Keine Stalin-Verbrechen mehr

Gulag-Museum wird zu Kriegsmuseum

Ein Besucher schaut bei der Eröffnung 2015 die Ausstellung im Moskauer Gulag-Museum an: Es erinnerte an die Opfer der politischen Verfolgung und des Lagersystems unter dem Sowjetdiktator Josef Stalin
Foto: Maxim Shipenkov/dpa

Ein Besucher schaut bei der Eröffnung 2015 die Ausstellung im Moskauer Gulag-Museum an: Es erinnerte an die Opfer der politischen Verfolgung und des Lagersystems unter dem Sowjetdiktator Josef Stalin

Ein Gulag-Museum verschwindet – und mit ihm die Erinnerung an Millionen Lageropfer. Worauf zielt die neue Ausrichtung auf Nazi-Verbrechen im Zweiten Weltkrieg?

Das Moskauer Gulag-Museum über das Lagersystem unter Sowjetdiktator Josef Stalin wird umgewandelt in ein Museum über deutsche Verbrechen in der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg. Das derzeit geschlossene Museum teilte auf seiner Website mit, es werde sich als "Museum der Erinnerung" künftig "dem Gedenken an die Opfer des Genozids am sowjetischen Volk" widmen. "Die Ausstellung wird alle Etappen der Nazi-Kriegsverbrechen umfassen", hieß es.

Bislang erinnerte das Museum in der russischen Hauptstadt an die Millionen Menschen, die zwischen 1918 und 1956 in Lagern im ganzen Land eingesperrt waren und Zwangsarbeit leisten mussten. Der russische Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn hat das Haftsystem in seinem Werk "Archipel Gulag" beschrieben.

Aufarbeitung der Stalin-Zeit gestoppt

Die Aufarbeitung der Stalin-Verbrechen ist unter Präsident Wladimir Putin aber weitgehend zum Erliegen gekommen. Als ein Zeichen musste das Moskauer Gulag-Museum, gegründet 2001 und seit 2015 im derzeitigen Gebäude, 2024 wegen angeblicher Brandschutzprobleme schließen.

Putin betont in seiner Ideologie den sowjetischen Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg, der in Russland Großer Vaterländischer Krieg genannt wird. Das neugestaltete Museum solle Besuchern die Formen von Nationalsozialismus, die Befreiungsmission der Roten Armee und die Prozesse gegen Nazi-Verbrecher zeigen, teilte die Stadt Moskau mit.

Ziel sei, in der jungen Generation eine "nachhaltige Ablehnung des Nazismus" zu erreichen, wurde die künftige Direktorin Natalja Kalaschnikowa zitiert. Nach Darstellung der Moskauer Propaganda kämpft Russland derzeit in der Ukraine und bei deren ausländischen Unterstützern gegen Nazis.