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Galeriehaus H Queen's in Hongkong

Ein neues Kraftzentrum der Kunst

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Mehr als Art Basel: Im neuen Galeriehaus H Queen's in Hongkong treffen sich globale Marktgiganten mit regionalen Traditionshäusern

Draußen stehen kunstschwarz gekleidete Menschen vor einem erhaben erleuchteten Glasturm Schlange, drinnen gibt es Champagner und Werke von Wolfgang Tillmans und Christopher Wool. Diese Szene, die auch in London, Berlin oder New York denkbar wäre, spielte sich in dieser Woche in der Hongkonger Queen's Road ab. Pünktlich zur Art Basel eröffnete auf der belebten Einkaufsstraße das 24-stöckige Galerienhaus H Queen's, das an einen Turm aus gestapelten Edelaquarien erinnert.

Obwohl viele der renommierten Galerien aus dem Westen wie White Cube, Perrotin oder Sprüth Magers schon länger Dependancen oder Büros in Hongkong betreiben, soll die Eröffnung des Investorenbaus der Firma Henderson Land Development ein neues Kraftzentrum der Kunst etablieren.

Umgekehrt ist der hochkarätige Neuzugang ein Zeichen für die wachsende Bedeutung des Hongkonger Marktes, der auch die Wege zu Sammlern in China und dem ozeanischen Raum öffnet und nicht mehr nur während der Messewoche im März internationale Aufmerksamkeit genießt. Die Galeriengiganten Hauser & Wirth, David Zwirner und Pace Gallery teilen sich das neue Gebäude, das zwischen den Wolkenkratzern der City fast bescheiden wirkt, mit den Hongkonger Galerien Ora Ora und Pearl Lam.

Um den Bau mit dem Stadtleben zu verknüpfen und als einen Ort des Konsums zu markieren, ist zwischen die Kunsträume Lifestyle geschichtet. Das H Queen's beherbergt Restaurants, Modelabel und Luxusuhren. Im Erdgeschoss kann man quietschbunte Kuchen und Törtchen essen.      

Entworfen hat den Glasturm William Lim, der selbst Künstler und Sammler ist. Weil die Galerien dort keine geräumigen Lastenaufzüge zur Verfügung haben, wird die Kunst mit einem integrierten Kran durch die verschiebbaren Glaswände in die Ausstellungsräume gehoben. Platzmangel ist ein Phänomen, das die ganze Stadt prägt, und auch in den Galerieetagen kann man kaum von Geräumigkeit sprechen. Schon die großformatigen Stadtplan-Gemälde des US-Künstlers Mark Bradford, den Hauser & Wirth zur Eröffnung zeigen, führen den Besuchern die Kapazitätsgrenzen der Räume vor Augen. Raumgreifende Installationen kann man sich hier kaum vorstellen, andererseits näher man sich so den Raumbedingungen der regionalen Sammler an. Mehr passt auch in die allermeisten Hongkonger Apartments nicht rein.

Während die Galerieszene in der chinesischen Verwaltungszone prominenten Zuwachs bekommen hat, fehlt Hongkong noch immer eine Kunstinstitution von Weltrang, die nichts verkaufen will. Doch auch das soll sich ändern. Das ehrgeizigste und teuerste Bauprojekt der Stadt ist der Stadtteil West Kowloon, wo dem Ozean ein Stück Land abgetrotzt wurde, und der nun zum kulturellen Hot-Spot werden soll. Herzstück der Pläne ist das Museum für visuelle Kultur M+, das gerade nach Plänen des museumserfahrenen Architekturbüros Herzog & de Meuron gebaut wird. Wenn es fertig ist, soll es Kunst und Designschätze aus aller Welt zeigen und so gut vernetzt sein, dass die Schnellbahn vom Flughafen in einem Betontunnel direkt durch das Gebäude verläuft. Rund 600 Millionen Euro öffentliches Geld soll das Museum kosten, dessen Eröffnung vorsichtig für Ende 2019 angekündigt wird. Wer auf der Terrasse des quaderförmigen Hauptebäudes steht, soll über die Bucht auf die Hongkonger Skyline schauen - eine Stadt, die sich zunehmend nach Bedeutung in der globalen Kulturwelt streckt.

 

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