Auf der Suche nach Fälschungen

Kunstfahnder ist oft mit Lupe erfolgreich

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Deutschlands dienstältester Kunstfahnder, Dieter Sölch vom bayerischen Landeskriminalamt, ist oft mit einer Lupe erfolgreich

"So eine fünf- bis zehnfach vergrößernde Lupe ist schon sehr hilfreich", sagte Sölch, der nach 45 Dienstjahren in Pension geht, der "Augsburger Allgemeinen" (Samstag). "Aber manche Fälscher sind so dusselig, dass es nicht einmal solch eine Lupe braucht. Beim Maler Erich Mercker hat einer tatsächlich das c im Nachnamen vergessen."

Am meisten gefälscht würden Werke aus der klassischen Moderne, sagte Sölch der Zeitung weiter. "Es wird immer das gefälscht, was auf dem Kunstmarkt die besten Preise erzielt." Wobei vieles gar nicht von vornherein als Fälschung geplant worden sei, sondern als Kopie, sagte Sölch. "Das gehörte an den Kunstakademien früher zur Ausbildung."

Gerade im Bereich der Grafiken werde viel gefälscht, erzählte der Experte: "Durch die supermodernen Kopierer ist heute vieles möglich, was vor 10, 15 Jahren noch Utopie war. Trotzdem wundern wir uns oft über die vertrauensseligen Käufer. Die lassen sich einen Ausdruck aus dem Tintenstrahler für einen Holzschnitt andrehen, und wenn's statt fünf Farben nur vier sind – auch egal." Ein Beispiel sei Roy Lichtenstein. "Der wird gefälscht, was das Zeug hält. Manche Leute vergleichen einfach nicht mit dem Original, das man durchaus finden könnte. Hauptsache, sie könnten ein 'Schnäppchen' machen."

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