Kochkolumne von Mohamed Amjahid

Mit Gurkensalat gegen die Gastro-Lobby

Die neue deutsche Regierung will die Gastronomie durch eine Senkung der Mehrwertsteuer entlasten. Davon wird aber besonders der Fastfood-Gigant McDonald's profitieren. Günstiger und viel gesünder ist Widerstand durch Gurkensalat

Bei steigenden Preisen verzichten viele Menschen auf das, was sie als Luxus empfinden. Dazu gehören laut Umfragen oft Besuche im Restaurant. Mehr als die Hälfte aller Verbraucher:innen in Deutschland überlegt sich gründlich, ob sie auswärts, und damit oft teuer, essen geht. Die deutsche Genuss-Zurückhaltung wiederum macht der Gastronomie, neben dem Fachkräftemangel, steigenden Produktionskosten und Mieten, große Sorgen. 

Da klingt es nachvollziehbar, dass die neue Regierung aus Union und SPD gastronomischen Betrieben unter die Arme greifen möchte. Immerhin machen es andere Länder in Europa vor: In Frankreich werden Erzeuger, Restaurants, Kantinen und Haute Cuisine zum Beispiel mit mehr als 50 Milliarden Euro pro Jahr subventioniert. In Berlin hat sich die neue Koalition darauf verständigt, die Mehrwertsteuer in der Gastronomie ab 2026 von 19 auf sieben Prozent zu senken. Das kostet die Steuerzahlenden immerhin vier Milliarden Euro pro Jahr. Bei klammen Kassen ist das enorm viel Geld. 

Laut einer Kalkulation der Nichtregierungsorganisation Foodwatch profitiert aber allein der US-Fastfood-Gigant McDonald’s mit rund 140 Millionen Euro von dieser Mehrwertsteuerreform. Expert:innen schätzen, dass für Endverbraucher:innen sinkende Preise dennoch eine Ausnahme bleiben werden. Die meisten Betriebe werden demnach die Mehreinnahmen einbehalten. Es stellt sich also die Frage: Warum wird ausgerechnet McDonald’s, wo es gratis zum Happy Meal Diabetes Typ 2 gibt, mit so vielen Millionen subventioniert? Warum bekommt ausgerechnet die ungesunde Systemgastronomie und Fast-Food-Branche eine Extraportion aufgetischt? 

Burger und Pommes - mit einer Prise Geld 

Die Liebe zwischen CDU und McDonald’s ist sehr alt. Schon 1989 sponserte der US-Konzern das Catering auf einem Parteitag der Christdemokraten in Bremen. Damals wurde für Helmut Kohl sogar ein größerer "Big Mac Royal" entwickelt. 

Ein Bild zeigt den damaligen Bundeskanzler glücklich mit seiner Frau Hannelore, einem Burger und Pommes.  Die "Taz" berichtete, dass der Verfassungsschutz damals dafür sorgte, dass die CDU-Delegierten am McDonald’s-Stand nicht von Ausländern bedient wurden. Kapitalismus als Beilage zum erzkonservativen Rassismus der Union, auch bei nachfolgenden Parteitagen ein verlässliches Kombi-Menü. 

Heute schmeckt die geplante Mehrwertsteuersenkung nach einem großen Gastrolobbytriumph. Im Bundestagswahlkampf tauchte Friedrich Merz auf einem Bild mit einem fettigen Big Mac auf. Zunächst dachten viele, Merz habe schlicht Futterneid gegenüber dem hauptberuflichen Food-Influencer Markus Söder entwickelt

Frisch und trotzdem fast 

Doch hinter der Fastfood-Liebe des ehemaligen Blackrock-Mitarbeiters scheint mehr zu stecken: McDonald’s sponserte beim Parteitag der CDU im vergangenen Jahr die Verpflegung der Delegierten mit Kaffee und süßen Teilchen aus der Massenproduktion. Im McCafé konnten die Unionsmitglieder nach der Krönung von Merz als Kanzlerkandidat feiern: Gut angelegtes Trinkgeld für den US-Konzern. 

Viel günstiger und gesünder als das Koalitionsmenü von CDU, CSU, SPD und McDonald’s ist dieser Gurkensalat: Eine Gurke gründlich waschen und in kleine Stücke schneiden, dünne Scheiben oder geviertelte Streifen, das ist jedem selbst überlassen. In eine Schüssel geben und mit Salz bestreuen, damit sie etwas Wasser ziehen. 

Nach zehn Minuten die Gurken abtropfen lassen und gründlich mit einem Küchentuch oder Küchenpapier abtupfen. In einer Frischhaltedose 2 EL Reisessig, 1 EL Zucker, 1 gehackte Knoblauchzehe, 2 EL Sesamöl und etwas Pfeffer zu einer Vinaigrette vermengen, die Gurken hinzufügen. Deckel drauf und gut durchschütteln. 

Die Gurke hat den gleichen Mehrwertsteuersatz wie der Big Mac

Knuspriges Chili-Öl gibt es im asiatischen Supermarkt fertig zu kaufen, man kann es aber auch leicht selbst herstellen: etwas neutrales Öl in einer Pfanne erhitzen, Chili, klein gehackten Ingwer, Sichuan-Pfeffer, fein gewürfelten Knoblauch, Sternanis, eine Zimtstange, dünn geschnittenen Lauch und etwas Sesam anbraten. Das knusprige Chili-Öl hält sich in einem desinfizierten Einmachglas einige Wochen. 3 EL vom Chili-Öl in die Dose mit der Gurken hinzufügen und nochmal gut durchschütteln. Den Gurkensalat mindestens eine Stunde im Kühlschrank ziehen lassen und als Beilage oder Snack servieren. 

Kleine Pointe zum Schluss: Auf die Gurke gilt bald derselbe Steuersatz von sieben Prozent – wie auf einen Big Mac. Gesünder wäre es, wenn auf Gurken und andere frische Grundnahrungsmittel für eine ausgewogene Ernährung gar keine Mehrwertsteuer erhoben würde. Zusammen mit einer effektiven Preisaufsicht für Nahrungsmittel könnte das die beste Reform überhaupt werden. Sie wäre gut für Restaurants und Verbraucher:innen zugleich. Selbst McDonald’s würde davon profitieren - und damit auch Friedrich Merz glücklich und satt machen.