Projekträume des Sellerie Weekend
Unter dem Titel "Sellerie Weekend" öffnen in diesem Jahr, bereits in der vierten Ausgabe und parallel zum Berlin Gallery Weekend vom 1. bis 3. Mai, zahlreiche freie Kunsträume ihre Ausstellungen. Darüber hinaus gibt es in den über 75 teilnehmenden Off-Spaces ein begleitendes Veranstaltungsprogramm. Die Auftaktveranstaltung findet am 30. April ab 20 Uhr mit einer Performance von Sophia Süßmilch und einem DJ-Set im Spoiler statt – dem Projektraum in der Birkenstraße in Berlin-Moabit, den die Initiatoren des Sellerie Weekends selbst betreiben. Neben kuratierten Stadttouren finden sich auf der Website weitere Veranstaltungen, Eröffnungstermine sowie eine nach Bezirken sortierte Übersicht. Das Programm wird zudem über die sozialen Medien und im Stadtraum kommuniziert. In diesem und im nächsten Jahr wird das Sellerie Weekend über das Programm "Spartenoffene Förderung für Festivals und Reihen" der Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt gefördert.
Sellerie Weekend, verschiedene Projekträume und Off-Spaces, Berlin, 1. bis 3. Mai
Kunstmesse Paper Positions
Nicht nur wer sich ans Sammeln langsam herantasten will, ist bei Werken auf Papier richtig. Können sich doch ganze Welten auf einem kleinen Rechteck entfalten. Dass Papier dabei nicht nur Bildträger ist, sondern Werkstoff, sieht man auf der Paper Positions bei Künstlerinnen und Künstlern wie Annegret Soltau (Galerie Bachlechner) oder bei den Collagen von Una Ursprung (Galerie PJ). Aber auch bei den Schreibmaschinen-Arbeiten von Dirk Krecker (bei Heike Strelow) wird das Papier als Material buchstäblich ernst genommen. Inkjet-Prints wie von der großartigen österreichischen Künstlerin Stefanie Moshammer erweitern das Spektrum um das Medium Fotografie (bei Roberta Keil). Und die eher zarten, kleinformatigen Werke von großen Namen wie A.R. Penck (bei Galerie Holthoff) ergeben neuen Aufschluss über den Zeichner hinter dem Maler. Insgesamt präsentieren sich 70 internationale Galerien auf der Messe in der Haupthalle des Flughafens Tempelhof. So zart das Material, so groß das Interesse.
Paper Positions Berlin, Flughafen Tempelhof, 30. April bis 3. Mai
Gruppenschau in der Halle am Berghain
Wir sehen sie nicht, aber ohne sie wäre alles anders: die Schwerkraft. Zum Gallery Weekend eröffnet die Kunstinitiative House in der Halle am Berghain die Gruppenausstellung "Gravity Ease Contract", kuratiert vom französischen Künstler David Douard. Die 2023 von Juliet Kothe und Georgina Pope gegründete Plattform realisiert ihre Ausstellungen in Räumen mit besonderer Architektur oder Geschichte. Diesmal: in der Betonhalle, die in den 1950er-Jahren als Heizkraftwerk erbaut wurde. In den 21 Meter hohen Räumen fühlt man sich winzig klein – das passt zu einer Schau, die um Architektur, Schutz und die Frage kreist, was Zuflucht bedeuten kann. Zwischen massivem Stahlbeton und der Weite des Raums sind Schwere und Leichtigkeit körperlich spürbar. Viele der Arbeiten greifen Echos aus Musik, Videos und Popkultur auf und übersetzen sie in persönliche Erfahrungswelten. Die Ausstellung versammelt etablierte und jüngere Positionen, darunter Susan Philipsz, Julia Scher, Richard Hawkins, Stephan Dillemuth, Rochelle Goldberg und Akeem Smith.
"Gravity Ease Contract", Halle am Berghain, Berlin, 1. bis 24. Mai
Neue Präsentation im Boros-Bunker
Unter Berlins Privatsammlern sind Karen und Christian Boros vermutlich jene mit der hartnäckigsten Leidenschaft für das Neue – und so wechseln sie in ihrem Kunst-Bunker an der Reinhardtstraße etwa alle vier Jahre die Sammlungspräsentation. Am letzten Tag des Gallery Weekend eröffnet "Berlin Bunker #5" und zeigt die jüngsten Erwerbungen – darunter Werke von Pol Taburet, Sung Tieu, Miro Leo, Conny Maier, Brook Hsu oder Jill Mulleady. Daruntergemischt sind etwas ältere Positionen aus dem Bestand, die bislang nicht ausgestellt wurden, wie die Malereien von Silke Otto-Knapp und Tomma Abts oder auch jene aus dem Straßenbau stammenden Kanister von Klara Lidén, die wie Kugellampen den Eingangsbereich der Sammlung beleuchten werden. Eine These gibt die Schau nicht vor, aber in der Panoramasicht auf die Zeitgenossen schälen sich doch gewisse Tendenzen heraus: die Neigung zur psychologischen Introspektion etwa und eine Vorliebe zur Figuration, wobei die Körper stets etwas theatralisch verzerrt, bewusst inszeniert dargestellt wirken.
"Berlin Bunker #5", Eröffnung am 3. Mai, der Zugang ist exklusiv über auf der Website gebuchte Führungen möglich
Julian Rosefeldt im Kino International
Wer beim Gallery Weekend nicht nur White Cubes, sondern auch großes Kino will, sollte sich den Samstag freihalten: Am 2. Mai um 11 Uhr läuft im Kino International Julian Rosefeldts neuer Film "EUPHORIA" – bei freiem Eintritt. Der Berliner Künstler inszeniert darin eine bildgewaltige Reise durch 2000 Jahre Kapitalismus, Gier und Verführung, gespeist aus Texten von Sophokles bis Snoop Dogg. Gedreht wurde in Kyjiw kurz vor der russischen Invasion sowie in New York, Sofia und Berlin. Mit dabei: Giancarlo Esposito vor der Kamera und Cate Blanchett als Stimme eines zynischen Tigers. Wer Rosefeldts opulente Bildwelten kennt, weiß: Das wird keine trockene Systemkritik, sondern ein Rauschzustand mit Fallhöhe. Parallel dazu läuft auch seine Ausstellung "GONE ASTRAY" in der Galerie Philippe Bober bis 30. Mai.
"EUPHORIA", 2. Mai, 11 Uhr, Kino International, Berlin-Mitte; Eintritt frei, Anmeldung zwingend