Wer ist eigentlich diese sagenumwobene/sogenannte Gen Z? Mit dieser programmatischen Frage eröffnet die Galerie Greulich den Saisonstart der Frankfurter Galerien zur Frankfurt Art Experience. Antworten lässt Andreas Greulich fünf Malerinnen, die selbst dazugehören: Stella Winter, Wei Zhu, Lara Weiler, Elisa Deutloff und Chelsea Hartmann malen wie viele ihrer Generation dezidiert figurativ, die Sujets angereichert mit Weltschmerz und viel Lust an der (post-)digitalen Bilderschwemme.
Galerie Greulich: Lara Weiler vor ihren Werken
Ebenfalls in der Fahrgasse zu Hause ist die Galerie Leuenroth, die gerade 20. Jubiläum feierte. Fast von Beginn an Künstlerin der Galerie ist Anya Triestram, die unter dem Motto "Hast du mich vermisst?" ihre Auseinandersetzung mit Ornament, floralen Formen und Wiederholung weiterführt.
Galerie Leuenroth: Anya Triestram "Grietje", 2025
Noch ein programmatischer Ausstellungstitel: Die Galerie Mühlfeld + Stohrer zeigt "Vater – Mutter – Kind", eine Gruppenausstellung mit Georg Schnitzler, Christel Schnitzler-Steinbach und Gerhard Steinbach. Mit dem Schwerpunkt auf osteuropäischer Kunst eröffneten Olimpia Schugar und Francisca Rotariu ihre Galerie Schugar Rotariu. Im zweiten Jahr taucht die Galerie mit dem Maler Ștefan Ungureanu in die Verheißungen wie Enttäuschungen politischer Umbrüche nach der rumänischen Revolution 1989 ein. Galeristin Jacky Strenz zeigt die Malerin Sophie Esslinger, die an der Kunstakademie Düsseldorf studiert hat und ihre erste Einzelausstellung in Frankfurt präsentiert.
Jacky Strenz: Sophie Esslinger "orbit", 2026
Neuentdeckungen
Eine kleine Sensation in der Schäfergasse: Erstmals seit 40 Jahren stellt die Galerie Bärbel Grässlin wieder jene großformatigen Farbfotografien von Günther Förg aus, die der Künstler 1985 im Haus Lange in Krefeld aufgenommen hat. Seit 2018 bringen die Bildhauerinnen Alice Hauck und Amelie Plümpe als Hauck Plümpe Architekturen der Alltags- und Arbeitswelt in neue Maßstäbe und Materialien. Mit "Organisation von Pause" widmen sie sich in der Filiale Betriebshöfen, Außenlagern, Rauchstationen und Pausenbereichen.
Galerie Bärbel Grässlin: Günther Förg beim Fotografieren der Fenster im Haus Lange, Krefeld, 1985
Die Galerie Anita Beckers, traditionell stark im Bewegtbild, zeigt mit Johanna Reich eine Künstlerin, die in ihren neuen Arbeiten mit generativen KI-Sprachmodellen arbeitet. Reich, die bei Wim Wenders in Hamburg an der HfbK studiert hat, setzt in der Galerie ihre eigene synästhetische Wahrnehmung um und lässt eine eigens entwickelte Kunstsprache auf LED-Schriftbändern über abstrakte Malerei laufen.
Ein Wiedersehen oder auch für viele eine erste Begegnung mit den Ensembles von Anna Oppermann gibt es ganz in der Nähe im Saasfee*Pavillon: Der unabhängige Kunstraum in einem etwas versteckten Bürgergarten mitten in der City wird geführt vom Saasfee-Duo Moni Friebe und Anna Oppermanns Sohn Alex Oppermann, der außerdem Professor an der HfG Offenbach ist. Die Ausstellung taucht mit "Das Blaue vom Himmel" tief in die Raumcollagen-Technik der Konzept- und Documena-Künstlerin ein. Zum Saisonstart lässt sich auch das Werk von Oppermanns Ehemann entdecken: Die Galerie Hanna Bekker vom Rath zeigt das Werk des Malers, Grafikers und Bildhauers Wolfgang Oppermann, der unter anderem für eine Spielart der German Pop Art bekannt wurde.
Saasfee*Pavillon: Anna Oppermann "Antidesign", 1970–72
Im Gallusviertel zeigt Bernhard Knaus Fine Art zum Saisonstart die hypnotischen Rasterbilder des nordirischen Malers Mark Francis, der aktuell San Marino auf der Venedig-Biennale vertritt. Im Innenhof des Gebäudes befindet sich das Studio Michael Riedel, der regelmäßig öffnet, um junge Künstler zu präsentieren. Diesmal Hanns Bahra, der in Riedels Klasse an der HGB Leipzig studiert hat und seine Arbeit in Frankfurt "erstmals zusammenhängend, aber nicht hängend" zeigen wird, wie der Künstler ankündigt.
Studio Michael Riedel: Hanns Bahra "Die Spalte der Spaltung – Der Terror der Problemlösung", 2022
Hauptsache Liebe
Carte blanche erhalten Thuy Tien Nguyen – Gewinnerin des Young Generation Art Award 2025 – und Zhang Wanwen bei Jochem Hendricks im H8H Space. Beide haben an der Städelschule studiert. Gemeinsam bespielen sie den Ausstellungsraum skulptural, performativ und erzählerisch, ausgehend von einer Geschichtensammlung aus der Qing-Dynastie. Es geht um die Beziehung zwischen einem jungen Schüler und einer Frau, die sich als Geist herausstellt – doch das tue dem Glück keinen Abbruch, so die Künstlerinnen. Schließlich zähle auch hier nur die Liebe.
Studio Jochem Hendricks: Thuy Tien Nguyen und Zhang Wanwen "Eighth Day", 2026, Filmstill
Dieser Artikel erschien zuerst in Monopol 9/2026.