Laut einer Mitteilung der Jury wird Gabriele Stötzer, geboren 1953 in Emleben, für ihr "visionäres, experimentelles Werk ausgezeichnet, das gesellschaftliche und politische Strukturen konsequent hinterfragt. Sie zählt zu den zentralen Figuren der DDR-Kunstszene und hat Vernetzung, Kollaboration sowie die kritische Auseinandersetzung mit Rollenbildern und Machtverhältnissen geprägt." Anlässlich des Preises wird eine Ausstellung der Künstlerin vom 10. Oktober bis 17. Januar 2027 im Mönchehaus Museum in Goslar zu sehen sein.
Stötzer, die heute in Erfurt lebt, arbeitet in verschiedenen Medien wie Textilien, Fotografie, Zeichnung, Performance, Video, Malerei und Keramik. Dabei geht es oft um Geschlechterrollen und den weiblichen Körper als Schauplatz für Freiheitskämpfe. Maßgeblich geprägt ist ihr Werk auch durch eine einjährige Haftstrafe, die sie wegen Staatsverleumdung im DDR-Frauengefängnis Hoheneck in Stollberg (Erzgebirge) absitzen musste. Sie hatte sich 1976 an einer Unterschriftensammlung gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann beteiligt. In vielen Arbeiten wie etwa dem Gemäldezyklus "Aus der Isolierung nach dem Knast" (1978/79) verarbeitete Stötzer ihre Erfahrungen. Sie war außerdem Mitbegründerin der Künstlerinnengruppe Erfurt, deren Werk 2025 auf der Berlin Biennale ausgestellt war.
Der seit 1975 alljährlich vergebene Goslarer Kaiserring besteht aus einem in Gold gefassten Aquamarin, in den das Siegel von Kaiser Heinrich IV. eingraviert ist. Zuletzt erhielten ihn die Künstlerinnen Katharina Fritsch und Miriam Cahn.