Kreativität, so fasst Kunicki den Forschungsstand zusammen, habe drei Säulen. Zum einen das, was man als Originalität oder Neuigkeit bezeichnen könnte – etwas zu erfinden, das schon einmal gemacht wurde, ist nicht kreativ. Die zweite Säule, so Kunicki, ist der Wert. Etwas, was neu ist, aber keinen Wert hat, ist auch nicht kreativ. KI, so die Philosophin, könne aber durchaus Dinge erschaffen, die neu sind und Wert haben. Insofern sei sie kreativ. Der dritte Aspekt der Kreativität, so erklärt sie dem Podcast-Host Friedrich von Borries, sei jedoch die Intentionalität: Nur etwas, das absichtsvoll gemacht werde, sei kreativ.
Im Moment interessieren Martha Kunicki aber nicht die theoretischen, sondern die praktischen Fragen der Künstlichen Intelligenz. Und weil es in der Philosophie seit der Antike um ganz grundsätzliche Fragen geht – was ist der Sinn des Lebens, was ist Glück? – will sie nun mit KI ergründen, wie man Menschen glücklicher machen kann.
Derzeit forscht sie in einem Projekt an der Schnittstelle zu den Neurowissenschaften. An 100 Probanden hat sie untersucht, wie Hirnströme auf Videos mit starken emotionalen Reizen reagieren – und dabei unter anderem Ansätze entdeckt, wie sich Gehirnwellen synchronisieren lassen. Ihre These: Besonders dann, wenn wir kreativ sind, sind die Ströme in unserem Kopf auf einer gemeinsamen Welle, im flow, und deshalb fühlen wir uns glücklich.
KI als kreative Partnerin
Basierend auf dieser These entwickelt sie ein positives, optimistisches Bild der KI. Ihrer Meinung nach sollten wir sie nicht als gefährlichen Gegner, sondern als Partnerin für die eigene Kreativität ansehen. Denn selbst, wenn KI nicht selbst kreativ sein kann, so Kunicki, kann sie uns helfen, unsere Ausdrucksmöglichkeiten zu steigern. Ob in der Musik, in der Literatur oder in der Kunst: Künstliche Intelligenz, kann die "menschliche Vorstellungskraft erweitern und Kreativität steigern" – und dadurch, so die Philosophin, Menschen glücklicher machen.
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