Neue Anerkennung für alte Bekannte

Huch, ich mag ja Baselitz!

In der Kunstwelt feierten die Malerfürsten 2025 mal wieder ihr Comeback – auf Auktionen, in Ausstellungen und Rankings. Ist das ein Rückschlag? Vielleicht. Aber die alte neue Anerkennung trifft nicht unbedingt die Falschen

"Alte Weiße Männer" sind wie Elefanten im Raum: Je größer und mächtiger sie sind, desto weniger wird über sie geredet. Oder haben Sie in jüngster Zeit noch irgendwelche Feuilletonessays gelesen oder Vorabendserien zum Thema gesehen? Dabei haben sie – nach einer erbärmlich kurzen Atempause – die Welt gerade wieder übernommen. Man muss gar nicht nur auf Donald Trump in den USA verweisen. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz stand in diesem Jahr strahlend inmitten einiger einschlägig damenarmer Gruppenbilder, deren Protagonisten gar nicht bemerkten, dass irgendwas komisch ist. Für eine ganze Klasse von Menschen ist schließlich nur die alte neue Normalität wiederhergestellt: Typen im Anzug bestimmen, wo’s langgeht.

Die Kunstwelt war in den letzten Jahren einer der Bereiche, in denen die Vorherrschaft des westlichen, weißen, heterosexuellen, männlichen Menschen am heftigsten herausgefordert wurde – bis manche munkelten, dass in US-amerikanischen Museen solche Künstler gar nicht mehr ausgestellt würden, nada, niente. Was auch wieder unfair war. Eine ganze Venedig-Biennale, die von Cecilia Alemani im Jahr 2022, kam (fast) ohne Männer aus. Und die Kuratorin kommentierte dies in nonchalanter Umkehrung eines jahrzehntelang vorgebrachten Arguments: Sie habe eben auf Qualität geachtet.

Und trotzdem: An den Verkaufscharts änderte das noch nicht sehr viel. Sie blieben und bleiben männlich wie die Business-Class der Lufthansa. Unter den zehn zeitgenössischen Künstlern mit den höchsten Auktionsergebnissen findet sich im diesjährigen Artprice-Report mit Cecily Brown nur eine Frau. Und wenn man nach dem Künstler mit dem höchsten Marktwert und Einfluss fragt, kommt bei den meisten Rankings Gerhard Richter heraus – in diesem Jahr sogar bei unserer eigenen Monopol-Top-100-Liste.

Man kann das als Teil des allgemeinen Backlashs lesen

Letzteres war vor allem seiner großartigen Ausstellung in der Pariser Fondation Louis Vuitton zu verdanken. Davor hatte das Privatmuseum des französischen Milliardärs Bernard Arnault den Briten David Hockney gezeigt. Und hat sich irgendjemand über die Gender-Bilanz der Stiftung aufgeregt? Nicht im Geringsten. Stattdessen wurden die Präsentationen gefeiert. Wie man das mit herausragenden Ausstellungen so macht.

Dass sich alle wieder auf diese bewährten alten Recken der Kunst zu einigen scheinen, kann man durchaus als Teil des allgemeinen Backlashs lesen, der sich auch in der Kunstwelt ausbreitet. Dort gibt es ebenso jene, die erleichtert aufatmen, wenn gegen vermeintliche Wokeness-Exzesse polemisiert wird. Manche freuen sich, wenn, angeführt von der aggressiven Politik der Trump-Regierung, auch im internationalen Diskurs der Diversitätsdruck nachlässt. Nicht zuletzt die Flaute des Kunstmarktes der letzten zwei, drei Jahre hat die Kultur spürbar konservativer gemacht. Das ganz große Experiment ist gerade nicht gefragt; man setzt lieber auf bewährte Werte.

Andererseits: Die neue alte Wertschätzung trifft nicht unbedingt die Falschen. Wenn David Hockney und Gerhard Richter gute Ausstellungen machen – wer könnte ihnen widerstehen? Und auch für andere gibt es überraschend Hoffnung. Georg Baselitz zum Beispiel war immer ganz vorn dabei, wenn es um frauenfeindliche Macho-Sprüche der dümmsten Sorte ging. Und seine Malerei war so unverlangt breitbeinig wie sein Pinselstrich.

Eine rührende Zerbrechlichkeit

Doch jetzt ist das selbsternannte Malergenie alt geworden. Und auf seinen Bildern, die großformatig sind wie eh und je, sieht man die Spuren des Stuhls, auf dem er über die Leinwand rollt. In seinem Interview mit Monopol in diesem Jahr blitzte eine rührende Zerbrechlichkeit auf. Und so stand die Autorin dieser Zeilen in diesem Herbst auf der Art Cologne vor seinen neuen Bildern und fand zum ersten Mal wirklich einen Zugang dazu. Und wunderte sich über sich selbst.

Das Schöne an der Kunst ist ja, dass sie oft klüger ist als ihre Schöpfer; und vielschichtiger als ein Schlagwort sowieso. Die Kritik am "Alten Weißen Mann" – das wird beim Gezeter dagegen oft vergessen – zielte ja nie auf den Phänotyp, sondern auf eine Haltung. Sie machte auf eine unfaire Machtposition aufmerksam, die so normal war, dass sie keiner mehr bemerkte. Wenn sich der Wind jetzt wieder dreht, ist es gut, den Elefanten gelegentlich weiterhin sichtbar zu machen. Und im Übrigen auch die tolle Kunst von all den anderen, die sich in den letzten Jahren ins Rampenlicht gekämpft haben.