"Kunst und Leben"-Podcast

Wie lässt sich ein anderes Jetzt denken?

Wie sähe eine Gegenwart jenseits von Krisen und eingefahrenen Routinen aus? Im "Kunst und Leben"-Podcast sprechen wir mit den Kuratorinnen der Ausstellung "Das Gegenteil von Jetzt" im Jüdischen Museum Berlin über Utopie und die Kraft, sich etwas anderes vorzustellen

"Das Gegenteil von Jetzt" – der Titel der Jubiläumsausstellung im Jüdischen Museum Berlin klingt zunächst wie ein Rätsel. Und genau das soll er auch sein. "Es ist gut, wenn man stolpert", sagt Ko-Kuratorin Julia Friedrich in einer neuen Folge des Monopol-Podcasts "Kunst und Leben". Denn die Ausstellung sucht angesichts von Krisen und Kriegen nicht nach fertigen Antworten, sondern nach neuen Wegen des Denkens.

Für die Ausstellung haben zwölf Künstlerinnen und Künstler Arbeiten entwickelt, die sich mit der Frage beschäftigen, wie eine andere Gegenwart möglich werden könnte. Dazu gehören Yael Bartana, Andrea Büttner, Ari Benjamin Meyers und Alexander Kluge. Ausgangspunkt war ein Gespräch von Ernst Bloch und Theodor W. Adorno aus dem Jahr 1964 über die "Möglichkeiten der Utopie heute".

"Wir suchen die Möglichkeit, aus dieser Starre, in der wir uns gerade befinden, rauszukommen und neue Schneisen zu schlagen", sagt Co-Kuratorin Shelley Harten. Wie schwierig das ist, zeigt Adornos Bild vom "inneren Polizisten", der utopische Gedanken sofort niederknüppelt. Die Ausstellung will diesem unflexiblen Beamten etwas entgegensetzen: Vorstellungskraft.

"Es ist schon da, aber noch nicht fertig"

Im Gespräch geht es um Ari Benjamin Meyers' "Chor der Zeitastronauten", um Andrea Büttners geheimnisvolle, spiegelverkehrte Bloch-Zitate in Holzschnitten und um Alexander Kluges Auseinandersetzung mit der "schwachen messianischen Kraft". Es geht um Musik als Abfolge von "Jetzt"-Momenten, um die Idee, dass die Utopie bereits im Jetzt angelegt sein könnte – und um die jüdische Vorstellung der Umkehr als Möglichkeit, einen neuen Weg einzuschlagen.

"Es ist schon da, aber noch nicht fertig", sagt Julia Friedrich über Blochs Denken. Vielleicht liegt genau darin die Hoffnung dieser Ausstellung: den Mut zu entwickeln, sich überhaupt eine andere Welt vorzustellen.

Der Monopol-Podcast "Kunst und Leben“, moderiert von Sara-Marie Plekat ist eine Kooperation von Monopol und Detektor.FM. Jetzt reinhören – überall, wo es Podcasts gibt. Die aktuelle Folge finden Sie auch direkt hier: