Neue Berlinale-Chefs

"Eine großartige Herausforderung"

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Mit der 69. Berlinale im Februar 2019 endet eine Ära - dann tritt der seit 2001 amtierende Berlinale-Direktor Dieter Kosslick ab. Seine Nachfolger werden Carlo Chatrian, künstlerischer Leiter des Filmfestivals im schweizerischen Locarno, und Mariette Rissenbeek von German Films, der Auslandsvertretung des deutschen Films. Die Deutsche Presse-Agentur traf die Beiden in Locarno

Was hat Sie daran gereizt, die Berlinale-Leitung zu übernehmen?
Mariette Rissenbeek: Ich arbeite jetzt seit 16 Jahren für German Films und kenne die großen internationalen Filmfestivals als jemand, der versucht, deutschen Filmen dort eine gute Plattform zu sichern. Für mich ist es eine einzigartige Chance, die Seite zu wechseln, einfach großartig.

Carlo Chatrian: Ja, es ist eine großartige Herausforderung. Ich habe schon lange für Festivals gearbeitet, leite das von Locarno nun zum sechsten Mal. Ich hatte auch nicht vor, so schnell hier wegzugehen, doch dieser Herausforderung musste ich mich einfach stellen. Die erste Berlinale, die wir beide verantworten werden, ist 2020 die 70., ein Jubiläum.

Was ist die entscheidende Herausforderung?
Carlo Chatrian: Den richtigen Schlüssel zu finden, um die richtigen Türen zu öffnen, damit wir dann die Berlinale erfolgreich leiten können. Ich kenne die Berlinale seit 2004 – von außen, als Besucher. Aber was man von außen sieht, ist generell total verschieden von dem, was man von innen erfährt. Guckt man nur auf die Oberfläche, macht man leicht Fehler. Die Herausforderung ist, wirklich in "die Maschine" Berlinale einzudringen.

Mariette Rissenbeek: Die Berlinale ist in den letzten 15, 16 Jahren zu einer sehr, sehr großen und sehr wichtigen Tribüne des Kinos, der Filmkunst und des Filmgeschäfts geworden. Mehr als 350 000 Tickets werden jedes Jahr verkauft. Das wollen wir natürlich halten oder sogar noch ausbauen.

Carlo Chatrian: Soweit ich weiß, ist die Berlinale weltweit das Filmfestival mit der höchsten Zahl an Besuchern, mit dem größten Publikum. Das ist eine Verpflichtung für uns.

Sie beide müssen jetzt zu einem Team zusammenfinden. Wie machen Sie das?
Mariette Rissenbeek: Wir reden viel miteinander, diskutieren, lernen einander kennen. Wobei klar ist, dass wir wirklich ganz am Anfang stehen. Konkretes zu dem, was wir vorhaben, was wir planen, können wir noch gar nicht sagen. Soweit sind wir noch nicht. Carlo musste sich ja auf die Vorbereitung des diesjährigen Festivals von Locarno konzentrieren. Da hatten wir noch gar nicht so viel Zeit. Mit unserer Teambildung können  wir erst in nächster Zukunft richtig loslegen.

Carlo Chatrian: Und wir werden wirklich viel reden, werden Ideen entwickeln und verwerfen und wieder andere entwickeln. Und wir werden uns mit dem bestehenden Berlinale-Team vertraut machen.

Wann treten Sie in Berlin an?
Mariette Rissenbeek: Meine Arbeit für die Berlinale beginnt offiziell im März 2019, nach der letzten Berlinale im Februar unter der Leitung von Dieter Kosslick. Aber natürlich wird es schon vorher Gespräche geben, um die Struktur der Berlinale zu verstehen. Erst wirklich im März loszulegen, wäre etwas spät.

Carlo Chatrian: Wenn alles klappt, werde ich im Januar 2019 nach Berlin ziehen. Aber ich werde schon im Herbst dieses Jahres häufig in Berlin sein, um Berlinale-Mitarbeiter zu treffen, um die Stadt zu erkunden. Ich komme, das halte ich für sehr wichtig, nicht nur, um zu reden, ich komme vor allem auch, um zuzuhören. Wir müssen ja verstehen, wer was macht im Team. Und ich halte es für bedeutsam, die Erfahrungen langjähriger Mitarbeiter zu kennen und zu nutzen.

Wie steht es ums Deutsch lernen, Carlo Chatrian?
Carlo Chatrian: Das fragen Sie bitte erst beim nächsten Mal. Aber ich lerne.

Was ist für Sie die entscheidende Idee hinter der Doppelspitze, die es mit Ihnen beiden in der Geschichte der Berlinale zum ersten Mal geben wird?
Carlo Chatrian: Der Kreativität soviel Raum wie nur möglich zu geben.

Mariette Rissenbeek: Eine wesentliche Aufgabe für mich wird es sein, Carlo den Rücken frei zu halten, damit er sich wirklich hundertprozentig um die künstlerische Gestaltung kümmern kann.

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