Österreichische Fotografin

Elfie Semotan mit 84 Jahren gestorben

Porträt einer lächelnden Frau in Galerie; unscharfe gerahmte Werke im Hintergrund.
Foto: Roland Schlager/APA/dpa

Elfi Semotan 2021 bei einer Presseführung in der Ausstellung "ElfieSemotan - Haltung und Pose" im Kunst Haus Wien

Mit ihren Porträts und Modefotografien zeigte Elfie Semotan einen wachen Blick auf Machtverhältnisse, Geschlechterrollen und die Menschen vor der Kamera. Die österreichische Fotografin ist nun im Alter von 84 Jahren gestorben

Wie ihre Familie dem ORF bestätigte, erlitt sie beim Schwimmen im Freibad Jennersdorf vermutlich einen Herzstillstand.

Semotan, 1941 in Wels geboren, begann ihre Karriere als Model in Paris, bevor sie hinter die Kamera wechselte und zu einer der prägenden Stimmen der internationalen Mode- und Porträtfotografie wurde. Sie arbeitete für Magazine wie "Vogue", "Harper’s Bazaar" und den "New Yorker" und fotografierte Persönlichkeiten von Naomi Campbell bis Brad Pitt. In Österreich wurde sie zudem durch ihre Bildkampagnen für Palmers und Römerquelle bekannt.

Ihr fotografischer Ansatz unterschied sich bewusst von klassischen Vorstellungen der Modefotografie. Im Gespräch mit Monopol sagte Semotan 2021: "Modefotografie lässt sich gar nicht ohne Politik und speziell Frauenpolitik denken." Sie habe gelernt, sich in einer männlich geprägten Branche zu behaupten, "mich zu verteidigen".

Besonders wichtig war ihr der respektvolle Umgang mit den Menschen vor der Kamera. "Ich glaube, dass man zu den Menschen, die man fotografiert, eine Verbindung aufbauen muss", sagte sie. Statt glatter Oberflächen interessierte sie sich für Charakter, Haltung und Persönlichkeit. Als Modell arbeitete sie jahrzehntelang mit dem Modeschöpfer Helmut Lang zusammen, mit dem sie befreundet war. 

 "Ich will nicht immer über die Männer definiert werden"

Museen und Galerien haben Semotan öfter mit Einzelausstellungen gewürdigt. Für das bevorstehende Jubiläum 25 Jahre Wiener Museumsquartier entwickelte sie eine Fotostrecke mit Porträts von Persönlichkeiten. Das Museum für angewandte Kunst in Wien (MAK) würdigte Semotan auf Facebook als "eine Fotografin, die Mode, Kunst und angewandte Gestaltung mit seltenem Feingefühl verband. Ihre Arbeiten prägten über Jahrzehnte das visuelle Verständnis von Mode, Werbung und künstlerischer Fotografie." Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) schrieb auf X: "Mit Elfie Semotan verliert Österreich eine der bedeutendsten Fotografinnen unserer Zeit."

Semotan war mit den Künstlern Kurt Kocherscheidt und später Martin Kippenberger verheiratet. Gegen eine Reduzierung ihrer Person auf diese Beziehungen verwahrte sie sich jedoch immer wieder. "Ich will nicht immer über die Männer definiert werden", sagte sie.