Debatte um Frauenanteil

Männerfreundschaften

Foto: dpa
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Eine Besucherin in der Ausstellung "Pizza is God" vor dem Kunstwerk "Studio Life" von Daniel van Straalen. In der Gruppenausstellung, die bis 20. Mai im NRW-Forum zu sehen war, waren 21 Werke von Männern, zwei Werke von Frauen und drei Werke von Kollektiven ausgestellt

Eine Ausstellung im NRW-Forum Düsseldorf wird wegen ihres Männerüberschusses scharf kritisiert. Und im südfranzösischen Arles wenden sich Fotografinnen gegen den Machismo am Fotofestival
 
"Im Zweifel für den Zweifel: Die große Weltverschwörung" heißt eine Ausstellung über politische Verschwörungstheorien, die in dieser Woche im NRW-Forum Düsseldorf eröffnet. Die Kuratoren Alain Bieber und Florian Waldvogel sind ebenfalls unter Verschwörungsverdacht geraten: Ihnen wird männerbündlerisches Vorgehen vorgeworfen. Auf der Künstlerliste stehen zwölf Künstlern nur zwei Künstlerinnen gegenüber, dazu kommen drei Künstlerkollektive, von denen zwei auch weibliche Mitglieder haben. 
 
"Die zwei Kuratoren haben bestimmt einen exzellenten Grund dafür, so gut wie alle Arbeiten von Frauen zu übersehen, die im Kontext dieser Ausstellung etwas hätten beitragen können", schrieb die Künstlerin Candice Breitz in einem polemischen Facebook-Kommentar auf der Seite des NRW-Forums. "Die Kuratoren sind von verschiedener Seite dazu aufgeforderter worden, zu erklären, warum sie der Ansicht waren, dass es das Beste für die Ausstellung sei (die als 'internationale' Gruppenausstellung angekündigt wird), alle Künstler*innen auszuschließen, die keine (weißen) Männer sind. Bislang hatten sie nicht die Eier, zu antworten." Breitz' Post wurde ihren Angaben nach kurz danach von der Seite gelöscht. 

Auf Anfrage von Monopol sagte der Direktor des NRW-Forums, Alain Bieber: "Die Kritik von Breitz ist berechtigt. In der aktuellen Ausstellung gibt es weniger Künstlerinnen als Künstler. Natürlich war es nicht unsere Intention, weibliche Positionen von der Ausstellung auszugrenzen. Und mit Juliane Herrmann, Suzanne Treister und auch durch die Kollektive mit Frauenanteil wie Forensic Archicture und Disnovation.org sind diese vertreten. Wir haben uns beim Kuratieren der Ausstellung an dem Thema abgearbeitet, und 'Verschwörungstheorien' sind ein Thema, zu dem mehr männliche Künstler arbeiten, und Verschwörungen sind auch ein Diskurs, der scheinbar vor allem Männer fasziniert."
 
Seiner generellen Verantwortung für eine ausgeglichene Repräsentation der Geschlechter stimmte Bieber in seinem Statement zu: "Ich bin natürlich absolut für Gender-Mainstreaming – aber ich bin auch gegen eine 'Frauenquote' beim Kuratieren von Kunstausstellungen. Geschlecht, Hautfarbe und Herkunft sollten nicht im Fokus der Aufmerksamkeit stehen, sondern die künstlerische Arbeit. Aber als Institution hat man natürlich die Pflicht sich um Ausgewogenheit zu bemühen, größtmögliche Diversität ist auch unser erklärtes Ziel. Und deshalb nehmen wir diese Vorwürfe sehr ernst und diskutieren gerade intensiv, was wir in Zukunft ändern können."

Generell hält Bieber aber den Vorwurf und auch die Form der Kritik, der er "Online-Pranger" nennt, nicht für angemessen: Das NRW habe in der Vergangenheit sowohl in Gruppen, als auch in Einzelausstellungen zahlreiche Künstlerinnen gezeigt und mit zahlreichen Kuratorinnen gearbeitet. 

Auch in Frankreich flackert derweil die Kritik an einer männerdominierten Ausstellungspraxis auf. Eine Gruppe von Fotografinnen um Marie Docher hat Anfang September in einem offenen Brief in der französischen Zeitung "Liberation" den Direktor der Rencontres de la Photographie D’Arles, Sam Stourdzé aufgefordert, in Zukunft eine angemessene Anzahl von Fotografinnen zu zeigen. In 49 Jahren seines Bestehens sei das Fotofestival 47 Mal von einem männlichen Direktor geleitet worden. So gut wie nie seien mehr als 20 Prozent Fotografinnen in den Ausstellungen vertreten gewesen. In diesem Jahr gingen 12 monografische Ausstellungen an Männer, drei an Frauen.

"Was für eine Kunst, was für ein kulturelles Erbe wird hier gezeigt?", fragt die Fotografin Marie Docher. Um die Lage der Künstlerinnen zu verbessern, brauche es keine weiteren Preise exklusiv für Frauen und keine Förderprogramme. Stattdessen sollten Festivalmacher und Kuratoren sie einfach ausstellen. "Frauen wollen keine Ausnahmeregelungen, sie wollen ihren fairen Anteil", so Docher.