Gedenkausstellung für Walter Dahn

Freude, Trauer, Wiedersehen

Der Maler Walter Dahn hat als Professor in Braunschweig Generationen von Kunststudierenden geprägt. Ein Jahr nach seinem überraschenden Tod haben sich 60 davon zu einer Hommage in Brühl zusammengetan

Mit erst 17 Jahren kam er als jüngster Student in die Klasse von Joseph Beuys. Walter Dahn war Dauergast im legendären Ratinger Hof in Düsseldorf und auch in Sigmar Polkes Künstlertreffpunkt in Willich. In den 1980ern machte er sich als Teil der Kölner Künstlergruppe Mülheimer Freiheit einen Namen, die sich mit neoexpressiver Malerei gegen die Abstrakten, Konzeptler und Minimalisten richtete. 

Der "Junge Wilde" beschäftigte sich darüber hinaus mit Zeichnung, Siebdruck und Fotografie, aber auch mit Videos und Super-8-Filmen. 1982 stellte er einige seiner Werke bei der Documenta 7 in Kassel aus. In den 90ern verschwand Dahn weitgehend aus dem Scheinwerferlicht und unterrichtete bis 2017 Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Vor rund einem Jahr starb er unerwartet im Alter von 70 Jahren.

Hört man sich unter seinen Studierenden um, darunter Kalin Lindena, Friedrich Kunath oder Gert und Uwe Tobias, hat er sich stärker als andere Akademieprofessoren engagiert. Nach eigener Aussage profitierte er künstlerisch und persönlich genauso viel vom intensiven Austausch in der Klasse wie seine Studentinnen und Studenten. 

Ein Verstärker der Kunstproduktion

Gemeinsame Ausstellungen gehörten für Dahn zu den zentralen pädagogischen Instrumenten, ebenso wie Diskussionen über Kunst, Museumsbesuche, gemeinsames Musikhören, Filmeschauen oder Essen. Sein Selbstverständnis in den wechselnden Akademiegruppen schlug sich auch in künstlerischen Kollaborationen nieder. Deshalb war seine Rolle auch die eines Verstärkers, der die Kunstproduktion in allen Facetten gemeinsam mit den Studierenden durchlebte.

Auf dem 850 Quadratmeter großen Gelände von Trafik Projekte in Brühl–Vochem, einem ehemaligen Reparaturbahnhof der Köln-Bonner-Eisenbahnen, erinnern sich ehemalige Schülerinnen und Schüler nun mit einer Ausstellung an ihren Lehrer. Zu sehen sind erwartungsgemäß heterogene, in Vitrinen und auf weißen Wänden gereihte Arbeiten aus der Studienzeit, erweitert um spätere Werke, auch einige von Dahn selbst. In der Schau finden sich Siebdrucke, Malereien, Collagen, Radierungen, Skulpturen und Fotografien. 

2015 gründete Dahn-Student Andreas Gehlen hier die Ateliergemeinschaft mit. Seit 2017 ist Eva­maria Schaller Mitglied, hat aber nicht beim "Jungen Wilden" studiert. Beide sind Kuratoren der Ausstellung "Klasse Walter Dahn 1995 – 2017", die noch bis Mitte November läuft.

Ein Kraftakt für den Lehrer

Trafik Projekte gibt es seit dem Hochwasser in der Region von 2021, das auch das untere Geschoss überschwemmt hatte. Nach der Flut waren die Räume leer und mussten renoviert werden. "Walter wurde von uns 2023/24 angefragt, ob er im September 2025 eine Ausstellung bei uns machen möchte, diesem hat er zugestimmt", erzählt Schaller. "Er starb jedoch vorher. Diesen geplanten Termin sahen wir als ein einzigartiges Zeitfenster, um viele Ehemalige zusammenzubringen, die sich teils nicht kannten. Es war uns wichtig, dass diese Hommage aus der ehemaligen Studierendenschaft hervorging, als 'Einheit in der Unterschiedlichkeit' – unabhängig von den diversen künstlerischen Lebensläufen."

Es gab drei Abgabestellen für die gezeigten Arbeiten in Hamburg, Braunschweig und Berlin. Zwei Ehemalige erklärten sich bereit, die Transporte zu übernehmen. Außerdem beteiligten sich Galerien mit Leihgaben. 

"Es war ein Kraftakt, alles auf die Beine zu stellen. Für uns war es immer wichtig, dass die Ausstellung zu einem Akt der Solidarität untereinander wird", so Schaller. "Die Eröffnung war ein großes Fest und Wiedersehen. Felix von der Osten, Walters Sohn, hat ein analoges 'Klassenfoto' von 41 der Anwesenden gemacht." Trotz vergeblichen Anklopfens bei diversen Stiftungen und Förderungen kann der Katalog nur durch Spenden der ehemaligen Studierenden finanziert werden.