Kate Moss auf der Gucci-Show

Ein Arschgeweih von Lucian Freud

Zwei Schwalben am unteren Rücken von Kate Moss, gestochen von Lucian Freud: Mit String und echten Diamanten bekam kürzlich das wohl kostbarste Arschgeweih der Welt auf dem Gucci-Laufsteg einen würdigen Rahmen. Endlich!

Als Kate Moss jüngst auf der Mailänder Modewoche für Gucci über den Runway lief, sah die Welt zwei tätowierte Schwälbchen über dem Steiß des Models flattern. Den intimen Einblick möglich machte ein Abendkleid mit ultratiefem Rückenausschnitt und Stringtanga-Detail – ein ästhetischer Moment, der verdächtig an eine modische Verirrung der ausgehenden 1990er-Jahre erinnerte. Damals lagen tiefsitzende Jeans, hervorschauende Unterwäsche und dermale Gravuren über dem Po im Trend. Die ob ihrer Position spöttisch als "Arschgeweih" bezeichneten Tätowierungen sind bis heute nicht salonfähig.

Aber Demna, Ex-Balenciaga- und neuer Gucci-Chefdesigner, liebt es, Prekäres in die Welt der Luxusmode einzuschleusen. In diesem Wissen hätten die ausgeblichenen Vögel auf Moss' Rücken durchaus ein aufgemalter Gag sein können, ein frivoler Gegenpol zum teuren Kleid mit dem zehnkarätig diamantbesetzten Gucci-Logo sozusagen. Kenner jedoch wussten: Das Arschgeweih von Kate Moss ist echt. Und mehr noch – es ist ein echtes Kunstwerk! Kein Geringerer nämlich als der geniale Maler Lucian Freud stach ihr einst die Vögel auf die Lenden. Freud, der sich das Tätowieren in seiner Jugend selbst beigebracht hatte und während seiner Zeit bei der Marine die Haut zahlreicher Matrosen verzierte, soll dem Model das Tattoo sogar selbst vorgeschlagen haben.

Als Freud 2002 die mit Tochter Lila Grace schwangere Moss in seinem Londoner Atelier porträtierte, entwickelte sich während der monatelangen Malsession eine tiefe Verbindung zwischen dem Künstler und seinem Modell. Und dann geschah es, dass Freud eines schönen Tages den Pinsel zur Seite legte, um zur Nadel zu greifen. Moss sprach erst viele Jahre später und nach dem Tod des Freundes in der Öffentlichkeit darüber. Es schien, als habe sie das Tattoo, das sie auf so außergewöhnliche Weise mit Freud verband, zu dessen Lebzeiten als Geheimnis bewahren wollen.

Schwalben statt Huhn

Gegenüber der "Vanity Fair" erklärte sie, Freud habe ihr mögliche Motive gezeigt und zunächst ein Huhn vorschlagen, das kopfüber in einem Eimer steckte. Moss lehnte ab und entschied sich stattdessen für zwei Schwalben. Damals waren Tattoos für ein Supermodel ein echtes Wagnis, denn auf den Shows großer Modemarken waren sie tabu. Bei vielen Labels ist das bis heute so. Demna ist wahrscheinlich der erste Kreativdirektor, der das Arschgeweih von Kate Moss auf einer Show so exponiert in Szene setzte.

Das freudsche Ölgemälde, das damals von Kate Moss entstand und als "Naked Portrait 2002" in die Geschichte einging, kam übrigens schon am 9. Februar 2005 für 3.928.000 Britische Pfund bei Christie's unter den Hammer. Das Tattoo ist darauf nicht zu sehen, da das Model für das Bild auf dem Rücken lag. Moss scherzte bereits über den mutmaßlichen Wert ihrer Körperkunst, die heute sicher wie viele Werke Freuds, einige Millionen wert sein dürfte.