekommt, das ordentlich zu sanieren". Er sei "seit Wochen auf der Protestbarrikade".
Humboldt Forum als Ausweichquartier
Da nun kommt das Humboldt Forum ins Spiel. Ende dieses Jahres wird die vom Land Berlin finanzierte und von der Stiftung Stadtmuseum ausgerichtete Ausstellung "Berlin global" schließen; sie war ad hoc entstanden, nachdem der ursprünglich vorgesehene Einzug der Landesbibliothek ins erste Obergeschoss abgeblasen worden war. Die Kürzung des Stadtmuseums-Etats um 3,6 Millionen Euro jährlich ließe sich durch die Beendigung des Gastspiels im Humboldt Forum zumindest auffangen. Allerdings ist nicht entschieden, was mit der Fläche von über 3.000 Quadratmetern rund um den Schlüterhof alternativ geschehen könnte. Man hört, dass seitens des Landes Berlin über eine groß dimensionierte Ausstellung zum Thema "Freiheit" nachgedacht wird.
DHM-Chef Gross hat vor dem Bundestags-Ausschuss über Gespräche mit dem Land Berlin berichtet, die die befristete Überlassung der Fläche von "Berlin global" zum Gegenstand haben. Dort, so Gross, "können wir uns eine reduzierte, aber substantielle Chronologie vorstellen", also statt 5.000 Quadratmetern im Zeughaus dann rund 3.000 Quadratmeter Dauerausstellung zur deutschen Geschichte. Ministerialdirektorin Maria Bering, beim BKM zuständig für den Bereich "Geschichte und Erinnerung", unterstrich, die Behörde befinde sich hinsichtlich der Überlassung der Flächen im Humboldt Forum "in intensiven Gesprächen mit dem Land Berlin", die seien "noch nicht abgeschlossen".
Gross beklagte zudem Einnahmeausfälle aufgrund der Zeughaus-Schließung in Höhe von 2,1 Millionen Euro jährlich, die nun für Wechselausstellungen fehlten. "Das DHM ist offen", betonte er gegenüber den Abgeordneten im Ausschuss: "Wir haben vier Flächen, wo wir Ausstellungen zeigen!"
Unbefriedigende Kommunikation seitens der Bundesbehörden BImA und BBR
Für die künftige Präsentation im Zeughaus wurde bereits das Stuttgarter Büro Atelier Brückner gewonnen, das zu den international gefragtesten Teams für Museums- und Ausstellungsgestaltung zählt. Gerade ist in Kairo das Grand Egyptian Museum mit dem von Brückner gestalteten Bereich zum Grab des Tutenchamun eröffnet worden. Das Atelier könnte auch im Humboldt Forum agieren, es wären ja identische Objekte, mit denen dort wie später im Zeughaus gearbeitet würde.
Ob das DHM in absehbarer Zeit also seine Dauerausstellung zeigen kann, und sei es in komprimierter Form, steht derzeit noch in den Sternen. Die Kommunikation seitens der Bundesbehörden BImA und BBR ist, gelinde gesagt, unbefriedigend. Und die Politik auf Bundesebene wie auch die Parteien, die sich doch vehement für die Errichtung des Geschichtsmuseums eingesetzt hatten, beziehen erst jetzt gegen dessen jahrelange Schließung Stellung. Raphael Gross' Auftritt vor dem Bundestagsausschuss hat die Misere in aller Deutlichkeit ins Bewusstsein gerufen – nur: Vor 2031 wird das Zeughaus nicht wiedereröffnen. Wenn das denn reicht.