Als wären sie den Bildern selbst entsprungen, führen 100 schwarze Gummistiefel theatralisch zu Eleanor Antins bekanntestem Werk, einer Serie aus 51 Fotografien, auf denen ein Marsch von "100 Boots" quer durch die USA dokumentiert ist. Damals verschickte sie die Dokumentation der ironischen Performance per Postkarte.
Das ikonische Werk ist im Mudam in Luxemburg Rücken an Rücken mit der Arbeit "Carving" installiert, der Version aus dem Jahr 1972 und jener 45 Jahre später. Man sieht die Künstlerin, wie sie ihren nackten Körper während einer Diät dokumentiert: erst jung, dann alt. Das Werk löst sowohl eigene Angst vor Vergänglichkeit als auch tiefe Empathie aus.
Antin, 1935 als Kind einer jüdischen Einwandererfamilie in New York geboren, war Tänzerin und Schauspielerin, bevor sie sich der Kunst zuwandte und schließlich in San Diego an der Kunsthochschule lehrte. Feminismus, Repräsentation, Macht – viele ihrer Themen sind heute so relevant wie zu ihrer Entstehungszeit zwischen 1965 und 2017.
Ein zeitloses Glossar
Antin schlüpfte schon früh in unterschiedlichste Alter Egos. Ihr femininstes ist die Ballerina: Ihre extra unbeholfene Performance im Tutu lässt sich als Kritik an klassischen Schönheitsidealen verstehen. Die Dokumentationen ihrer Auftritte, sei es als König oder als Krankenschwester, beeindrucken besonders in der Gegenüberstellung. Von Antin gesammelte Gegenstände von Frauen, die ihr Schaffen prägten, gehen in dieser Dynamik fast unter.
Ein Highlight zum Schluss unterstreicht Eleanor Antins stets präsenten Humor. In "Domestic Peace" untersucht sie die Unterhaltungen mit ihrer Mutter, von der zivilisierten Konversation bis zur Hysterie – ein zeitloses und universelles Glossar.