Wegbereiter des Fotokunstmarkts

Ex-Galerist Jürgen Wilde gestorben

Jürgen Wilde
Foto: Philipp J. Bösel

Jürgen Wilde bei der Verleihung des Kulturpreises 2025 im Rahmen der DGPh Photography Awards im Wallraf-Richartz-Museum in Köln am 27. September

Er war ein Pionier des fotografischen Kunstmarkts: Der Galerist, Sammler und Fotohistoriker Jürgen Wilde ist im Alter von 88 Jahren gestorben

Wie die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) mitteilte, starb er am 2. November 2025. Mit ihm verliere die Fotografie "einen ihrer bedeutendsten Wegbereiter", so die DGPh. Erst im September hatten Jürgen und Ann Wilde den Kulturpreis 2025 der Gesellschaft im Wallraf-Richartz-Museum Köln erhalten – als späte Würdigung ihres gemeinsamen Lebenswerks.

Wilde, 1937 geboren, gehörte mit seiner Frau Ann zu den Pionieren des fotografischen Kunstmarkts in Deutschland. 1972 eröffneten sie in Köln die erste kommerzielle Galerie, die ausschließlich der Fotografie gewidmet war. Ihr Programm verband die Avantgarde der 1920er- und 30er-Jahre – darunter August Sander, Albert Renger-Patzsch, Germaine Krull und Karl Blossfeldt – mit zeitgenössischen Positionen aus Europa und den USA.

Wilde, der ursprünglich Kunstgeschichte und Maschinenbau studierte und in den 1960er-Jahren mit L. Fritz Gruber an den legendären Photokina-Schauen arbeitete, verband wissenschaftliche Genauigkeit mit ästhetischem Gespür. Gemeinsam mit Ann Wilde erforschte er die Fotografie der Neuen Sachlichkeit und des Neuen Sehens und brachte vergessene Werke – etwa von Germaine Krull oder Moi Ver – wieder ans Licht.

Gründung der Stiftung Ann und Jürgen Wilde

Ihre Galerie prägte auch die Rezeption der Fotografie auf der Documenta 6 (1977), die das Medium endgültig im Kanon der Kunst etablierte. Nach Schließung der Galerie 1985 widmeten sich die Wildes der Arbeit an den Archiven von Karl Blossfeldt und Albert Renger-Patzsch und bauten eine Sammlung auf, die heute das Herz der Stiftung Ann und Jürgen Wilde bildet, seit 2010 Teil der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen / Pinakothek der Moderne in München.

Wilde galt als präziser Lehrer und leidenschaftlicher Vermittler, dessen Einfluss weit über Museen und Galerien hinausreicht. Die DGPh würdigte ihn als Persönlichkeit, die "der Fotografie in Deutschland ihren Platz in der Kunstwelt gesichert" habe.