Graphic Novel über Jane Austen

Träumen in Pink

Zum 250. Geburtstag wird die britische Autorin Jane Austen zur Comicfigur. Eine neue Graphic Novel von Janine Barchas und Isabel Greenberg zeigt eine Frau, die aus dem häuslichen Grau ihrer Ära Farbe macht

Elizabeth, Emma, Anne, Fanny, Catherine, Elinor, Marianne, Susan und Charlotte. Diese Frauen sind die Heldinnen der Romane von Jane Austen. Am 16. Dezember 1775 wurde die britische Schriftstellerin geboren, und das Interesse an ihr und ihren Figuren reißt auch 250 Jahre später nicht ab. Feuilletons widmen ihr Sonderseiten, junge Leserinnen rezensieren sie auf TikTok. Ihr Buch "Stolz und Vorurteil" wurde über 20 Millionen Mal verkauft, und Austens Geschichten werden regelmäßig neu verfilmt und adaptiert – von klassischen BBC-Serien bis zur Teen-Komödie "Clueless". Letztere basiert auf dem Roman "Emma".

Zum runden Geburtstag ist bei Penguin auch eine Graphic Novel über das Leben der Autorin erschienen. Der Text stammt von Janine Barchas, Professorin an der University of Texas, die bereits mehrere Austen-Bücher veröffentlicht hat; die Zeichnungen hat die britische Illustratorin Isabel Greenberg beigesteuert. Im Vorwort betonen beide, dass sich jede Biografie über Jane Austen in einem "Graubereich zwischen Forschung und Spekulation" bewege. Aus ihrem Leben sind nur wenige Quellen überliefert, viele Briefe verbrannte ihre Schwester Cassandra. Der Comic konzentriert sich daher ausschließlich auf das, was belegt ist.

In drei Kapiteln und Zeitperioden, die ihren Lebensorten nachempfunden sind, begleiten die Leserinnen und Leser Austens Werdegang. Sie lernen die Protagonistin als junge Frau kennen, die in wohlhabenden Verhältnissen im südenglischen Bath aufwächst. Die Pfarrfamilie mit acht Kindern ist gebildet. Für das späte 18. Jahrhundert ungewöhnlich: Austens Vater fördert seine Tochter und unterstützt sie auch bei den ersten Veröffentlichungsversuchen.

Die Verbindung zwischen zwei Schwestern

Sein Tod ist eine Zäsur für die Familie. Gemeinsam mit ihrer Schwester und Mutter muss Austen nach Southampton umziehen und eine Phase finanzieller Unsicherheit durchstehen. Schließlich finden die drei Frauen in einem Landhaus in Chawton ein Zuhause – der Ort, an dem Austens produktivste Schaffenszeit beginnt. Zwischen 1811 und 1816 entstehen hier ihre bekanntesten Romane. Nach ihrem frühen, krankheitsbedingten Tod im Jahr 1817 wächst ihr Ruhm und überdauert die Jahrhunderte.

Die Graphic Novel liest sich aber nicht als Erfolgsgeschichte, sondern vor allem als die der beiden Schwestern Jane und Cassandra, die ein Leben lang eng verbunden blieben. Zugleich werden die historischen Umstände ihres Daseins fein nachgezeichnet: die Kriege in Europa, denen viele Männer ihrer Familie zum Opfer fielen, und die gesellschaftlichen Normen, die ihr Leben bestimmten. Als Jane Austen, die nur 41 Jahre alt wurde, mit 30 noch unverheiratet war, entschied sie, dass dies auch so bleiben sollte – der Zug war abgefahren.

Die feinen Zeichnungen von Isabel Greenberg sind in Blau- und Gelbnuancen gehalten und spiegeln den recht eintönigen Alltag Jane Austens wider. Nur ihre Fantasien – Szenen, die immer wieder aus den Erfahrungen ihres häuslichen Lebens entspringen – sind in Pink koloriert. Sie leuchten auf, unterbrechen das Normale, Gleichförmige.

Comic-Biografien haben Konjunktur

Dass Lebensgeschichten berühmter Persönlichkeiten als Comics erzählt werden, hat in den vergangenen Jahren Konjunktur. Karl Lagerfeld, Hannah Arendt oder Virginia Woolf sind nur einige der Figuren, deren Biografien inzwischen gezeichnet wurden. Häufig entstehen diese Bände – wie auch bei Jane Austen – aus der Zusammenarbeit einer Expertin und einer Illustratorin. So hat sich ein neues Subgenre der Biografie aufgetan, das sich am visuellen Geschichtenerzählen der Graphic Novel orientiert und historische Zusammenhänge zugleich leicht konsumierbar verpackt.

Das neu erschienene Jane-Austen-Projekt greift zudem auf, worum es in der heutigen Rezeption ihres Werks besonders oft geht. Sie wird nicht nur als Schöpferin von Liebeswirrungen gelesen, sondern besonders unter ihren zeitlichen und gesellschaftlichen Umständen als schreibende Frau des 18. und 19. Jahrhunderts. Haben es Autorinnen, die romantische Romane verfassen, schon in der Gegenwart oft schwer, ernst genommen zu werden, galt das vor 200 Jahren umso mehr.

Bis heute wird Austens Werk ambivalent betrachtet: Die einen verehren sie, für die anderen sind ihre Romane bloße Boy-meets-Girl-Geschichten vergangener Zeiten. Doch die Autorin schrieb auch über Klasse und Gesellschaft, über die Zwänge, die vor allem junge Frauen betrafen – und zeichnete damit ein Bild des alltäglichen Lebens in einer Zeit, in der Frauen kaum öffentlich eine Stimme hatten. 

Auch sie selbst veröffentlichte ihre Bücher nur unter dem vagen Urheberhinweis "by a woman". Doch in ihrer Literatur gab sie weiblichen Perspektiven einen Raum. Um es mit Austens eigenen Worten zu sagen: "Gib einem Mädchen Bildung und führe sie ordentlich in die Welt ein und die Chancen stehen zehn zu eins, dass sie in der Lage sein wird, sich ohne weitere Zuwendungen von jemand anderem zu behaupten."