Beschluss des Hamburger OLG

Umstrittener Johann-König-Artikel der "Zeit" darf online bleiben – mit Kürzungen

Johann König
Foto: Murat Aslan

Johann König

Das Oberlandesgericht Hamburg hat die "Zeit"-Berichterstattung über den Verdacht des Machtmissbrauchs und der sexuellen Belästigung durch den Galeristen Johann König für rechtens erklärt

Ende August war in der Hamburger Wochenzeitung ein Artikel erschienen, in dem mehrere Frauen teils anonym von übergriffigem Verhalten und sexueller Belästigung durch König berichten. Die Frauen haben ihre Darstellung später vor Gericht an Eides Statt versichert. Der Galerist bestreitet die Vorwürfe. Am 21. Oktober erwirkte der 41-Jährige beim Landgericht Hamburg einen Beschluss, dass einige Passagen des "Zeit"-Artikels nicht mehr verbreitet werden dürfen. Über diesen Beschluss urteilte nun in der vergangenen Woche das Hanseatische Oberlandesgericht und kam zu der Entscheidung, dass der Artikel online wieder verfügbar bleiben kann – allerdings mit Kürzungen und Änderungen.

"Es besteht ein berechtigtes Interesse der Öffentlichkeit daran, darüber informiert zu werden, dass gegen einen bedeutenden und international tätigen Angehörigen des Kulturbetriebs der Vorwurf erhoben wird, er würde immer wieder Frauen sexuell bedrängen", heißt es laut einer Pressemitteilung der "Zeit" in dem neuen Beschluss. "Wenn denn in einem Bereich des öffentlichen Lebens eine Vielzahl von Vorwürfen solcher Art gegen eine Person laut werden, besteht daran ein Interesse der Öffentlichkeit, das über die Befriedigung bloßer Neugier hinausgeht und auf die Erlangung echter Informationen gerichtet ist. Dieses Interesse zu befriedigen sind die Presse und die anderen Publikationsorgane im Grundsatz berechtigt."

Die "Zeit" sieht darin einen Erfolg: "Wir freuen uns, dass die Richter zu Gunsten einer kritischen Berichterstattung entschieden haben", kommentiert eine Verlagssprecherin. "Berichterstattung über MeToo-Fälle, so heikel sie im Einzelfall auch immer sein mag, ist damit weiterhin möglich. Dazu hat das Oberlandesgericht den Medien klare Richtlinien an die Hand gegeben." 

Königs Anwälte sind auch zufrieden

Die Anwälte von Johann König verbuchen den neuen Beschluss ebenfalls als Erfolg für sich: "Der 'ZEIT' wurde im Kern verboten, in Bezug auf Johann König den Verdacht zu erwecken, er habe eine beruflich mit ihm verbundene Geschäftspartnerin mit anzüglichen Bemerkungen belästigt. Nach dieser Entscheidung sind der 'ZEIT' nunmehr insgesamt sieben Passagen aus dem Artikel vom 01.09.2022 gerichtlich untersagt worden." Die Anwälte streben nun eine Schadensersatzklage an.

Johann König betreibt die Berliner König Galerie, Nach der Berichterstattung hat die Galerie mehrere Künstlerinnen und Künstler verloren