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Verstoß gegen das Waffengesetz

Künstler muss Bußgeld wegen eines Werks zahlen

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Eigentlich wollte der Künstler und Designer Peter Zizka nur ein von ihm gestaltetes Objekt zu einem Vortrag nach Indien mitnehmen. Der Zoll allerdings brach seinen Koffer auf und beschlagnahmte die Arbeit. Der Vorwurf: Verstoß gegen das Waffengesetz

Als der in Frankfurt lebende Designer Peter Zizka in ein Flugzeug nach Indien stieg, um dort einen Vortrag über seine Arbeit zu halten, ahnte er noch nicht, dass sein Koffer aufgebrochen in Mumbai ankommt. Es fehlte ein Gegenstand: die Arbeit "Schlagende Verbindung", ein Schlagring, an dessen Kante ein Plätzchenausstecher befestigt war. Der Zoll hat das Kunstwerk konfisziert, da die Mitführung im Flugzeug gegen das Waffengesetz verstoße. Nun hat das Amtsgericht Frankfurt entschieden, dass Zizka eine Geldbuße in Höhe von 1000 Euro zahlen muss, nachdem dem Designer eine höhere Geldstrafe über 2400 Euro erlassen wurde. "Ich möchte das Ding jedenfalls nicht im Gesicht haben", sagte der zuständige Richter der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge. 

Dabei ist das Werk eigentlich ein ironischer Kommentar zur bürgerlichen Vorstellung des Weihnachstsfests: "Wir finden, dass es Zeit ist für eine durchschlagende Irritation an der Zuckerbäckerfront, die selbstverliebt an Weihnachten alles mit dem süßlichen Guss der Glückseligkeit glasiert. Also fügen wir zwei Antagonisten zusammen, die beide nichts anderes im Sinn haben, als für Ordnung zu sorgen", heißt es in einem begleitenden Text. Zizka, Absolvent der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, hat sich in seiner Arbeit schon lange mit Krieg und Gewalt beschäftigt. So hat er mit Schusswaffen aus dem Bürgerkriegsgebiet in Ruanda gearbeitet und diese für ein Kunstprojekt unbrauchbar gemacht. 

Die Zusammenhänge von Gestaltung, Gesellschaft und Politik sind ein fortdauerndes Interesse von Zizka. Für sein Buch "Egokollektiv. Peter Zizka" hat der Gestalter Autoren und Künstlerkollegen eingeladen, über die politische Dimension von Design und Kunst nachzudenken. Mit dabei sind Anselm Reyle, Barbara Kruger, Bazon Brock, Sophie Calle, Stefan Sagmeister und Wim Wenders. Das Buch wird am 12. November in der Galerie Blain Southern in Berlin vorgestellt. 

 

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