Ausstellungen zur DC Open

Wohin im Rheinland?

Installationsansicht: links gefaltete Metall-Wandskulptur, rechts drei gelbe Hochformat-Tafeln
Foto: Kai Werner Schmidt, Courtesy of the artist & Sammlung Philara, Düsseldorf / Autorisierte Rekonstruktion mit Zertifikat vom Nachlass

Sammlung Philara: "House of Balagan", Installationsansicht Charlotte Posenenske, Vierkantrohre Serie D, 1967–2016, Reliefs Serie B, 1967–2010

Zum Saisonstart in Düsseldorf und Köln zeigen die Institutionen ein hochkarätiges Programm. Hier treffen Klassiker auf radikale Gegenwart

Den ersten Platz für den besten Ausstellungstitel hat Ser Serpas schon einmal: "sonderbare Tage" heißt ihre Soloschau im Kölnischen Kunstverein, die am 3. September eröffnet. Und nicht nur das trifft den Nerv der Zeit, sondern auch die Skulpturen, Bilder und Räume, die die 1995 in Los Angeles geborene multidisziplinäre Künstlerin mit Skulptur, Malerei, Lyrik und Performance schafft: unglaublich roh, expressiv, persönlich, zugleich genau austariert, wie ein dreidimensionales, auch politisches Gedicht, das unter die Haut geht. Damit ist sie zu einer der international meistbeachteten jungen Positionen geworden. Ihre Skulpturen und Assemblagen konstruiert oder dekonstruiert Serpas aus Sachen, die sie auf der Straße sammelt: Sperrmüll, Metallteilen, Holzresten − und oft vor Ort zusammensetzt.

Der wohl älteste Künstler, der an dem DC-Open-Wochenende eine Ausstellung eröffnet, ist Herman de Vries: Die Zero-Foundation in Düsseldorf widmet dem Niederländer, der die Natur zu seinem liebsten Medium erkoren hat, zum 95. Geburtstag eine Retrospektive mit dem Titel "Zero is the Gate".

Collage aus fünf Motiven auf grünem Grund
Foto: Bruno Schneyer; Katharina Winterhalter (Porträt Herman de Vries)

ZERO Foundation: Herman de Vries, vier von 18 Tafeln aus dem Journal "from a trip to imessouane", 2011


Im K21 der nächste Hit: eine Retrospektive des 1981 geborenen kanadischen Künstlers, Filmemachers und Essayisten Jon Rafman, dem Archäologen und Geschichtenerzähler des Internets, der schon mit Second Life herumexperimentierte, als andere das Wort noch nie gehört hatten. Seine immersive Schau "Main Stream Media" ist eine Art Jurassic Park des Web 2.0 und vereint Werke aus 19 Jahren: ein infernalischer, lustiger, philosophischer KI-Trip. Nichts White Cube, sondern bedruckte Tapeten, Planen, Teppiche, Einbauten, Requisiten. Die Filme schaut man in einem Kino und auf, ähm, "humanoiden Liegestühlen".

Installationsansicht: links großes Video; Wände und Boden mit bedruckten Stoffen, zentrale Skulpturen.
Foto: Courtesy the artist and Sprüth Magers

K21: Jon Rafman "Proof of Concept", 2025

 

"In Szene gesetzt" im Kunstpalast ist eine Ausstellung der Reihe "Made in Düsseldorf", die die Konstruktion der Wirklichkeit und die Möglichkeiten, Realität abzubilden, untersucht. Mit dabei sind unter anderen Jan Dibbets, Simon Dybbroe Møller und Barbara Probst. Und dann nach Flingern: "House of Balagan", die Schau zum zehnjährigen Bestehen der Sammlung Philara mit über 100 Arbeiten von 80 Künstlern − ein konzentrierter Ausschnitt aus der Sammlung Gil Bronners und seiner Familie. Das Spektrum reicht von George Grosz und Hanne Darboven bis zu AA Bronson und Rita Ackermann.

Mikroskop
Foto: Jeffrey Nakamura, © Amanda Ross-Ho

Kunstpalast: Amanda Ross-Ho "OMEGA XXS", 2024


Zurück nach Köln: In den Räumen von Ketterer Kunst zeigt die Galerie Michael Haas "D’après Manet", eine Ausstellung mit Werken internationaler Künstlerinnen und Künstler, von denen ein Großteil eigens für diesen Anlass geschaffen wurde. Sie alle würdigen das Vermächtnis des französischen Malers Édouard Manet (1832–1883). Mit dabei sind unter anderen Gregor Hildebrandt, Martha Jungwirth, Astrid Klein und Albert Oehlen.

Alle lieben Manet − aber auch Shannon Bool. Die in Berlin lebende Kanadierin zeigt im Rahmen der DC Open die szenische Präsentation "Magnificent Transmutations" in der Kunst-Station Sankt Peter Köln − einem spätgotischen Raum in der gleichnamigen Kirche. Bool hat eine atemberaubend moderne Tapisserie gemacht, einen Jacquard-Teppich, auf dem Haute-Couture-Modelle von Lanvin mit der Georgia-O’Keeffe-artigen Skyline von New York verschmelzen. Dazu eine Straßenlaterne, die auf der Beleuchtung der Karl-Marx-Allee basiert, sowie kleine Keramik-Architekturen vom Mittelalter bis zur Moderne. Zugleich wird in der Kölner Oper Bools Mosaik-Arbeit "Glass Curtain" eingeweiht − wirklich magnificent.

Gemälde: weiße Plastiktüte mit Aufdruck vor dunklem Grund, roter Stoff und Abfall im Vordergrund.
Foto: Lea Gryze, © Astrid Klein / Courtesy the artist, Sprüth Magers und Galerie Haas

Galerie Michael Haas: Astrid Klein "Ohne Titel", 2025

Dieser Artikel erschien zuerst in Monopol 9/2026.