Beim ersten House of Galleries erzählte ein Galerist aus einer anderen Stadt, das Installieren der Werke in der 44. Etage des Bankenturms Trianon habe ungewöhnlich lange gedauert. Die Bedingungen seien sehr gut gewesen, Ausstattung und Technik perfekt – es habe nur so viel Spaß gemacht, immer wieder aus dem Fenster zu sehen.
Der Rundumblick aus den Vorstandsetagen macht der Kunst hier aber keine Konkurrenz, sondern ergänzt einfach nur das visuelle Erlebnis. Die vielen externen von ihren Frankfurter Kolleginnen und Kollegen eingeladenen Galerien aus dem Vorjahr machen dieses Jahr nahezu alle wieder mit, der guten Aussicht, vor allem aber der guten Stimmung und der guten Verkäufe wegen: Klemm’s, diesmal mit den starken konzeptuellen Fotografien der US-Amerikanerin Erica Baum. Fiebach, Minninger aus Köln zeigen Werke der Absolventin der Düsseldorfer Akademie Morgaine Schäfer.
Und viele sind hinzugekommen: die Produzentengalerie aus Hamburg mit der international gefeierten Künstlerin Ulla von Brandenburg und Galerien aus Berlin wie die von Alexander Levy, der Werke von Sinta Werner präsentieren wird. Oder die Galerie Judin, die mit Philipp Fürhofer einen Künstler ausstellt, der bereits eine Einzelschau im Frankfurter Städel Museum hatte.
Highlights des 20. Jahrhunderts
Genau wie Soy Capitán aus Berlin mit der großartigen Malerin Grace Weaver: Erst kürzlich hat das Städel ein großes Werk von ihr angekauft, jetzt ist es in der Sammlung Gegenwart zu sehen. Soy Capitán vertritt die inzwischen in Berlin lebende US-Amerikanerin seit Langem. Christine König kommt aus Wien mit Olaf Holzapfel, und die Kölner Galerie Drei bringt Werke von Rosa Aiello mit.
Auch wichtige Vertreter der Kunst des 20. Jahrhunderts werden zu sehen sein, zum Beispiel der US-Amerikaner Leon Polk Smith als Anhänger der Hard-Edge-Malerei bei Edition & Galerie Hoffmann. Und die Galerie Thomas Levy aus Berlin wird Malereien und Fotografien der inzwischen nahezu 90-jährigen britischen Pop-Art-Legende Allen Jones dabeihaben.
Ein anderer hochdekorierter Brite wird von der Frankfurter Galerie Hübner + Hübner ausgestellt: James Lloyd, geboren 1971, malte schon eines der offiziellen Porträts von Queen Elizabeth II. und zeigt hier seine klassische Malereiauffassung in der Tradition von Lucian Freud oder Jenny Saville.
Heimspiel
Es konnten nicht nur gute Zuwächse aus anderen Städten gewonnen werden, auch der Galeriestandort Frankfurt selbst zeigt sich von seiner stärksten Seite. Etwa wenn Jacky Strenz den talentierten Fotokünstler Arne Schmitt (Jahrgang 1984), den sie schon lange im Programm hat, mit seinen feinen konzeptionellen Schwarz-Weiß-Aufnahmen präsentiert.
Oder wenn die Galerie Sakhile & Me mit Ghizlane Sahli und Niquu Eyeta interessante Impulse setzt – sie konzentriert sich konsequent auf afrikanische und afrikanisch-diasporische Kunst und baut dieses Feld in Frankfurt seit einigen Jahren aus.
Die Galerie von Bärbel Grässlin wird den großen Fallensteller Andreas Slominski ausstellen, und auch bei Philipp Pflug Contemporary kann es sein, dass Frank Brechter große Käsestücke auslegt, damit wir anbeißen: Der Künstler bildet Alltagsobjekte wie Besteck, Toastscheiben oder Emmentaler in Übergröße exakt nach.
Wer hier an Claes Oldenburg denkt: Seine wie ein Börsenkurs nach oben gerichtete Krawatte steht auf dem Trottoir nur wenige Schritte entfernt vor einem der anderen verspiegelten Wolkenkratzer. Die zehn höchsten von Deutschland sind hier alle in Sichtweite versammelt. Ein unwiderstehliches Motiv auch für den Fotografen Wolfgang Stahr, der vor fünf Jahren nach Frankfurt zog und sich die Stadt mit der Kamera erschloss. Einen Teil seiner Serie "Sentiment Index" – der Begriff stammt aus der Broker-Welt und sagt künftige Kursbewegungen voraus – zeigt die Galerie Peter Sillem.
Galerie Peter Sillem: Wolfgang Stahr "o.T. (FFM #0838)", 2021, aus der Serie "SENTIMENT INDEX"
Dieser Artikel erschien zuerst in Monopol 1/2026.