Das Werk "86° WALTER HALİT" (2025) der Künstlerin Natascha Sadr Haghighian wird mit dem erstmals vergebenen Kunstpreis für Kunst im öffentlichen Raum der LVM-Versicherung ausgezeichnet. Die weithin sichtbare Installation auf dem Dach des Kasseler Regierungspräsidiums erinnert an den Politiker Walter Lübcke, der 2019 von einem Rechtsextremisten ermordet wurde, sowie an den Unternehmer Halit Yozgat, der 2006 in seinem Internetcafé in Kassel erschossen wurde. Sein Tod gilt als letzter Mord des rechtsterroristischen NSU.
"'86° WALTER HALİT' steht als künstlerisch anspruchsvolles Zeichen für Demokratie, Wachsamkeit und gesellschaftliche Verantwortung. Das Werk leistet damit einen bedeutenden Beitrag zur mitmenschlichen Kultur unserer Zeit", so das Fazit der Jury.
Die Expertenjury, der unter anderem Museumsdirektoren Andreas Beitin und Noura Dirani, die Kuratorin von Urbane Künste Ruhr Britta Peters sowie Monopol-Chefredakteurin Elke Buhr angehören, würdigt insbesondere die Art und Weise, wie die Künstlerin mit ihrer Lichtskulptur die vermeintliche Neutralität des Behördenbaus bewusst durchbricht. Durch die Verwendung der beiden Vornamen "Walter" und "Halit" schaffe Haghighian eine persönliche Dimension des Gedenkens, die zugleich über die individuellen Schicksale hinausweist und unterschiedliche Fälle rechter Gewalt miteinander verbindet. Audio-Erzählungen und eine interaktive digitale Landkarte vor Ort integrieren das Gedenken zudem in den Alltag der Bürger.
Der LVM-Kunstpreis ist mit insgesamt 50.000 Euro dotiert. Er umfasst neben dem Preisgeld von 25.000 Euro eine Ausstellung auf dem LVM Campus sowie Diskurs-Veranstaltungen in Münster und am Standort des ausgezeichneten Werks.