Ausstellung in Berlin

Die Verführung des Michel Majerus

Michel Majerus "Wischfinger", 2001 
Foto: Jens Ziehe, Courtesy Michel Majerus Estate und Neugerriemschneider

Michel Majerus "Wischfinger", 2001 

Pop-Art-Gipfel in Berlin: Eine Ausstellung zeigt die Verbindungen zwischen Andy Warhol, Christopher Wool und Michel Majerus. Und erlaubt einen neuen Blick auf das Werk der Künstler 

"Cool Wool" steht auf einer frühen Majerus-Malerei von 1992 in typischer Christopher-Wool-Typographie. Mit leichter Verfremdung bezieht sich der Kunststudent Majerus auf das künstlerische Vokabular seines älteren Kollegen. Wool, bekannt für seine typografischen Malereien, nimmt im selben Jahr an der Documenta teil. 1993, nach Abschluss der Kunstakademie und seinem Umzug nach Berlin, trifft sich Majerus persönlich mit Wool, der sich wegen eines DAAD-Stipendiums in Berlin aufhält. Interessiert beobachtet Wool Majerus’ malerische Stellungnahmen zur Bilderflut des beginnenden digitalen Zeitalters und die Einarbeitung visueller Elemente in seine Arbeiten, die sich von digitalen Vorlagen ableiten ("Wischfinger", 2001).

Die Auflösung der Hierarchien zwischen Elementen der high und low Culture verfolgen beide in ihrer Malerei – und befinden sich damit in der Tradition von Andy Warhol. Für beide Maler war Warhol wichtiger Impulsgeber in Fragen der Materialität, Technik und des Konzepts. Wool und Majerus erwerben beide im Jahr 1998 jeweils ohne vom anderen zu wissen ein Bild von Warhol aus der posthum gezeigten 16-teiligen "Abstractly Abstract"-Serie von 1982. Es sind selten gezeigte übermalte Siebdrucke, für Warhol untypisch und deshalb absolut sehenswert.

Wool greift in sein eigenes Werk ein 

Die Idee, aus diesen Verbindungen eine Ausstellung zu machen, geht auf. Im Michel Majerus Estate in Berlin öffnet der Kurator und Majerus-Wegbegleiter Peter Pakesch gemeinsam mit Christopher Wool einen vielschichtigen Blick in das persönliche, formale und inhaltliche Beziehungsgeflecht der drei Künstler. Zwei Tage arbeitete Christopher Wool mit Pakesch an der Hängung der Ausstellung, und beginnt darüber, in sein eigenes Werk einzugreifen. Die Neuanordnung seines ikonischen Schriftzugs "Fuck em if they cant take a joke" der bestehenden Arbeit "Untitled (Billboard Graz)" kann man nur als eine subtile Verneigung vor Majerus’ Unverfrorenheit zur Kombinatorik und Appropriation bestehender Bildinhalte lesen.

Es ist in der Ausstellung spürbar, wie Pakesch und Wool sich vom Werk Majerus‘ führen und verführen lassen. Poetisch und frisch zueinander choreografiert, offenbaren die gezeigten Bilder Majerus’ Glaubenssatz, dass alles mit allem verbunden ist.