Rund 250 Millionen Dollar teuer, mit 70-mm-Imax-Kameras gedreht, gut drei Stunden lang: Christopher Nolan hat "Die Odyssee" fürs Kino inszeniert – als einen weiteren Versuch, das Publikum von den Streamingdiensten zurück in die Säle zu holen. Das neueste Kino-Event erinnert an die 1950er-Jahre und Hollywoods Kampfansage an das noch junge Fernsehen. Damals waren es nicht zuletzt Historienfilme wie die erste Cinemascope-Produktion "The Robe", die der Konkurrenz mit Breitwandformaten, epischen Geschichten und XXL-Schauwerten den Kampf ansagten. Viele dieser "Sandalenfilme" – benannt nach dem typischen Schuhwerk ihres Personals – spielten in Rom, das nicht selten als Spiegelbild der Supermacht USA diente.
Wenn nun ein amtierender Präsident seinen runden Geburtstag mit dem 250. Jubiläum der USA verknüpft und mit Käfigkämpfen vor dem Weißen Haus die in "Quo Vadis" oder "Gladiator" gezeigten Brot-und-Spiele-Spektakel wiederaufleben lässt, sagt das einiges über den Zustand des Landes aus – und rückt die klassischen Monumentalfilme erneut in den Fokus.
Bleibt die Preisfrage: Welche Erzählungen von antiken Schurken, biblischen Helden und homerischen Gestalten überzeugen bis heute? Wir wagen ein Ranking quer durch die Geschichte des Sandalenfilms. Dem Genre geschuldet, ist die Liste männlich dominiert.
10. "Die Fahrten des Odysseus", Mario Camerini, 1954
Lange vor Matt Damon schlüpfte schon Kirk Douglas in die Sandalen des trickreichen Seefahrers. Heute ist das teure Kino-Epos weitgehend in Vergessenheit geraten. Eigentlich schade – nicht nur wegen der schönen Spezialeffekte, sondern auch wegen Silvana Mangano in der Doppelrolle als Circe und Penelope.
9. "Caligula", Tinto Brass, 1979
Die Sex- und Blutorgie um den berüchtigtsten römischen Kaiser bleibt hochumstritten. Daran hat auch die 2023 veröffentlichte Neufassung nicht viel geändert. Produzent – und "Penthouse"-Chef – Bob Guccione hatte den Film einst gegen den Willen von Regisseur Tinto Brass um zusätzliche Sex- und Gewaltszenen ergänzt, sodass sich sowohl Brass als auch Hauptdarsteller Malcolm McDowell von der Kinofassung distanzierten. Als dekadent-bösartiges "Stiefelchen" ist McDowell allerdings bestens besetzt.
8. "Gladiator", Ridley Scott, 2000
Und noch ein kaiserliches Arschloch: Commodus, von 180 bis 192 römischer Kaiser und von Joaquin Phoenix vorzüglich widerlich gespielt. Im Mittelpunkt von Ridley Scotts "Gladiator" steht allerdings der von Russell Crowe verkörperte Titelheld, der eigentlich Maximus Decimus Meridius heißt, im Kolosseum die Massen begeistert und Commodus in der Arena den Garaus macht. Fünf Oscars gab es dafür – durchaus verdiente Lorbeeren.
7. "Quo Vadis", Mervyn LeRoy, 1951
Der Monumentalfilm "Quo Vadis" zählte zu den Inspirationsquellen für "Gladiator". Mervyn LeRoys vierte, aufwendigste und erfolgreichste Verfilmung des Romans von Henryk Sienkiewicz wurde aus Kostengründen nicht in Kalifornien, sondern in den Cinecittà-Studios gedreht. Eine zukunftsweisende Entscheidung, denn Italien sollte Hollywood in Sachen Sandalenfilm bald den Rang ablaufen. Den besten Grund, sich "Quo Vadis" heute noch anzuschauen, liefert Peter Ustinov als dilettierender Singer-Songwriter, Christenhasser und Rom-Anzünder Nero: kindisch, witzig, widerlich – Trump mit Leier.
6. "Cleopatra", Joseph L. Mankiewicz, 1963
Bei den Dreharbeiten lernten sich Cleopatra-Darstellerin Elizabeth Taylor und Richard Burton, der Marcus Antonius spielte, kennen – und wurden zum Skandalpaar der Traumfabrik. Berühmt ist das Filmporträt der Pharaonin aber auch als monströser Höhe- und Endpunkt des Hollywood-Monumentalfilms: Taylor war immer wieder krank, die Dreharbeiten verzögerten sich endlos, und die Produktionskosten brachten 20th Century Fox an den Rand des Ruins. Erst drei Jahre nach seinem Kinostart hatte "Cleopatra" die immensen Kosten wieder eingespielt. Sehenswert bleibt der Schinken nicht zuletzt dank Rex Harrison, der als Julius Caesar brilliert.
5. "Spartacus", Stanley Kubrick, 1960
Aufsteigergeschichten sind auch im Sandalenkino oft interessanter als Storys über fiese Kaiser und bildschöne Pharaoninnen. Bei "Spartacus", der vom gleichnamigen Anführer des Sklavenaufstands von 73 bis 71 vor Christus erzählt, führte zudem Perfektionist Stanley Kubrick Regie. Nicht weniger beeindruckend ist das Ensemble: Kirk Douglas als Spartacus, Jean Simmons als seine Geliebte Varinia und Peter Ustinov als Betreiber der Gladiatorenschule. Ebenfalls grandios: Tony Curtis als Sklave Antoninus und Laurence Olivier als Crassus. Ihre als zu homoerotisch befundene Szene, in der sich der bisexuelle Feldherr an Antoninus heranmacht – "My tastes include both snails and oysters" –, fiel zunächst der Schere zum Opfer und wurde erst 1991 wieder in den Film aufgenommen.
4. "Der Untergang des Römischen Reiches", Anthony Mann, 1964
Kirk Douglas hatte als ausführender Produzent von "Spartacus" den von ihm selbst engagierten Regisseur Anthony Mann nach wenigen Drehtagen wegen Meinungsverschiedenheiten am Set gefeuert. Drei Jahre später erhielt Mann die Gelegenheit zur Revanche: mit einem Filmprojekt, das den Untergang Roms in knapp drei Stunden nachzeichnet. Ein irres Vorhaben – aber hey, so geht Kolossalkino. In der zwölf Jahre umfassenden Handlung stirbt der "gute" Kaiser Marc Aurel, gespielt von Alec Guinness, woraufhin dessen fieser Sohn Commodus (Christopher Plummer) die Macht an sich reißt. Sophia Loren, die in "Quo Vadis" als Statistin debütiert hatte, ist ebenfalls dabei. Liebeswirren und Machtintrigen säumen den Niedergang des Reiches – in einer weitgehend frei erfundenen, aber mitreißend erzählten Geschichte. Das rekonstruierte Forum Romanum ist spektakulär.
3. "Die zehn Gebote", Cecil B. DeMille, 1956
Einst stellte irgendein Hollywoodproduzent das elfte Gebot auf: Du sollst nicht langweilen. Cecil B. DeMille hat es stets befolgt. 1956 verfilmte er die Geschichte vom Auszug der Hebräer aus Ägypten zum zweiten Mal – in Technicolor und VistaVision –, legte mit der Besetzung der Moses-Rolle den Grundstein für Charlton Hestons herausragende Sandalenfilmkarriere und verwandelte die fünf alttestamentarischen Bücher Mose in ein Popkunstwerk ersten Ranges. Auch der übrige Cast ist spektakulär: Yul Brynner, Anne Baxter, Edward G. Robinson. Omg.
2. "Land der Pharaonen", Howard Hawks, 1955
Nachdem sein einziger Ausflug ins Monumentalfilmgenre gefloppt war, steckte Howard Hawks, Meister beinahe aller Hollywoodgenres, den Kopf für vier Jahre in den Wüstensand. Dort spielt der zu Unrecht unterschätzte und ungemein fesselnde "Land der Pharaonen". Herrscher Cheops, gespielt von Jack Hawkins, lässt sich eine Pyramide bauen. Bis sein Grabmal bezugsfertig ist, nimmt er die zypriotische Prinzessin Nellifer – die junge Joan Collins – zur Zweitfrau. Das macht- und goldgierige Biest ermordet die Königin und Cheops’ Sohn, um schließlich auch den Pharao ins Grab zu bringen. Die Pyramide wird mithilfe gewaltiger Sandmassen versiegelt. Nellifer, die lebendig mit begraben wird, hat sich böse verkalkuliert.
1. "Ben Hur", William Wyler, 1959
Er gewinnt nicht nur das berühmte Wagenrennen, sondern auch dieses Sandalenfilm-Ranking: Drei Jahrzehnte nach der ersten großen Verfilmung des Romans von Lewis Wallace aus dem Jahr 1925 drehte William Wyler die ultimative Version der Geschichte um den Hebräer Judah Ben-Hur. Charlton Heston spielt den jüdischen Kaufmannssohn, dem sein früherer Freund, der Tribun Messala, verkörpert von Stephen Boyd, übel mitspielt. Am Ende wird Ben-Hurs Familie durch die Wunderkraft des sterbenden Jesus Christus geheilt. Angesichts der Schauwerte von "Ben Hur" blieb sogar dem MGM-Löwen die Spucke weg: Leo, das Wappentier der Filmgesellschaft, brüllt diesmal nicht. Zum einzigen Mal in der Geschichte des Studios hält er das Löwenmaul geschlossen.