Köpfe 2021

Von wem wir in diesem Jahr noch hören werden

Die Architekturbiennale in Venedig wird 2021 von Hashim Sarkis kuratiert

Die Architekturbiennale in Venedig wird 2021 von Hashim Sarkis kuratiert

Wer wird in diesem Jahr neue Ämter bekleiden, über wen wird der Kunstbetrieb sprechen? Ein Überblick über die wichtigsten Personalien 2021

Heinz Bude, Gründungsdirektor des Documenta-Instituts

Im August 2020 wurde Heinz Bude offiziell als Gründungsdirektor des Documenta-Instituts in Kassel vorgestellt. Berufen wurde der 1954 in Wuppertal geborene Soziologe von Vertretern des Landes Hessen, der Stadt und der Kunsthochschule Kassel sowie der Documenta und Museum Fridericianum gGmbH. Bude unterrichtet seit 2000 Makrosoziologie an der Universität Kassel.

Das Documenta-Institut, über dessen Standort in Kassel noch gestritten wird, soll ein unabhängiges Forschungsinstitut werden. Zunächst wird es jedoch unter dem Dach der Documenta gegründet, erst mittelfristig soll es als eigenständige Einrichtung fortgeführt werden. 24 Millionen Euro stehen für ein Institutsgebäude in Kassel zur Verfügung. Einen Termin für den Baustart gibt es noch nicht. Eine Grundlage für seine Arbeit hat das Documenta-Institut jedoch bereits: Ausgangspunkt sind die Bestände des Documenta-Archivs. Laut der Documenta sollen am neuen Institut auch die Verstrickungen der frühen Weltkunstschau mit der NS-Zeit untersucht werden.

Am bisher bekannten Konzept des Kasseler Instituts gab es jedoch auch Kritik. So wurden Bedenken geäußert, dass die Internationalität der Documenta nicht genügend abgebildet und die Disziplin der Kunstwissenschaft zu wenig einbezogen werden könnte.    

Heinz Bude 2018 auf der Leipziger Buchmesse
Foto: Heike Huslage-Koch / Creative Commons

Heinz Bude 2018 auf der Leipziger Buchmesse

 

Nicole Lamotte, neue Vorsitzende des Bremer Kunstvereins

Nicole Lamotte will als neue Vorsitzende des Bremer Kunstvereins den von Kunsthallen-Direktor Christoph Grunenberg "eingeschlagenen Weg, in ambitionierten Ausstellungen hochkarätige Kunst zu zeigen, Werke nach aktuellen gesellschaftlichen Themen zu befragen und gleichzeitig Publikumsgruppen anzusprechen, die bisher noch nicht den Weg ins Museum gefunden haben" weiter unterstützen. Ihr Ziel sei es, "nicht nur das Durchschnittsalter der Museumsbesucher*innen, sondern auch das der Kunstverein-Mitglieder zu senken und jüngere Altersgruppen an die Kunsthalle Bremen zu binden". Dazu soll vor allem ein Ausbau der digitalen Angebote dienen.

Nicole Lamotte ist seit Oktober 2020 neue Vorsitzerin des Bremer Kunstvereins
Foto: Kunstverein in Bremen

Nicole Lamotte ist seit Oktober 2020 neue Vorsitzerin des Bremer Kunstvereins


Birgitta Coers, neue Direktorin des Documenta-Archivs

Seit Oktober leitet die Kunsthistorikerin Birgitta Coers die Einrichtung in Kassel. "Als Direktorin des Documenta-Archivs ist es mir ein Anliegen, die außergewöhnlichen Bestände mit Blick auf die digitalen Herausforderungen wissenschaftlich aufzubereiten und international sichtbar zu machen", sagte Coers. Das 1961 gegründete Archiv verwahrt rund 1,4 Millionen schriftliche, bildliche und elektronische Dokumente über die weltweit wichtigste Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Die nächste Documenta findet 2022 statt.

Coers wurde 1970 geboren und erarbeitete zuletzt als wissenschaftliche Archivarin im Landesarchiv Baden-Württemberg. Coers' wissenschaftliche Schwerpunkte liegen in der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, auf kulturellen und politischen Netzwerken zwischen Ost und West nach 1945, Ausstellungs- und Institutionengeschichte.

Die neue Leiterin des Documenta-Archivs, Birgitta Coers
Foto: Fotofabrik Stuttgart

Die neue Leiterin des Documenta-Archivs, Birgitta Coers


Adam Budak wird neuer Direktor der Kestner Gesellschaft

Der 54-Jährige kommt von der Nationalgalerie in Prag, wo er als künstlerischer Direktor arbeitete. Er tritt die Nachfolge von Christina Végh an, die zur Kunsthalle Bielefeld gewechselt ist. "Mit Adam Budak gewinnt die Kestner Gesellschaft einen hervorragenden, international agierenden Experten für zeitgenössische Kunst", hieß es zur Begründung von Hinrich Holm, dem ersten Vorsitzendenden der Kestner Gesellschaft. "Seine langjährige Erfahrung als Direktor und seine visionären Ideen sind die idealen Voraussetzungen für diese Position. Wir sind davon überzeugt, dass Adam Budak neue Impulse für die Zukunft setzen und das Profil des Hauses weiter schärfen wird."

Adam Budak
Courtesy Kestner Gesellschaft

Adam Budak


Dessauer Bauhaus-Chefin Claudia Perren wechselt nach Basel

Sie war die erste Frau an der Spitze des Bauhauses und hat das Jubiläum der Architektur- und Designschmiede maßgeblich mitgestaltet. Und sie hat ein Museum gebaut. Jetzt sucht Claudia Perren neue Aufgaben und hat nach sechs Jahren die Stiftung Bauhaus Dessau verlassen. Sie ist seit August 2020 Direktorin der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel. Die Suche nach einem Ersatz für Perren am Bauhaus-Archiv blieb bisher erfolglos.

Claudia Perren, Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau, zieht nach Basel
Foto: dpa

Claudia Perren, Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau, zieht nach Basel


Stefan Weppelmann, neuer Leiter des MdbK in Leipzig

Der Kunsthistoriker Stefan Weppelmann übernimmt zum Jahresbeginn die Leitung des Leipziger Museums der bildenden Künste (MdbK). Der 1970 im nordrhein-westfälischen Dülmen geborenen Weppelmann war vorher Direktor der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums Wien. Sein Vorgänger Alfred Weidinger wechselte Anfang 2020 ans Oberösterreichische Landesmuseum in Linz.


Yilmaz Dziewior kuratiert deutschen Pavillon

Der Direktor des Museum Ludwig in Köln, Yilmaz Dziewior, betreut die künstlerische Gestaltung des deutschen Pavillons für die auf 2022 verschobene Kunstbiennale in Venedig. Der 55 Jahre alte Kunsthistoriker ist seit 2015 Direktor des Museum Ludwig in Köln. Zuvor leitete er den Kunstverein Hamburg (2001-2008) und das Kunsthaus Bregenz (2009–2015). Seine Aufgabe für Venedig wird es sein, einzelne Künstlerinnen und Künstler oder eine Gruppe für die Biennale zu gewinnen und die Gestaltung des deutschen Pavillons zu betreuen.

Yilmaz Dziewior
Foto: Albrecht Fuchs, courtesy Museum Ludwig

Yilmaz Dziewior


Kunsthalle und Kunstmuseum Bremerhaven haben neue Direktorin

Stefanie Kleefeld, seit 2012 Leiterin der Halle für Kunst Lüneburg, wird zum 1. Februar neue Direktorin der Kunsthalle und des Kunstmuseums Bremerhaven. Kleefeld hat Kunstgeschichte und Kulturwissenschaften studiert. Von 2007 bis 2010 war sie Redakteurin der Fachzeitschrift "Texte zur Kunst", danach am Migros Museum für Gegenwartskunst in Zürich tätig.


Christoph Wiesner leitet Fotofestival in Arles

Der Deutsche Christoph Wiesner ist seit September Leiter der internationalen Rencontres de la Photographie in Arles. Er wechselte von der weltgrößten Fotomesse Paris Photo, die er seit 2015 geleitet hatte. Wiesner wurde 1965 in Gemünden am Main geboren und wuchs in Frankreich auf. In Paris studierte er Museologie an der Ecole du Louvre. Er arbeitete seit den 90er-Jahren für Galerien in Deutschland und Frankreich. Unter anderem war er Direktor der Berliner Galerie Esther Schipper. 

Er trat die Nachfolge von Sam Stourdzé an, der Direkor der Villa Médici in Rom wird. Das Fotofestival im südfranzösischen Arles ist weltweit das größte seiner Art. Wegen der Corona-Krise wurde die 51. Ausgabe 2020 abgesagt, die vom 29. Juni bis 20. September hätte stattfinden sollen. Die nächste Ausgabe ist ab dem 5. Juli geplant.

Christoph Wiesner
Foto: Jérémie Bouillon

Christoph Wiesner


Hashim Sarkis kuratiert Architekturbiennale in Venedig

Die 17. Ausgabe der Architekturbiennale in Venedig soll vom libanesischen Architekten Hashim Sarkis kuratiert werden. Diese Meldung gab es auch schon Anfang 2020 zu lesen, doch das Großevent wurde wegen der Corona-Pandemie auf 2021 verschoben und soll nun am 22. März beginnen.

"Die Welt stellt neue Herausforderungen an die Architektur", sagt Sarkis. Er könne es nicht erwarten, mit Architekten aus aller Welt zusammenzuarbeiten, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Sarkis leitet ein Architekturbüro mit Sitz in den USA und im Libanon und lehrte an verschiedenen Universitäten. 2016 saß er in der Jury der Architekturbiennale. Die Schau unter seiner Leitung soll Stand jetzt bis zum 21. November laufen. Die Kunstbiennale, die eigentlich in diesem Jahr stattfinden sollte, folgt dann im Frühjahr 2022.

Die Architekturbiennale in Venedig wird 2021 von Hashim Sarkis kuratiert

Die Architekturbiennale in Venedig wird 2021 von Hashim Sarkis kuratiert


Team-Zuwachs in den KW 

Das Team des KW Institute for Contemporary Art in Berlin hat Zuwachs bekommen. Vier neue Mitglieder sollen sich zentralen Fragen der Gegenwart widmen. Kathrin Bentele und Léon Kruijswijk wurden im vergangenen Jahr zu Assistenzkuratoren ernannt, Clémentine Deliss ist nun assoziierte Kuratorin und Nadim Samman Kurator für den digitalen Raum. Die vier Neuzugänge sollen neben Chefkurator und Direktor Krist Gruijthuijsen und dem kuratorischen Team aus Anna Gritz und Mason Leaver-Yap das Programm der KW gestalten und mit internationalen Diskursen verknüpfen.

Vier neue Kuratorinnen und Kuratoren für die KW: Kathrin Bentele, Léon Kruijswijk, Dr. Clémentine Deliss und Nadim Samman
Foto: KW Institute for Contemporary Art

Vier neue Kuratorinnen und Kuratoren für die KW: Kathrin Bentele, Léon Kruijswijk, Dr. Clémentine Deliss und Nadim Samman


Ruangrupa wollen die Documenta schon beginnen lassen

Die kommende Documenta eröffnet zwar erst im Sommer 2022, das Kuratorenteam von Ruangrupa will jedoch nicht bis zum nächsten Jahr warten und die D15 ganz soft mit dem "Lumbung"-Prinzip beginnen lassen, das eine interaktive Plattform für kulturelllen Austausch sein soll. Das "Ruru"-Haus in Kassel ist frisch bemalt und soll so etwas wie ein Headquarter des Austauschs mit Künstlerinnen und Bürgern sein. Bisher hat Corona die Veranstaltungs- und Zusammenkunfts-Pläne eingefroren. 2021 kann man auf Auftauen hoffen. 

Foto: Gudskul / Jin Panji
Foto: Gudskul / Jin Panji
Ruangrupa, 2019: Ajeng Nurul Aini, Farid Rakun, Iswanto Hartono, Mirwan Andan, , Indra Ameng, Ade Darmawan, Daniella Fitria Praptono, Julia Sarisetiati, Reza Afisina


Bonaventure Soh Bejeng Ndikung kuratiert Soonsbeek

Auch diese Meldung stand schon im vergangenen Jahr an dieser Stelle. Doch der Berliner Kurator Bonaventure Soh Bejeng Ndikung hat den Beginn der Ausstellung im niederländischen Soonsbeek wegen der Pandemie ins neue Jahr verschoben. Unter dem Titel "Force Times Distance – On Labour and its Sonic Ecologies" soll es nun im April losgehen. Außerdem wurden neue Kooperationen mit dem Stedelijk Museum in Amsterdam und dem Centraal Museum in Utrecht angekündigt. 

Bonaventure Soh Bejeng Ndikung ist Gründer des Berliner Projektraums Savvy Contemporary (seit 2009), der sich als Ideenlabor in einer Kontaktzone von westlichen und nicht-westlichen Kulturen versteht. Ndikung wurde 1977 in Yaoundé in Kamerun geboren und promovierte im Fach Lebensmittelbiotechnologie in Berlin. Er arbeitete an Projekten des Goethe-Instituts, des Instituts für Auslandsbeziehungen und des Kunstraums Kreuzberg Bethanien. 2015 wurde er von Adam Szymczyk als beratender Kurator der Documenta 14 berufen. Ende 2020 bekam er den Verdienstorden des Landes Berlin.

Die Ausstellung im Sonsbeek-Park wurde 1949 initiiert, um Arnheim über die Kriegsschäden hinwegzuhelfen. Seither zeigte die Ausstellung in der niederländischen Stadt alle drei Jahre Kunst im öffentlichen Raum, seit 2016 findet sie alle vier Jahre statt. Bonaventure Ndikungs Konzept sieht vor, dass die aktuelle Ausgabe bis zur nächsten Schau 2024 ausgeweitet und damit eine Kontinuität geschaffen werden soll.

Bonaventure Soh Bejeng Ndikung
Foto: Courtesy Savvy Contemporary

Bonaventure Soh Bejeng Ndikung


Mirjam Wenzel leitet das erneuerte Jüdische Museum in Frankfurt

Nur einige Tage war das runderneuerte Jüdische Museum in Frankfurt am Main im Herbst geöffnet, bevor es wieder in den Corona-Lockdown ging. Insofern dürfte das neue Konzept von Direktorin Mirjam Wenzel für die meisten Menschen eine Entdeckung für 2021 werden. Wenzel setzt auf die Gegenüberstellung von Kulturgeschichte und Gegenwart. Die erste Ausstellung "Die weibliche Seite Gottes" enthält viel Kunst und fragt nach den femininen Aspekten des Gottesbegriffes in den monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam.

Mirjam Wenzel
Foto: Courtesy Jüdisches Museum Frankfurt

Mirjam Wenzel


Carola Lentz übernimmt Goethe-Institut 

Die Ethnologin Carola Lentz ist neue Präsidentin des Goethe-Instituts. Sie löste im November 2020 den bisherigen Leiter Klaus-Dieter Lehmann ab. Lentz ist Professorin für Ethnologie an der Universität Mainz und Vizepräsidentin der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Nationalismus, Kolonialismus und Erinnerungspolitik. 

Lentz hält den Kampf gegen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus für ein zentrales Thema ihrer künftigen Arbeit. "Es ist beunruhigend, wie viel Ignoranz und Intoleranz sich breitmachen, eine stark identitäre Politik, die eine Differenz oder eine Zugehörigkeit herausgreift und diese dann massiv in den Vordergrund stellt", sagte die 66 Jahre alte Ethnologin der Deutschen Presse-Agentur zu ihrem Amtsantritt. "Das ist wirklich das Gegenteil von dem, was das Goethe-Institut bewirken will: Offenheit, Austausch, Verständigung."

Carola Lentz wird neue Präsidentin des Goethe-Instituts
Foto: Angelika Leuchter, Wissenschaftskolleg zu Berlin

Carola Lentz wird neue Präsidentin des Goethe-Instituts


Giona Nazarro wird Leiter des Filmfestivals von Locarno

Der Italiener Giona A. Nazzaro (55) wird zum Jahreswechsel neuer künstlerischer Leiter des Filmfestivals in Locarno. Die nächste Ausgabe ist für August geplant. Nazzaro leitete zuletzt die Kritikerwoche bei den Filmfestspielen in Venedig und arbeitete für Festivals in Nyon, Rotterdam und Rom. Auch in Locarno war er bereits tätig. Nazzaro wurde in Zürich geboren und studierte später deutsche und englische Literatur. Er übernehme die Aufgabe mit "großer Freude", wisse aber auch, dass es eine große Herausforderung sei. Die Filmbranche sieht er angesichts der Corona-Pandemie in einer Krise. "Wir müssen zusammenhalten. Der Film muss zusammenhalten".

Giona A. Nazzaro, künstlerischer Leiter des Locarno Filmfestivals, 2020
Foto: ©LocarnoFilmFestival

Giona A. Nazzaro, künstlerischer Leiter des Locarno Filmfestivals, 2020