Mit dem Tod von Anita Beckers hat die Galerienszene in Frankfurt am Main eine ihrer profiliertesten Protagonistinnen verloren. Beckers gründete ihre erste Galerie 1995 in Darmstadt, nachdem sie aufgrund eines Schlaganfalls ihren ursprünglichen Beruf als Lehrerin nicht mehr ausüben konnte. 1998 zog sie nach Frankfurt am Main um, seit 2015 residiert die Galerie an der Braubachstraße in unmittelbarer Nähe des Museums für Moderne Kunst (MMK).
Das Programm von Anita Beckers brachte junge Künstlerinnen und Künstler mit etablierten und auch übersehenen Positionen zusammen. So zeigt das Städel gerade die erste große Retrospektive der feministischen Konzeptkünstlerin Annegret Soltau, die seit vielen Jahren von Beckers vertreten wird. Außerdem gilt die Galeristin als Pionierin auf dem Gebiet der Videokunst und der digitalen Bildexperimente. Sie zeigte frühe Ausstellungen von Bjørn Melhus, Laurel Nakadate und Alba D’Urbano, die heute als Wegbereiter ihres Mediums gelten. Im ZKM in Karlsruhe ist gerade eine Ausstellung des Medienarchäologen und Beckers-Künstlers Johan Grimonprez zu sehen.
Auch auf internationalen Messen wie der Art Cologne, der Arco oder der Paris Photo war die Galerie vertreten. Zudem war Anita Beckers Mitgründerin der Plattform Blinkvideo, auf der sich Medienkünstlerinnen, Institutionen, Kuratorinnen und Galeristen verknüpfen können. Kolleginnen und Kollegen beschrieben Beckers auch offline als talentierte Netzwerkerin.
Es habe sie fasziniert, zu beobachten, wie das Medium Video zu ihren Lebzeiten "alles durchdrungen habe", sagte sie 2018 der "Welt". Wie am Wochenende bekannt wurde, ist Beckers am 31. Juli im Alter von 78 Jahren gestorben. "Ich kann es nicht fassen", schrieb die Künstlerin Annegret Soltau auf Instagram. "Ich wünschte, ich hätte es nur geträumt und morgen bist du wieder da und wir machen unsere gemeinsamen Pläne."