Wenn Vögel tot vom Himmel fallen, das wissen wir aus dystopischen Filmen, ist das ein Zeichen der Apokalypse. Tatsächlich passieren solche Massensterben in der Realität, etwa vor fünf Jahren, als Hunderttausende von Zugvögeln im Südwesten der USA auf unerklärliche Weise starben und ihre toten Körper ganze Highways bedeckten. In Eva Koťátkovás Installation "When Animals Fall From The Sky", die sie zur Manifesta 16 in der Bochumer Kirche Christ König zeigt, liegen Tierkörper auf dem Kirchenboden verstreut. Man kann um sie herumgehen, "sodass sie eine Art Insel aus ruhenden Körpern bilden", wie die tschechische Künstlerin sagt. Und bei ihr fallen nicht nur Vögel vom Himmel.
Eva Koťátková wurde 2013 mit "Asylum" auf der Venedig-Biennale international bekannt – eine Installation voller absurden, schwarzen Humors, mit stilisierten Kinderkäfigen, orthopädischen Korrektur- und Mid-Century-Ertüchtigungsgeräten, Collagen im Design von Ostblock-Moderne und tschechischem 70er-Surrealismus. Darin ging es tatsächlich um ideologisches Überwachen und Strafen, Institutionskritik, totalitäre Systeme.
Diese Kritik hat sie auf den ausbeuterischen Umgang mit nicht-menschlichen Wesen ausgeweitet. Auf der letzten Venedig-Biennale brachte sie eine riesige Plüschgiraffe in den tschechischen Pavillon und erzählte die Geschichte der Giraffe Lenka, die 1954 in Kenia gefangen und in den Prager Zoo gebracht wurde, wo sie die Gefangenschaft nur zwei Jahre überlebte und dann ausgestopft im Museum ausgestellt wurde.
"Ist das Leiden von Tieren so anders als unseres?"
Auch in Bochum sind die vergrößerten Tiere, die auf dem Kirchenboden liegen, aus Plüsch. Sie alle kommen aus der Region, auf dem Rücken liegende Amseln, Spatzen, Finken, schlafend oder tot, intakt oder nur noch Teile von ihnen, Nachtfalter, Würmer, alle möglichen kleinen Lebewesen, die man als Kind im Garten entdeckt. "Man sieht diese Wesen jeden Tag", sagt Koťátková, "doch irgendwie beachtet man sie nicht, weil sie die unsichtbaren Bewohner unserer Städte sind." Kinder aus Bochum und Prag werden in Performances sich schweigend um sie kümmern, sie zudecken, füttern, vielleicht auch betrauern, alles ist erlaubt.
Das Projekt in der Kirche habe sie dazu gebracht, mehr über die Beziehungen zwischen Institutionen und Tieren nachzudenken, sagt Koťátková. Über Jahrhunderte seien Tiere, bis auf Katzen, als Nutztiere, die Mäuse jagen, oder als Opfertiere aus den Gotteshäusern ausgeschlossen und nicht als beseelte Wesen akzeptiert worden: "Das spricht Bände über unsere Beziehung zur Natur."
Es geht ihr auch um die Verbindung von Tierrechten mit anderen politischen Bewegungen für soziale Gerechtigkeit. "Wenn wir auf einem Foto 1000 Vögel tot auf der Straße liegen sehen, warum berührt uns das nicht?", fragt sie. "Ist das Leiden von Tieren so anders als unseres? Welche Bilder müssen wir noch sehen, bis wir damit anfangen, uns als Gesellschaft anders zu verhalten?"