Deutscher Künstler

Georg Baselitz ist tot

Der deutsche Künstler Georg Baselitz ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Mit ihm verliert die internationale Kunstwelt eine der prägendsten Figuren der Nachkriegskunst

Laut der Galerie Thaddeus Ropac ist der Künstler am Donnerstag friedlich eingeschlafen.

Georg Baselitz, 1938 als Hans-Georg Bruno Kern im sächsischen Deutschbaselitz geboren, wuchs als Sohn von Lehrern in einer von Krieg geprägten Umgebung auf. Diese Erfahrung des Bruchs wurde zu einem zentralen biografischen wie künstlerischen Fundament seines Werks. 1961 nahm er den Namen Baselitz an als bewusste Rückbindung an sein Herkunftsdorf in der Oberlausitz.

Nach seiner Flucht aus der DDR 1957, infolge politischer Repression und akademischer Konflikte, fand er sich im westdeutschen Kunstsystem ebenso wenig verortet wie im sozialistischen Realismus des Ostens. Seine erste Einzelausstellung in West-Berlin 1963 wurde nach öffentlichem Skandal geschlossen, Werke wurden beschlagnahmt, er selbst strafrechtlich belangt. Dennoch setzte er seine künstlerische Entwicklung unbeirrt fort, unter anderem während eines Aufenthalts in Florenz, wo die Serie der "Heldenbilder" entstand.

"Auf dem Kopf"-Malerei wurde zu seinem Markenzeichen

International bekannt wurde Baselitz Ende der 1960er-Jahre mit der radikalen Umkehr seiner Bildlogik: Figuren, Landschaften und Motive wurden "auf dem Kopf" gemalt. Diese Inversion wurde zu seinem Markenzeichen. Baselitz verstand Malerei als ein System von Beziehungen, das er gezielt destabilisieren und neu ordnen wollte. Neben der Malerei schuf er ein umfangreiches skulpturales Werk, das seine malerischen Strategien in den Raum übertrug.

"Georg Baselitz hat nicht nur seine Bilder, er hat auch unsere Denkroutinen auf den Kopf gestellt", hieß es in einem Kondolenzschreiben von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. "Er, der die Zerstörung und das Leid des Zweiten Weltkrieges als Kind erlebte, sah sich durch den Zusammenbruch aller Ordnungen dazu gezwungen, alles um sich herum in Frage zu stellen."

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bezeichnete Baselitz als einen "der weltweit bedeutendsten bildenden Künstler unserer Zeit". Weimer schrieb in einer Reaktion: "Seine Werke sind geprägt durch eine radikale Befragung der eigenen Identität als Künstler – und einer ebenso radikalen Befragung der deutschen Geschichte."

Baselitz hinterlässt ein umfangreiches Werk

Zu seinen wichtigsten Stationen Baselitz zählen die Teilnahme an der Biennale von Venedig 1980, wo er gemeinsam mit Anselm Kiefer den deutschen Pavillon bespielte, sowie zahlreiche Präsentationen auf der Documenta in Kassel. 2004 erhielt Baselitz den japanischen Preis Praemium Imperiale, einen der weltweit wichtigsten Preise für Kunst. 2019 wurde er in die ehrwürdige Akademie der bildenden Künste in Paris gewählt. 2023 gab es im Jahr seines 85. Geburtstags mehrere große Ausstellungen, darunter "Nackte Meister" im Kunsthistorischen Museum (KHM) in Wien. In seinem späten Werk verdichtete Baselitz zentrale Motive seines Schaffens noch einmal in großformatigen Serien.

Georg Baselitz hinterlässt ein umfangreiches Werk, das in Museen und Sammlungen weltweit präsent ist und die Entwicklung der Malerei im 20. und frühen 21. Jahrhundert nachhaltig geprägt hat.