Rüstungskonzern als Sponsor

Künstler der "Deutschland 8"-Schau in Peking distanzieren sich von Rheinmetall

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Sechs Künstler der Ausstellung "Deutschland 8", die deutsche Kunst in Peking vorstellt, wehren sich gegen den Rüstungskonzern Rheinmetall als Sponsor der Schau

"Von Rheinmetall hergestellte Waffen und Munition werden in aktuellen Kriegsgebieten, beispielsweise im Jemen eingesetzt", heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Statement, das von Hito Steyerl und Clemens von Wedemeyer verfasst wurde und von Antje Ehmann in Vertretung des verstorbenen Harun Farocki, Marcel Odenbach, Julian Rosefeldt  und Rosemarie Trockel mitunterzeichnet worden ist. "Wir haben erst durch die Einladungskarte von den diversen Sponsoren gehört", sagt Odenbach auf Anfrage von Monopol. "Unser Protest hat grundsätzlich nichts mit China zu tun."

Stattdessen verwehren sich die Künstler dagegen, "einem solchen Konzern jegliche Art von Imagegewinn zu verschaffen. Wir möchten nicht, dass im Licht der kulturellen Diplomatie Deutschlands Werbung für Rüstungskonzerne gemacht wird, sondern protestieren im Gegenteil ausdrücklich dagegen, dass unsere Arbeiten für diesen Zweck vereinnahmt werden."

Das mehr als drei Millionen Euro teure Projekt "Deutschland 8" der Bonner Stiftung für Kunst und Kultur und der Hochschule der Bildenden Künste (CAFA) in Peking stellt 320 Werke von 55 Künstlern in sieben Museen vor und will zeigen, wie sich deutsche Kunst seit 1945 entwickelt hat. Zur Eröffnung am Sonntag war Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) angereist. Möglich gemacht wurde die Ausstellung von großen Sponsoren, darunter Volkswagen, Air China, Siemens und eben Rheinmetall.

"Der Konzern umgeht über Joint Ventures oder Tochterfirmen Exportbeschränkungen beim Bau einer Munitionsfabrik in Saudi-Arabien, aber auch in der Türkei, wo mit ihrer Expertise Kampfpanzer gebaut und umgerüstet werden sollen, in einem Land also, in dem derzeit faktisch ein Bürgerkrieg herrscht und im permanenten Ausnahmezustand Menschenrechte verletzt werden", heißt es in dem Künstlerstatement weiter.

Update 20.9.: Die Stiftung für Kunst und Kultur hat Stellung zur Kritik bezogen

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