Kochkolumne von Mohamed Amjahid

Betreutes Trinken und Teewurst im Ranzen

Eltern klagen gegen vegetarisches Schulessen. Ihre Kinder sollen weiter Wurstbrote mampfen und Bier trinken dürfen. Unser Kolumnist findet das absurd – und bietet Caprese-Sandwiches als Alternative

Vor kurzem haben Eltern eine Schule verklagt, weil sie in der dortigen Kantine vorwiegend vegetarische und vegane Gerichte serviert. Nur ein Fleischgericht pro Woche reichte den Eltern nicht. Sie befürchteten, dass ihrem Kind "Mangelernährung" drohe. Weil das wissenschaftlich gesehen Nonsens ist und es jedem offensteht, dem Nachwuchs eine Teewurst in den Ranzen zu packen, wies das Verwaltungsgericht Freiburg den Eilantrag der Eltern ab. 

Der Fall hat mich ins Grübeln gebracht. Meine Eltern haben sich in meinem Frankfurter Kindergarten gar nicht erst getraut zu sagen, dass ihre Kinder kein Schwein essen sollten. Meine Mutter meinte damals nur zu mir: Du kannst die Salami einfach von der Pizza abmachen und "Bismillah" (im Namen Allahs) sagen. 

Eltern sein, die eigenen Überzeugungen auf die Kinder übertragen und sich dabei nicht unbeliebt oder lächerlich machen, das ist schon schwer, manchmal ein Balanceakt. Deswegen habe ich keine Kinder, das ist eine effektive Lösung. Auch, weil die Ernährung des Nachwuchses ja an sich eine hochemotionale Sache zu sein scheint. 

Starkbier aus der Nuckelflasche

In Deutschland gibt es eine sehr spezifische gastropolitische, ja religiöse Praxis, die mich immer wieder staunen lässt: das betreute Trinken. In Begleitung einer sorgeberechtigten Person dürfen Jugendliche in Deutschland schon ab 14 Jahren Bier, Wein oder Sekt saufen. Ist das nicht absurd? Dem eigenen Kind eine Droge in den Körper zu schütten? 

In den USA habe ich erlebt, was eine Quasi-Prohibition für junge Erwachsene bis 21 Jahre bedeutet: Ausnahmezustand, wenn sie mal unvorbereitet und heimlich trinken. Aber Kindern gleich Starkbier verabreichen? Sind Minderjährige in deutschen Haushalten, auf Familienfesten und in Biergärten überhaupt sicher? Damit sollte sich mal ein Gericht im Eilverfahren beschäftigen.

Dieses frühsommerliche Caprese-Sandwich können Erwachsene mit einem samtigen Rotwein genießen, Kinder mit einer spritzigen Apfelschorle: Ein gutes Vollkornbrot in Scheiben schneiden und auf beiden Seiten in etwas Olivenöl anbraten. In der Pfanne dann die Sandwiches schichten: eine Scheibe Mozzarella, Tomatenscheiben, eine Scheibe Pfirsich für den fruchtigen Kick, frische Basilikum-Blätter. Noch mal ein bisschen Olivenöl und etwas Honig drauf träufeln. Mit dem Vollkornbrot-Deckel abschließen und den Käse leicht schmelzen lassen. Man kann einen Holzspieß nutzen, um das Sandwich zu stabilisieren. Muss aber nicht sein. Mit selbstgemachten Dips nach Wahl, zum Beispiel einem cremigen Frischkäse mit Olivenöl, Kräutern oder Paprika servieren. Das Sandwich ist auch als vegetarisches Gericht für die Schulkantine geeignet.