Fälscher-Film im Kino

Echt jetzt?

In Dafen, Chinas Hauptstadt der Kopien, entstehen täglich Hunderte von Richters und Rembrandts. Stanislaw Muchas Kinofilm "Manche mögen’s falsch" zeigt die Fälscher als Fließbandkünstler – und den Kunstmarkt als absurde Komödie

Die Öl-Hochburg Dafen, ein Stadtteil von Shenzhen, lebt von einem simplen Geschäftsmodell: Es wird kopiert, bis sich die Leinwände biegen. In rund 300 Werkstätten und 1100 Ladengeschäften arbeiten um die 12.000 Kopistinnen und Kopisten. Ein Gerhard Richter ist schon für 50 Dollar zu haben, ein Rembrandt für 1000. Außerdem gibt es Da Vinci und Caravaggio, Modernes von Polke und Freud.

Für chinesische Nostalgiker werden in den Werkstätten und Großateliers auch Porträtkopien von Mao Tse Tung in Akkord hergestellt. Im Supermarkt gibt es Gemälde sogar zum Kilopreis. Während der Pandemie ließen die Großbestellungen aus Europa und USA zwar nach, inzwischen steigt die Nachfrage aber wieder. Vor allem aus Ländern wie Saudi-Arabien, Mexiko oder Australien.

Stanislaw Mucha taucht in seinem augenzwinkernden Dokumentarfilm "Manche mögen’s falsch" in diesen Kosmos der massenhaften Klassiker-Herstellung ein, lässt die "Künstlerinnen" und "Künstler" zu Wort kommen, die der Aura des Originals offenbar nichts abgewinnen können und schwelgt in der Omnipräsenz des Kunstwerks im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit.

Der Film schließt sich nahtlos an andere Fälscher-Porträts der letzten Jahre an: "Beltracchi – Die Kunst der Fälschung", "Un vrai faussaire" oder "Art and Craft". In ihnen ging es immer um verhinderte Genies auf kriminellen Abwegen. Mucha legt dagegen den Fokus aufs Fälschen als Kollektivjob. Stadtaufnahmen wechseln sich ab mit Szenen, die sich der Geschichte von Dafen widmen.

Solidarisierung mit den Fälschern

Das aus westlicher Sicht kuriose Treiben begann mit dem Unternehmer Huang Jiang. Er gründete 1989 die erste Werkstatt. "Früher hatte ich ein Monopol auf ganz Florida", erzählt er. "In Florida gibt es jede Menge Villen. Schöne große Häuser. Deshalb wollten sie da große Gemälde, nicht so kleine wie hier. Ich habe sogar Walmart und Kmart beliefert, die beiden größten amerikanischen Handelsketten. Jeden Monat schickte ich ein paar Container mit Gemälden los."

Man begegnet "Chinas Van Gogh", der einen Großhandel mit Sonnenblumen betreibt und bei russischen Öl-Konzernen treue Abnehmer findet. "Wir haben uns auf der Terrasse des Cafés in Arles getroffen", erzählt Zhao Xiaoyong. "Da habe ich Van Gogh mein Herz ausgeschüttet. Das war schön. Hier auf dem zweiten Bild hat er mich mitgenommen und mich durch sein Museum geführt, das Van Gogh Museum. Als wir herauskamen, sagte Van Gogh zu mir: 'Ich bring dir bei, meine Sonnenblumen zu malen.'"

"Manche mögen’s falsch" ist eine Realsatire auf einen Kunstmarkt, der sich längst verselbständigt hat. Zugleich ist der Film aber auch eine Feier des analogen Handwerks in einer Welt, die in digitaler Bildproduktion versinkt – getragen von belustigten Voiceovers des Regisseurs und unter gänzlichem Verzicht auf Ausflüge in Kunsttheorien oder tiefsinnige Analysen. Stattdessen solidarisiert sich Mucha mit den Fälschern, die liebevoll ihren Vorbildern Respekt zollen und ihre Kinder zwischen Klimts "Der Kuss" oder Munchs "Schrei" aufwachsen lassen.