Lawrence Abu Hamdan in Oslo

Kampf gegen Windmühlen

Windkraft als Klangwaffe: Der Turner-Preisträger Lawrence Abu Hamdan verwandelt im Munch Museum in Oslo politische Realität in akustische Kunst

Im zukunftsgerichteten Oslo fahren die meisten Autos lautlos elektrisch, zur Hafenrundfahrt lädt ein sanft gleitender E-Katamaran, wie man vom zehnten Stock des Munch Museums beobachten kann. So sanft gestimmt, betritt man dort die Ausstellung "Zifzafa" des britisch-libanesischen Künstlers Lawrence Abu Hamdan. Das ist Arabisch für Wirbelwind, und im Kern handelt "Zifzafa" von den mehr als 30 Windrädern, die laut der israelischen Regierung auf den ehemals syrischen Golanhöhen geplant sind, und zwar in Rufdistanz von arabischen Siedlungen. Saubere Energie hat da plötzlich eine andere Bedeutung: Sie wird zur Klangwaffe.

Denn wie ohrenbetäubend die Räder in den Siedlungen sein werden, hört man in den Kopfhörern vor dem Videospiel, das fast auf die Gesamtlänge der Galeriewand projiziert wird. Wir sehen aus Spielerperspektive zu und gehen zwischen den Häusern in den Golanhöhen hindurch. Das Spiel ist Open Source, alle können es sich herunterladen. Videospiele haben mehr Zuschauer als das weltweite Kino, sagte Hamdan bei der Eröffnung. Und es sei ihm wichtig, dass die Bewohner der Golanhöhen daran teilhaben können. Nur im Spiel können sie die Turbinen auch ausschalten.

Wir hören auch vorbeifahrende Autos, die Hochzeiten ankündigen, und einen Flötenspieler. Kurz: Wir werden Zeuge einer akustischen Kultur, die von den Windrädern zerstört werden wird.

Europas lauteste Windkraftanlagen

Die Sounds der Windräder, die erst noch gebaut werden müssen, stammen aus Gaildorf in Baden-Württemberg. Nirgends gibt es in Europa größere, lautere Windkraftanlagen. Allerdings stehen die in Gaildorf fünf Kilometer von den nächsten Häusern entfernt. Auf den Golanhöhen: 50 Meter. Wie sich die Schallwellen ausbreiten, zeigt ein Videotriptychon auf der linken Seite des Videospiels mit einem Farbspektrum von tiefem Violett bis hellem Lila.

Und gleich beim Eingang steht ein hoher Instrumentenverstärker, auf dessen silbrig-glitzernder Abdeckung wir den Musiker Amr Mdah sehen, wie er Saxofon spielt vor seinem Haus, was bald nicht mehr zu hören sein wird.

Dieser Artikel erschien zuerst in Monopol 11/2025