Marina Abramović

Erregt im Museum: Besucher belästigen nackte Performer

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Der Museumsskandal funktioniert nach den immer gleichen Muster: Künstler macht etwas ganz Verrücktes, Besucher oder Presse geben sich schockiert und berufen sich auf Moral, Steuergelder und gesunden Menschenverstand. Das Resultat ist der Beginn einer neuen Epoche (Duchamps Urinal), eine lokalpolitische Fußnote (zuletzt: Christoph Büchels Swingerclub in Wien) oder – meistens – einfach gar nichts.


Auch Marina Abramović ist in ihrer 30-jährigen Laufbahn regelmäßig an die Grenzen des Erträglichen gegangen. Die selbsternannte „Mutter der Performancekunst“ hat sich mit einem Messer in die Hände gehackt und Besucher aufgefordert, sie mit einer Peitsche zu malträtieren. Der Skandal, der sich jetzt an ihrer großer Retrospektive im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) entzündet hat, ist umso bemerkenswerter – denn nicht die Künstlerin, das Publikum ist zu weit gegangen. „Ein Mann berührte meinen Hintern“, berichtet Will Rawls, einer der zahlreichen Nacktdarsteller, die Performances der Künstlerin nachstellen. „Dann blickte er mir in die Augen und sagte: Du fühlst dich gut an!“


Auch Kollegen von Rawls beschweren sich über Handgreiflichkeiten seitens des Publikums, so dass sich das MoMA zu einer ziemlich prüde klingenden Erklärung genötigt sah: „Wir sind uns der Herausforderung, die nackte Darsteller im Museumsraum mit sich bringen, durchweg bewusst. Jeder Besucher, der einen Darsteller ungehörig berührt oder stört, wird vom Sicherheitspersonal aus der Ausstellung eskortiert.“


Was die MoMA-Verantwortlichen damit nicht verhindern konnten: Einer von Abramovićs Darstellern soll im Museumsraum eine Erektion bekommen haben. Ein echter Aufreger!
 

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