Kunstmarkt 2025

Im arabischen Luxuszug ins neue Jahr

Doha, Austragungsort der ersten Art Basel Qatar im Februar 2026
Foto: Art Basel

Doha, Austragungsort der ersten Art Basel Qatar im Februar 2026

Private Equity, Staatsfonds und Luxusindustrie drängen in den Kunstmarkt. 2025 markiert den Moment, in dem Finanzlogik und Geopolitik das Feld neu ordnen und tradierte Vorstellungen von Kunst und Sammeln ins Wanken geraten

2025 könnte im Rückblick als das Jahr in die Kunstmarktgeschichte eingehen, in dem Finanzindustrie und Geopolitik endgültig das Ruder übernommen haben. Signale in diese Richtung gab es schon länger. Bei den beiden dominierenden Messekonzernen Art Basel und Frieze haben seit Jahren mit Endeavor und James Murdochs Lupa Systems Branchenfremde das Sagen, die im Bereich Medien, Entertainment und Events aktiv sind. In diesem Jahr hat der mit Geld von Private-Equity-Firmen und arabischen Staatsfonds befeuerte Zug dann richtig Fahrt aufgenommen, mit Kurswagen Richtung Persischer Golf.

Bonhams, das zuvor eine Reihe kleinerer Auktionshäuser in Europa aufgekauft hatte, wechselte in diesem Jahr von der Private Equity-Firma Epiris an den Kreditmanager Pemberton Asset Management, den größten Gläubiger. Bei Sotheby's ist der Staatsfonds von Abu Dhabi ADQ mit wahrscheinlich mindestens 25 Prozent eingestiegen. Anfang des Jahres hat das Auktionshaus seine erste Versteigerung in Saudi-Arabien abgehalten – ein Kessel Buntes mit Kunst, Juwelen und anderem Luxusgut.

Überhaupt scheint gerade alles in die Wüste zu ziehen. Die Marktteilnehmer folgen dem Lockruf des Geldes, mit dem die Golfstaaten versuchen, sich für die Zeit nach dem Öl hübsch zu machen. Nomad, die Edelmesse für Kunst und Design hat im November erstmals in Abu Dhabi stattgefunden. Design Miami plant eine Ausgabe in Dubai, wahrscheinlich parallel zur Art Dubai im April. Die Art Basel macht terminlich den Anfang und veranstaltet im Februar 2026 die Premiere der Art Basel Qatar in Doha.

Letztes Jahr hielten sich hartnäckig Gerüchte, die Schweizer würden die Abu Dhabi Art übernehmen. Doch dann hat Katar anscheinend das bessere Angebot gemacht. Was die Art Basel verschmähte, hat die Frieze mit Freuden eingesammelt. Unter ihrem neuen Eigentümer Ari Emanuel, zuvor CEO bei Endeavour, sollen die Frieze-Messen Teil eines Konzern für "global events and experiences" werden. Teil seines Reichs sind neben der Frieze mehrere Tennisturniere und neuerdings ein Auktionshaus für Oldtimer und Luxusautos.

Verschränkung von Kunst, Design und Luxusindustrie

Bei den Großgalerien tut sich in dieser Hinsicht auch einiges. Emmanuel Perrotin hat im April mit einer Investmentfirma einen Vertrag über den Verkauf der Mehrheit an seinem Galerie-Imperium mit sieben Standorten weltweit geschlossen. Die im Frühjahr aufgekommenen Gerüchte über einen Einstieg von Sotheby's bei der Pace Gallery dürften sich mit dem Zusammenschluss der Galerie mit Emmanuel Di Donna und David Schrader zur neuen Megagalerie Pace Di Donna Schrader Galleries erledigt haben. 

Bezeichnend für den Strukturwandel der Branche ist der weitgehend unter dem Radar der Kunstszene erfolgte Aufstieg des koreanisch-amerikanischen Unternehmers Jesse Lee, der seinen Design-Marktplatz Basic.Space zu einem bedeutenden Player ausgebaut hat. Er hat nicht nur die Messe Design Miami (siehe oben) übernommen, sondern kürzlich auch "Platform", den Internet-Shop, den David Zwirner für sich und andere New Yorker Galerien während der Covid-Pandemie gegründet hatte. Basic.Space hat in diesem Jahr den Sprung in die physische Welt gewagt und bereits je eine Ausgabe in Los Angeles und New York veranstaltet, jeweils mit einem Mix hochkarätiger Design- und Kunsthändler – Stichwort New oder Neo Luxury. 

Es ist nicht ausgeschlossen, dass dieser neue Player mit seiner Verschränkung von Kunst, Design und Luxusindustrie die angestammten Protagonisten des Kunstmarkts überflügelt – allen voran einige Traditionsmessen. Und wer 2026 noch in eine Programmgalerie geht und dort Kunst kauft, einfach nur, weil sie ihn oder sie intellektuell bereichert, läuft Gefahr als hoffnungslos altmodisch zu gelten.