Ausstellung über Männlichkeit in Leipzig

Stahlharte Körper, bröckelnde Ideale

In Leipzig untersucht die Ausstellung "Der Wille zur Veränderung" das Erbe toxischer Männlichkeit – zwischen Fitnesskult, Vaterfiguren und der Macht erotischer Projektionen

"Wann ist ein Mann ein Mann?" fragte Herbert Grönemeyer schon 1984 in seinem Song "Männer". Die Ausstellung "Der Wille zur Veränderung" in der Halle 14 in Leipzig greift diese Frage jetzt auf und rückt das im Patriarchat verankerte Geschlechterbild in den Mittelpunkt. 

Männlichkeit wird hier nicht als biologische Kategorie verhandelt, sondern als gesellschaftliches Konstrukt, das die Herrschaft des sogenannten "(alten) weißen Mannes" sichert. Fünf internationale künstlerische Positionen reflektieren in Fotografien, Installationen, Videos, Gouachen und Skulpturen unterschiedliche Facetten des Themas – mit dem gemeinsamen Ziel, festgeschriebene Rollenbilder zu dekonstruieren und ihre Wandelbarkeit sichtbar zu machen.

 

Dabei ist die Multimedia-Installation "Bereitschaft" (2024) von Jakob Ganslmeier und Ana Zibelnik ein Höhepunkt. Das Künstlerduo suchte dafür in den sozialen Medien nach Bildern "toxischer" Männlichkeit und ihren ideologischen Verstrickungen in den Rechtsextremismus. Ausgangspunkt war ein Foto von Arno Brekers Statue "Bereitschaft" aus dem Jahr 1929, die einen muskulösen, stereotyp maskulinen Körper zeigt. Auffällig oft taucht diese Nazi-Skulptur heute in den sozialen Medien auf – meist im Kontext von Fitness und Stärke. Von dort ist es nur ein kleiner Schritt zur Verherrlichung von Disziplin, Kampfbereitschaft und männlicher Überlegenheit - eine Verbindung, die Ganslmeier und Zibelnik in ihrer Installation in Bild und Ton präzise nachzeichnen.

Auf drei großen Monitoren und in Fotografien verdichtet sich eine Kompilation aus der sogenannten manosphere des Netzes – prall gefüllt mit Omnipotenz, die auch vor offener Nazi-Propaganda nicht zurückschreckt. So gelingt es dem Duo nicht nur, rechtsextreme Tendenzen in den sozialen Medien offenzulegen, sondern gleichzeitig die ihnen innewohnende Faszination ungeschönt sichtbar zu machen.

Von den Qualen auf dem Weg zur "perfekten" Körpermasse erzählt Marc-Aurèle Debuts Installation "The Plight of Masculinity" (2023), die einen makaberen Fitnessraum zeigt. Auf dem schwarzen Leder der Hantelbank sprießen lange Metallstacheln – das Training wird hier zum lebensgefährlichen Unterfangen. Auch zwei Massagegeräte sind so manipuliert, dass die Selbstoptimierung zur Tortur wird. Und doch: Ein Spiegel, der vor der Hantelbank auf einer schwarzen Gummimatte liegt, erlaubt die narzisstische Selbstbeobachtung bei den sadistischen Workouts.

Männerbilder zwischen Macht und Ohnmacht

Eric Meiers Fotoserie "Vaterland" (seit 2024) geht in der Demontage des heroisch gedachten Männerbildes noch einen Schritt weiter. In ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Porträts zeigt der Künstler mehrere Bewohner aus einem Wohnheim für Suchtkranke im Osten Brandenburgs. Leere und Verzweiflung sind in ihren Gesichtern eingeschrieben. Keine Spur von Selbstdisziplin ist da auszumachen, vielmehr spricht aus ihren Mienen und Körperhaltungen die Selbstaufgabe. Dass auch Meiers Vater einer dieser Männer ist, deutet bereits der Titel der Arbeit an.

Explizit politisch ausgerichtet sind Kubra Khademis Gouachen "Untitled" (2021) aus dem Werkkomplex "Let us Believe in a Beginning of the Hot Season". Darin thematisiert die afghanische Künstlerin patriarchale Strukturen in der internationalen Politik. Im Stil persischer Miniaturmalerei erzählt sie von einer fiktiven homoerotischen Beziehung zwischen dem US-amerikanischen Botschafter Christian White und dem Talibanführer Mowlana Khair-Ullah Baradar. 

White übernimmt dabei – der Machtlogik aggressiver Weltpolitik folgend – die dominante Rolle. Die nur auf den ersten Blick romantische Erzählung verweist auf die militärische Unterstützung der USA für die islamistischen "Gotteskrieger", die zwischen 1979 und 1989 gegen die Sowjetunion kämpften.

Rassistische Klischees in der Beziehung

Um eine Liebesbeziehung geht es auch in Christa Joo Hyun D’Angelos Film "A Lover’s Touch" (2022). Genauer: um eine Beziehung, die kurz vor dem Scheitern steht. Im Zentrum stehen ein weißer Mann und eine Schwarze Frau, die in einer inszenierten Therapiesitzung versuchen, ihren Konflikten auf den Grund zu gehen. Schnell wird dabei klar, dass rassistische Klischees, die die sexuellen Fantasien des Mannes beherrschen, ein kaum lösbares Problem für die beiden darstellen.

Wichtig ist die Ausstellung "Der Wille zur Veränderung" nicht zuletzt deswegen, weil sie auf unterschiedliche Weise – das Spektrum reicht von der Kritik an faschistoidem Körperkult bis zu hin zur Dekonstruktion rassistischer Fantasien – mehr oder weniger explizit die Rolle patriarchaler Strukturen im gegenwärtigen Erfolg des Rechtspopulismus reflektiert.