Vorwürfe gegen Galeristen

König Galerie und Künstlerin Bonvicini gehen getrennte Wege

 Monica Bonvicini steht vor der Eröffnung der Ausstellung "1914/1918 - Not Then, Not Now, Not Never" in der Abgeordnetenlobby des Reichstagsgebäudes neben ihrem Kunstwerk "Cut, Cut, not Paste"
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Monica Bonvicini 2020 vor der Eröffnung der Ausstellung "1914/1918 - Not Then, Not Now, Not Never" in der Abgeordnetenlobby des Reichstagsgebäudes neben ihrem Kunstwerk "Cut, Cut, not Paste"

Monica Bonvicini wird nicht mehr von der Berliner König Galerie vertreten. Die Künstlerin war unter Druck geraten, weil sie nach den Vorwürfen gegen den Galeristen Johann König die Zusammenarbeit bislang nur pausiert hatte

"Wir haben uns zu diesem Schritt entschieden, um Monica Bonvicini zu schützen, die aktuell erheblichen Anfeindungen ausgesetzt ist, die sie als Person, ihre Arbeit und die bevorstehende Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie, die ohne finanzielle Unterstützung von uns realisiert wird, betreffen", heißt es zur Begründung in einer Mitteilung vom Freitag.

Anfang November hatte die Künstlerin auf Monopol-Anfrage mitgeteilt, dass die Zusammenarbeit pausiere, "bis die Vorwürfe, die gegen Johann König erhoben wurden, geklärt sind". Auf der Website der König Galerie war zwischenzeitlich das Künstlerinnenprofil Bonvicinis zwar noch gelistet, ließ sich aber nicht aufrufen. 

Ende August war ein Artikel in der Wochenzeitung " Die Zeit" erschienen, in dem mehrere Frauen Johann König teils anonym übergriffiges Verhalten und sexuelle Belästigung vorwerfen. Der Galerist bestreitet die Anschuldigungen. Am 21. Oktober hat der 41-Jährige beim Landgericht Hamburg einen Beschluss bewirkt, dass einige Passagen des Artikels nicht mehr verbreitet werden dürfen.

Zum Ende der Repräsentation von Bonvivini hieß es nun aus der Galerie: "Wir halten dies für den richtigen Schritt angesichts der anhaltenden Gerüchte und der Reaktionen in den sozialen Medien, deren Natur es ist, dass wir sie nicht widerlegen und ihnen nur eingeschränkt begegnen können. Richtig ist aber, dass es aktuell gegen Johann König nicht ein einziges Ermittlungs- und auch kein gerichtliches Verfahren, weder zivil- noch strafrechtlich, gibt."

Erst am Dienstag veröffentlichte Soup du Jour, ein anonymes feminstisches Kollektiv aus Berlin, in den sozialen Netzwerken einen offenen Brief an Monica Bonvicini und bat darin um eine Klärung des Verhältnisses der Künstlerin zur König Galerie.

Die gebürtige Italienerin Monica Bonvicini gehört zu den bekanntesten zeitgenössischen Künstlerinnen Europas und wurde unter anderem mit dem Goldenen Löwen der Venedig-Biennale (1999) und dem Preis der Nationalgelerie (2005) ausgezeichnet. In ihren Werken geht es auch immer wieder um Machtmissbrauch und Geschlechterrollen. Ende November eröffnet ihre Ausstellung "I Do You" in der Neuen Nationalgalerie in Berlin.

"Wir stehen hinter Monica Bonvicini und ihrem Werk und halten sie für eine der wichtigsten künstlerischen Positionen", heißt es von der König Galerie.