Jetzt hat Wien den Salat. Erst wirft die Viennacontemporary (VC) das Handtuch, und nur wenige Tage später gibt die Spark Art Fair bekannt, dass sie in diesem Jahr pausiert. Das war genau so nicht absehbar, überrascht insgesamt aber nicht wirklich.
Die Viennacontemporary, 2015 als Nachfolgerin der 2005 gegründeten Viennafair gestartet, war von Anfang an ein Zuschussgeschäft. Bei vielen Wiener Galeristen war sie nicht unbedingt beliebt, weil ihr damaliger Eigentümer Dmitry Aksenov Russe ist. Er agierte nicht immer geschickt, litt aber vor allem am schlechten Image seiner Landsleute. Dabei scheint es ihm mit seinem kulturellen Engagement durchaus ernst zu sein. Sein Geld nahm man auch gern, nur in Verbindung mit ihm gebracht werden wollte man nicht. Hinzu kam ein Streit unter Alphamännchen zwischen ihm und Herwig Ursin, dem Betreiber der Marx-Halle, in der die Messe bis zur Corona-Pandemie stattfand.
In dieser Ausnahme-Zeit kam es zum Zerwürfnis zwischen den beiden, und Ursin hob 2021 die Spark aus der Taufe, mit dem ehemaligen Geschäftsführer der VC als Direktor. Das wagemutige Konzept mit Einzelpräsentationen in demokratisch gleich großen Ständen zu extrem günstigen Preisen schlug ein und avancierte schnell zum Liebling der Sammler, Künstler und Kuratoren. Auch die Galerien nahmen das Angebot gern an, kosteten die Schaufenster doch nicht viel.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt
Die Viennacontemporary versuchte sich zunächst an verschiedenen Orten und mit wechselndem Personal wieder zu etablieren, um schließlich vorletztes Jahr in die Messehallen zurückzuziehen, die sie 2015 verlassen hatte. Der erneute Neustart im letzten Jahr mit Direktorin Abaseh Mirvali war vielversprechend, aber immer noch defizitär. Ein Nagel zum Sarg der Veranstaltung dürfte die über Jahre kakophonische Begleitung der lokalen Presse gewesen sein, die zusammen mit der lavierenden Haltung der Politik und der wirtschaftlichen Schieflage des Betreibers das Schicksal der Messe besiegelte.
Just, als der Spark mit der VC der Sparringspartner abhandenkam, wird jetzt auch bei ihr der Stecker gezogen. Vorläufig zumindest. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Allerdings erinnert das stark an den "Kölner Zeitungskrieg" um die Jahrtausendwende. Damals machte der dominante lokale Presseverlag dem Anbieter einer gratis verteilten Tageszeitung mit einem ebenfalls kostenlosen Produkt das Leben schwer. Als der "Eindringling" schließlich entnervt das Handtuch warf, stampften auch die Kölner ihr Blatt ein. Operation erfolgreich, Konkurrenz tot. Köln hat immer noch keine Tageszeitung, die dem kulturellen und wirtschaftlichen Rang der Rheinmetropole angemessen wäre.
Und die Wiener Galerien und Sammler stehen jetzt ganz ohne internationale Kunstmesse da. Das war, wie eingangs erwähnt, von außen betrachtet zu erwarten. Denn wenn die lokalen Kräfte sich schon nicht zur geschlossenen Unterstützung einer Veranstaltung durchringen können, macht das einen Standort nicht gerade attraktiv. Da darf sich das Rheinland übrigens gern angesprochen fühlen.