"Fantasiemuskel"-Podcast #89

Die Kunst des Zuhörens – mit Bernhard Pörksen

Podcast-Grafik 'FANTASIEMUSKEL'; rechts Porträt; Text: 'mit Bernhard Pörksen'; Monopol-Logo.
Foto: Albrecht Fuchs. Illustration: Monopol

In Zeiten politischer Polarisierung und verhärteter Fronten ist echtes Zuhören fast eine aussterbende Tugend. Und genau damit befasst sich der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen. In der aktuellen Folge des "Fantasiemuskel"-Podcasts erklärt er, wie echte Gespräche gelingen, warum man sie auch manchmal beenden muss – und warum es schmerzhaft sein kann, wirklich zuzuhören

Gutes Zuhören, so Bernhard Pörksen, sei eine Kunst, und zwar eine Kunst des Herausfindens, ein Verstehen wollen. Dieser Prozess kann schmerzhaft sein, denn echtes Hinhören ist mit der eigenen Biografie verwoben. Der Medienwissenschaftler macht das an eigenen Erfahrungen in seiner Schulzeit fest, als er gedemütigt und von Lehrern abgewertet wurde. Diese biografische Prägung schärfte seine Wahrnehmung für das Versteckte und Ungesagte. "Wir hören, was wir fühlen können", lautet eine seiner zentralen Botschaften.

Erst die Auseinandersetzung mit den eigenen Wunden, den eigenen "Lebensnarben" schaffe Durchlässigkeit für das Leid anderer: "Die Lebensnarbe kann durchaus, wenn sie im hellen Bewusstsein für das eigene Selbst betrachtet wird, so etwas sein wie ein Wahrnehmungsorgan, ein drittes Ohr."

Pörksen unterscheidet dabei zwischen einem egozentrischen "Ich-Ohr" und einem auf das Gegenüber ausgerichteten "Du-Ohr". Der kategorische Imperativ dieses Du-Zuhörens laute: "Erkenne das Andere als anderes in seiner Schönheit, seiner Fremdheit, seinem Schrecken." 

Es brauche "engagierte Objektivität"

Im Gespräch mit Monopol-Podcaster Friedrich von Borries geht es aber auch um die Grenzen der Gesprächsoffenheit, denn mit dem Erstarken der AfD fragen sich viele, ob man mit ihren Anhängern das Gespräch suchen oder verweigern solle. Gutes zuhören, so erklärt Pörksen, meine nicht, immer mit dem einverstanden zu sein, was der andere sagt. "Es kann auch dazu führen, dass man sich entscheidet, ihn mit aller Entschiedenheit zu bekämpfen. Auf ein Podium mit Björn Höcke würde er sich zum Beispiel niemals setzen, erklärt Pörksen: "Das wäre wie eine verdeckte Sympathieerklärung."

Statt naiver Dialogbereitschaft verlangt er deshalb eine "engagierten Objektivität", die den Feinden der liberalen Demokratie mit aller Entschiedenheit entgegentritt. Dafür brauche es Zivilcourage, und die könne man, so der Medienwissenschaftler, trainieren, etwa durch die Beschäftigung mit historischen Vorbildern und "tatsächlich mutigen Menschen, die sagen, was zu sagen ist". 

"Fantasiemuskel", den Monopol-Podcast über Kunst, Wirtschaft und gesellschaftliche Transformation, können Sie auf allen bekannten Plattformen hören – oder die neue Folge direkt hier: