Ukraine Art Aid Center

Kulturgutschützer: Ukrainische Situation "schlimm im Moment"

Winter in Kiew
Foto: Danylo Antoniuk/Ukrinform/dpa

Winter in Kiew

Stromausfälle bei minus 15 oder 17 Grad, das macht etwas mit den Menschen in der Ukraine, berichtet ein Greifswalder Kunsthistoriker, der regelmäßig Kontakte in das Land hat und dort Menschen und Kulturgütern hilft

Der Greifswalder Kunsthistoriker Kilian Heck engagiert sich für den Schutz ukrainischer Kulturgüter. Die jüngsten russischen Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung setzen den Menschen vor Ort seiner Aussage nach sehr zu. "Das ist sehr schlimm im Moment", sagte der erst kürzlich vom Land MV für sein Engagement ausgezeichnete Wissenschaftler.

"Aus den Händen gerissen" würden den Unterstützern und Unterstützerinnen aktuell bestimmte tragbare Batterien, um etwa Computer und Handys wiederaufzuladen. "Von denen können wir gar nicht genug liefern, weil die wirklich ständig gebraucht werden."

Große Teile etwa der Hauptstadt Kiew seien bei zweistelligen Minusgraden teils sehr lange ohne Strom. "Man merkt jetzt auch leider, die sind wirklich demotiviert", sagte Heck zu der Stimmung vor Ort. Wenn es nachts minus 15 oder minus 17 Grad kalt werde und dann der Strom ausfalle, mache das auch etwas mit der Einstellung der Menschen.

Fast 1000 Einrichtungen unterstützt

Heck hat an der Universität Greifswald den Lehrstuhl für allgemeine Kunstgeschichte inne. Nach Russlands Überfall auf die Ukraine 2022 hat er zusammen mit Mitstreitern eine Organisation zum Schutz ukrainischer Kulturgüter ins Leben gerufen, das Ukraine Art Aid Center. Dort ist er auch zweiter Vorsitzender.

Das Netzwerk organisiert den Transport von Gütern, die in der Ukraine für den Schutz etwa von Museen, Archiven, Bibliotheken benötigt werden. Dazu zählt laut Heck etwa Verpackungsmaterial für Gemälde oder Skulpturen, aber auch Generatoren oder Werkzeuge. Etwa acht Millionen Euro seien bereits in die Hilfe geflossen, größtenteils vom Außenministerium und dem Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, aber auch von Spendern und Stiftungen. Seit 2022 hätten fast 1000 Kultureinrichtungen Unterstützung erhalten.

Zweimal war Heck nach eigener Aussage seit der russischen Vollinvasion schon in der Ukraine. Dieses Jahr wolle er erneut in das Land reisen. Hinzu kommen regelmäßige Videokonferenzen. "Ich kenne jetzt auch wirklich in der ganzen Ukraine schon Leute und habe da auch ein großes Netzwerk."

Kulturstätten werden "ausgeplündert"

Im November erhielt Heck den Kulturförderpreis des Landes. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) würdigte neben seinem Wirken an der Uni Greifswald auch sein Engagement für die Ukraine.

Die Situation für kulturelle Einrichtungen vor Ort ist nach Aussage Hecks schwierig. "Die haben oft nur noch ein Drittel der Besetzung vor Kriegsbeginn." Etwa, weil Menschen geflohen oder an der Front seien. Institution, die an die Russen fallen, würden "beraubt und ausgeplündert". Aus zwei großen Museen in Cherson, das von der Ukraine zurückerobert wurde, seien jeweils 15.000 Objekte geraubt worden.

Er kenne inzwischen einige Menschen, die etwa in Museen gearbeitet haben und mittlerweile im Krieg gestorben sind. Die Situation nehme ihn auch persönlich mit, sagte Heck. "Das ist einerseits frustrierend, andererseits fühlt man sich ja auch wirklich gebraucht."