Moderiert von Monopol-Chefredakteurin Elke Buhr entfaltet sich in dem Livepodcast im Rahmen der Lunch-Talk-Serie "Zukunft & Zeitgeist" der BMW Foundation in Berlin ein vielschichtiger Dialog zwischen Kunst, Wissenschaft und Politik. Von Bismarck stellt dabei gängige Denkmuster infrage: "Umweltschutz probiert, etwas Existierendes zu beschützen", sagt er, genauso wie Politik, die versuche, "unsere bisherige Lebensart zu schützen". Dieses konservative Festhalten führe laut wissenschaftlichem Konsens "zur absoluten Katastrophe". Seine Schlussfolgerung ist radikal: "Eigentlich müsste man das ganze Wort abschaffen", sagt er über den Begriff Natur – um ein neues Verhältnis zur Welt denken zu können. Der Künstler beschreibt eindrücklich prägende Erfahrungen existenzieller Bedrohung, etwa auf dem Meer: "Ich habe jede Welle angeguckt … und überlegt: Ist das jetzt die Welle, die mein Leben beendet?" – Momente, die sein künstlerisches Arbeiten bis heute prägen.
Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, setzt dem keine einfache Gegenposition entgegen, sondern betont die Unsicherheit politischer Prozesse: "So wie es immer war, das verändert sich. Wohin die Reise da geht, das kann noch niemand sagen." Gerade deshalb müsse man "mehr auf Zusammenhänge schauen" und offen für Entwicklung bleiben. Klimapolitik sei zwar "Zukunftspolitik", stoße aber auf Widerstände – auch, weil viele Menschen sie als "sehr abstrakt" erleben, während ihre eigenen existenziellen Sorgen im Vordergrund stehen.
Im weiteren Verlauf weitet sich das Gespräch: auf globale Ungleichheiten, kulturell unterschiedliche Naturverhältnisse und die Frage, wie sich Unsichtbares wie CO₂ überhaupt vermitteln lässt. Von Bismarck argumentiert, dass tiefgreifender Wandel möglich sei – schließlich seien Menschen auch bereit, für unsichtbare Glaubenssysteme enorme Opfer zu bringen.
Der Wandel wird konfliktreich
Auch technologische Zukunftsfragen spielen hinein. Beide sehen in künstlicher Intelligenz enorme Chancen, aber auch Risiken – von medizinischem Fortschritt bis hin zu geopolitischen Machtverschiebungen. Für die Politikerin ist klar: Politik müsse stärker "Zusammenhänge erkennen" und neue Entwicklungen aktiv begleiten.
Immer wieder kreist das Gespräch um ein Spannungsfeld: Innovation versus Verzicht, Fortschritt versus "Exnovation", also das bewusste Abschaffen alter Systeme. Klar ist: Der Wandel wird konfliktreich, möglicherweise schmerzhaft – und er betrifft alle Ebenen der Gesellschaft.
Am Ende verdichtet sich der Dialog zu einer gemeinsamen Einsicht: Transformation gelingt nur gemeinsam. "Wir brauchen mehr Austausch, mehr Zuhören", heißt es programmatisch. Oder anders gesagt: Ohne neue Bilder, neue Begriffe – und neue Formen des Miteinanders – lässt sich die Zukunft nicht gestalten.
"Kunst und Leben" ist ein Monopol-Podcast in Kooperation mit Detektor.FM und wird von Sara-Marie Plekat moderiert. Zweimal im Monat geht es um alles, was die Kunstwelt bewegt – von Künstlerinnen und Kuratoren bis hin zu politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Jetzt reinhören – überall, wo es Podcasts gibt. Die aktuelle Folge finden Sie auch direkt hier: