Luxembourg Art Week

Flanieren im Großherzogtum

77 Galerien aus 15 Ländern und ein Montréal-Schwerpunkt: Die Messe Luxembourg Art Week bringt an diesem Wochenende ein breites Panorama zeitgenössischer Kunst in Deutschlands kleinstes Nachbarland

Der Name ist Luxembourg Art Week, dahinter steckt aber eine Messe – und zwar eine, die sich in den vergangenen zehn Jahren zum führenden Kunstmarkt-Event in der Region aufgeschwungen hat. Für ihre elfte Ausgabe zieht sie erneut in den temporären Bau mitten in Luxemburg-Stadt ein, wo sich 77 Galerien aus 15 Ländern begegnen. Die lokale Szene, angeführt von Nosbaum Reding und Ceysson & Bénétière, ist stark präsent, dazu kommen internationale Größen wie Galerie Lelong aus Paris.

Gaststadt ist in diesem Jahr Montréal. Vier Galerien geben einen kompakten Einblick in die Kunstwelt der kanadischen Metropole: Art Mûr bringt Skulpturen von Eddy Firmin und Karine Payette sowie Landschafts-Imaginationen von Holly King und Hédy Gobaa über den Atlantik; Bellemare Lambert zeigt eine kleine Einzelschau des Malers Jérôme Bouchard. Duran Contemporain präsentiert "Visions Montréalaises" mit sechs jungen Malerinnen, deren Arbeiten zwischen Figuration und Abstraktion pendeln. Und Chiguer Art Contemporain widmet sich mit Beiträgen von François Simard, Eveline Boulva, Dan Brault, Annie Baillargeon und François Morelli dem Thema Natur – von Eislandschaften bis Wildwuchs.

Neben dem Montréal-Schwerpunkt bleibt das Profil der Messe breit gefächert: Belgien ist wie immer stark vertreten, von der Stems Gallery bis Zwart Huis; aus Frankreich kommen neben Lelong Häuser wie Maria Lund, Olivier Waltman oder Lazarew. Dazu gesellen sich Galerien aus Italien, Spanien, Marokko und der Schweiz, die in Luxemburg auf ein Publikum treffen, das kuratorische Handschrift ebenso schätzt wie marktfrische Positionen.

Galerie Burster: Gary Schlingheider "Majestic 1", 2024
© Gary Schlingheider, Courtesy Galerie Burster

Galerie Burster: Gary Schlingheider "Majestic 1", 2024

 

Deutsche Galerien treten in dieser Mischung ebenfalls auf: darunter sind Albert Baumgarten (Freiburg) mit materialorientierten Setzungen, Galerie Burster (Berlin/Karlsruhe) mit den farbintensiven Hard-Edge-Objekten von Gary Schlingheider, Carolyn Heinz (Hamburg) mit einem starken Zeichnungstableau und DavisKlemmGallery (Wiesbaden/Hochheim) mit Positionen, die urbane Bildsprachen untersuchen. J+ (Berlin) zeigt Arbeiten, die sich mit Identität und Selbsterzählung beschäftigen; im Take-Off-Segment sind unter anderem Philipp Anders (Leipzig), PAW (Karlsruhe) und Lage Egal (Berlin/Brüssel) dabei.

Flankiert wird die Messe wie jedes Jahr vom Art Walk, der Luxemburg in einen weitläufigen Parcours aus Skulpturen, temporären Schaufensterprojekten verwandelt. Die Route verbindet Stadtzentrum und Bahnhof, führt an Institutionen vorbei und öffnet zahlreiche Orte für künstlerische Interventionen.

Auch Talks setzen Akzente: von generativer KI und Fragen der Urheberschaft über neue Finanzierungsmodelle bis hin zu einem Montréal-Panel, das Einblicke in die Dynamik der kanadischen Kunstszene gibt. So entsteht ein Messewochenende, das kompakt bleibt, aber international wirkt.