Designer Thierry Metroz

"Herr Macron liebt diese Ausstattung"

Thierry Metroz ist Chefdesigner der Pariser Marke DS Automobiles und hat kürzlich dem Präsidenten seines Landes sein neues Dienstfahrzeug übergeben. Ein Gespräch über Autogestaltung der Vergangenheit und der Zukunft


Herr Metroz, wie sollte ein Auto heute aussehen?

Es muss balanciert sein und Kontraste in den Linien und Formen aufweisen. Gleichzeitig große Gelassenheit ausstrahlen und einen starken Charakter haben. Dafür braucht es Eyecatcher wie das Frontlicht beim N°8, das ist sehr avantgardistisch.

Haben Sie einen bevorzugten Autodesigner?

Da ist einmal der Italiener Giorgetto Giugiaro, er hat zum Beispiel den VW Golf 1 gestaltet und viele Designer geprägt. Der zweite ist Marcello Gandini, der Citroën BX ist von ihm. Auch die Marke Avions Voisin hat mich beeinflusst, die gab es in den 1930ern. Besonders der C27 Aerosport, das ist mein Lieblingsauto auf der ganzen Welt.

Was entgegnen Sie Menschen, die sagen, heute gäbe es kein gutes Autodesign mehr?

Ich glaube, die kennen den DS N°8 noch nicht.

Was macht ihn denn zu einem besonders gut gestalteten Auto?

Das vertikale Frontlicht zum Beispiel oder die beleuchtbare Front. Wir arbeiten immer wieder mit technologischen Neuerungen, wie beispielsweise der PaintJet-Technologie – das ist ein Roboter, der sehr präzise ist, wie ein Laserdrucker, und bei der Motorhaube zum Einsatz kommt. Aber auch alte Handwerkstraditionen sind uns wichtig. Zehn Stunden dauert es allein schon, die Polster zu fertigen. Das wird alles per Hand gemacht. Oder die Oberflächengravur im Hufnagelmuster.

Einer der größten Fails im Autodesign ist der Türöffner von Tesla, der ist überhaupt nicht intuitiv gestaltet. Wie haben Sie das beim DS N°8 gelöst?

Unser Griff ist ebenfalls eingelassen, aber wenn man sich der Tür nähert, kommt er einem automatisch entgegen, und man kann ihn greifen. Ergonomie ist sehr wichtig.

Und dann gibt es das Auto für den Präsidenten, das Sie ihm zum 80. Jahrestag des Kriegsendes vom 8. Mai 1945 übergeben haben.

Es ist dem originalen DS N°8 sehr ähnlich. Aber es hat mit dem Élysée-Blau eine besondere Farbe, auf der Motorhaube ist ein rechteckiges Abzeichen der Flagge, und der Kühlergrill ist illuminiert in der Trikolore. Im Inneren haben wir Strohmarketerie-Oberflächen, das ist ein fast vergessenes Handwerk, für das Stroh aufgeschnitten und geglättet wird. Die Ateliers Lison de Caunes gehören zu den führenden Unternehmen, die das noch heute beherrschen. Die Stoffverkleidung ist aus Satin von Métaphores, einer Weberei in Paris, die zum Textilbereich von Hermès gehört. Herr Macron liebt diese Ausstattung, wir haben ihn im Élysée-Palast getroffen und eine Stunde mit ihm über Stoffe und Farben gesprochen. Später hat er das ganze Team, das an dem Auto gearbeitet hat, in den Palast eingeladen. Wir seien die besten Botschafter der französischen Exzellenz, hat er gesagt.

Dieser Artikel erschien zuerst in Monopol 12/2025