In einer Stadt, in der sich viele darum reißen, Künstler zu sein, besteht einer ausdrücklich darauf, keiner zu sein: Rafael Horzon. Der Berliner Unternehmer hat sich sogar vor Gericht erfolgreich dagegen gewehrt, als Künstler bezeichnet zu werden. Wenn man einklagen kann, dass etwas Kunst ist, muss auch das Gegenteil gelten.
Die Welt der Kunst erscheint ihm als geschlossener Kreislauf, der vor allem sich selbst bestätigt. Wichtige Gestaltung findet für ihn anderswo statt: in der Stadt, in Wohnungen, in Möbeln, die täglich benutzt werden. Ein Stuhl, so sagt er, auf dem man jeden Tag sitzt, ist ihm näher als eine Skulptur, die nur betrachtet werden darf.
Wer Rafael Horzon begegnet, stößt nicht auf ein einzelnes Werk, sondern auf eine Reihe von Unternehmungen, über die viel erzählt wird: die Galerie Berlin-Tokio mit angeblich japanischer Kunst, die Berliner Wissenschaftsakademie, Möbel Horzon, ein Möbelgeschäft mit nur einem Produkt, den Deutschen Buchverlag und vieles mehr. Wenn ihm die Welt, wie er sie vorfindet, nicht gefällt, gründet er einfach ein neues Unternehmen und schafft neue Wirklichkeit.
Jede Einreichung wird präsentiert
Im aktuellen Fantasiemuskel berichtet Horzon den beiden Podcastern Friedrich von Borries und Torsten Fremer auch von seinem aktuellen Projekt: dem Deutschen Design Museum. Zur Einweihung zeigte die in Berlin-Charlottenburg gelegene Einrichtung einen Überblick zu Horzons eigenem Werk, und auch die nächste Ausstellung hat designhistorische Bedeutung: Am 12. Dezember folgt eine Retrospektive von Dieter Rams. Die darauffolgende Schau ist schon in Vorbereitung: Sie soll ein partizipatorisches Experiment werden. Jede Person ist eingeladen, ein Sitzmöbel zu entwerfen, zu bauen und im Museum auszustellen. Es gibt keine Jury und keine Auswahl, jede Einreichung wird präsentiert.
Überraschend nüchtern spricht Horzon über seine Motive. Vieles folgt schlicht der Lust des Augenblicks. Er macht, worauf er gerade am meisten Lust hat, bricht ab, was ihn langweilt, fängt neu an. Gleichzeitig nennt er Angst als den eigentlichen Motor der Kreativität. Und wer seinen eigenen Fantasiemuskel trainieren will, so Horzon, solle die Angst vor dem Handeln überwinden. Einfach einen Stuhl entwerfen. Oder einen Raum neu denken. Ein Unternehmen gründen. Nicht nur über große Veränderungen sprechen, sondern die Wirklichkeit – wenn auch nur im Kleinen – transformieren.
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