Protest gegen Israel

Pavillons der Venedig-Biennale werden bestreikt

Einige Kulturarbeiter und Teilnehmer der Venedig-Biennale sind am Freitag aus Protest gegen die Teilnahme Israels an der Kunstschau in den Streik getreten. Einzelne Pavillons bleiben an diesem letzten Preview-Tag geschlossen

Zu dem 24-stündigen Ausstand haben nach Angaben der Initiative Art Not Genocide Alliance (ANGA) mehrere Kulturgruppen und italienische Basisgewerkschaften aufgerufen. Eine Kundgebung ist am Freitagnachmittag nahe dem Biennale-Gelände im Arsenale geplant. Die Biennale öffnet am Samstag für das Publikum. Im Moment ist sie nur für Fachpublikum zugänglich.

ANGA erklärte, der Streik richte sich gegen eine "Normalisierung von Völkermord in der Kultur" sowie gegen prekäre Arbeitsbedingungen rund um die Biennale. Die Gruppe forderte beteiligte Künstler, Kuratoren und Kunstschaffende dazu auf, ihre Pavillons und Ausstellungsorte zu schließen. Bereits im April hatte ANGA gemeinsam mit mehr als 230 Künstlern und Kuratoren in einem offenen Brief verlangt, den israelischen Pavillon auszuschließen.

Am Freitagnachmittag waren viele Länderpavillons in den Giardini geschlossen. Offene Pavillons wurden von Aktivistinnen und Aktivisten belagert, Besuchende am Eintritt gehindert. 

Israel wird bei der diesjährigen Biennale durch den in Rumänien geborenen und in Haifa lebenden Bildhauer Belu-Simion Fainaru vertreten. Da der israelische Pavillon in den Giardini renoviert wird, findet die Ausstellung im Arsenale statt. Fainaru sagte vor der Biennale, er lehne kulturelle Boykotte ab und glaube "gerade in schwierigen Zeiten" an Dialog und Austausch.

Leitung der Biennale distanziert sich vom Streik

Der Konflikt um Israel und Russland überschattet bereits seit Tagen die Vorbereitungen der Biennale. In der vergangenen Woche war die komplette fünfköpfige Preisjury zurückgetreten. Hintergrund war ein Streit über die Teilnahme von Staaten, deren politische Führungen mit internationalen Haftbefehlen wegen mutmaßlicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit konfrontiert sind. Auch die Präsenz Russlands hatte Kritik ausgelöst; der russische Pavillon soll während der Vorschautage für drei Tage geöffnet bleiben.

Die Leitung der Biennale erklärte inzwischen, die angekündigten Proteste beträfen weder das Personal noch die Organisation der Institution. Man halte sich an geltende Vorschriften und setze sich für einen geordneten Ablauf der Veranstaltung sowie für Meinungsfreiheit und Pluralität ein.